Ohne Strom und fließend Wasser

Heute haben mich Franzisca und Estefany abgeholt um mir ihr Zuhause zu zeigen.

Sie hilft bei Blanca für ein bisschen Lohn, Frühstück und Mittagessen für beide. Außerdem kann Estefany das Internet nutzen um weiter an der Schule teilnehmen zu können.
Sie wohnen abgeschieden von der restlichen Zivilisation im Haus ihrer Großeltern neben einem Kieswerk. Zur Schule war, und auch zu Blanca ist es insgesamt eine gute Stunde zu Fuß und dann mit Bus.

Franzisca ist 45 Jahre alt. Wäscht nebenher Wäsche und sammelt Dosen auf. Für 30 Dosen bekommt sie 4 Quetzal. Eine Fahrt nach Xela kostet für beide 5 Quetzal (ca. 60 Cent)

Die Küche
Hier wird Wasser gelagert. Das bekommt sie vom Kieswerk geliefert. Das trinken die beiden auch, allerdings abgekocht. Mir wollte sie davon nichts anbieten.
Und hier wohnen sie. Es gibt keinen Strom.

Sonnenuntergang ist um 18.15 Uhr, das heißt dass beide sehr früh ins Bett gehen, weil sie einfach nichts mehr tun können. Licht haben sie nur vom Handy, das Handy können sie nur bei Blanca laden oder bei einer Schwester von ihr. Da macht aber der Schwager Probleme…

Eine Toilette haben sie nicht.

Franzisca hat mir noch die Umgebung gezeigt. Zum einen wohnen sie nahe am Berg und sie hat Angst wegen der Felsbrocken die bei einem Erdbeben oder den Dynamitsprengungen im Kieswerk auf’s Haus fallen könnten.
Zum anderen kommt bald der Sommer, was Regen bedeutet. Und da das Kieswerk die Drainage zugeschüttet hat, unterspült es ihr bei starkem Regen ihr komplettes Grundstück. An der Tür sieht man den Wasserpegel.

Und dass hier die Naturgewalten allgegenwärtig sind hat sich mir auf dem Nachhauseweg gezeigt.

Und dann ist noch alles voller Staub der vom Kieswerk kommt. Dieser Staub ist einfach überall.

Auch Estafany wird eine Schulpatenschaft erhalten. Leider waren beide schwer krank als sie Estefany in die weiterführende Schule anmelden mussten. Und da auch die Handys leer waren, konnten sie wohl niemandem Bescheid geben. Deshalb darf sie dieses Schuljahr nicht machen. Wenn es klappt, werde ich mit den beiden nochmal zur Schulbehörde gehen, sonst kümmert sich Miriam drum.

Estefany ist 12 Jahre alt, ein Teenie, will Tierärtzin werden und ihr Idol, eine mexikanische YouTubeerin, kennenlernen.

Auf ihre Hand hat sie „Dreams“ gekritzelt, die Mutter hält die Dosen in ihrer Hand, die sie bei einem Fussballspiel, an dem wir vorbei gekommen sind, erbettelt hat…
Ich bin danach mit den Öffentlichen weiter…
…um eine Solarlampe zu kaufen. (ein herzliches Dankeschön an alle Spender🙏) Ich freu mich total an diesem Ding. Es kann als Taschenlampe genutzt werden, sie können ihre Handys aufladen und mit dabei sind 3 Birnen mit je 2m Kabel. Damit wird ihr Leben sicher etwas einfacher. Und das für knappe 30 Euro.
Außerdem hab ich noch für knappe 30 Euro – nochmal ein DANKE an alle Spender 😘 – Schulmaterialien für Jazmin gekauft.

Und heute Abend habe ich mich mit Edy getroffen, meinem Spanischlehrer von vor 20 Jahren.

Er war auch mal so ein Kind. Seine Mutter hat ihn früh verlassen, seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Er ist lieblos bei seiner Patentante aufgewachsen. Und das Geld, dass er damals als Spanischlehrer verdient hat, musste reichen, um als junger Mann über die Runden zu kommen. Er hat sein Studium durchgezogen und arbeitet bei einer Brauerei, inzwischen als hohes Tier. Ihm geht es für guatemaltekische Verhältnisse sehr gut.

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