
So heißt ein Vorort von Thessaloniki der seinem Namen alle Ehre macht. Dort darf ich bei der reizenden Gusti und ihrer Familie im Gästehaus wohnen. Ist Thessaloniki gekennzeichnet durch Hochhäuserreihen bis ans Meer…

…sieht man in Panorama Villen und Einfamilienhäuser. Wenn ich morgens los will, dann fahren mein Panda und ich durchs Tor des mit einem hohen Zaun gesicherten Grundstücks…

Wenn ich beim Camp Diavata ankomme, dann hält mich Zaun (und Mauer) davon ab, dort hineinzukommen…

Für mich ist es ganz ungewohnt, von so vielen Zäunen umgeben zu sein. Bin ich doch so ein freiheitsliebender Mensch. Und obwohl es jeweils ein Zaun ist, fühlt es sich doch komplett unterschiedlich an. In Panorama innerhalb des Zauns bin ich und mein Auto geschützt. Am Camp außerhalb des Zauns wird am ehesten meine Seele davor geschützt, sehen zu müssen, wie Menschen Wochen, Monate und Jahre leben müssen, weil sie vor Krieg und Hoffnungslosigkeit geflohen sind.
In Panorama fühle ich mich sicher und mit einem Knopfdruck auf die Fernbedienung des Tors steht es mir frei, dorthin zu fahren, wo ich gerade Lust habe. Was für ein Privileg! Schaue ich auf´s Camp, dann fühlt es sich eng an. Ich frage mich, ob sich die Menschen darin sicher oder eingesperrt fühlen? Ich werde nachfragen…
Casa Base wurde von Maurizio, einem Italiener, erschaffen und bis Oktober letzten Jahres mit viel Hingabe von ihm geführt. Er ist unerwartet verstorben. Dorothee, die Leiterin von Naomi, einem Verein, der Casa Base unterstützt, hat mir erzählt, sie hätte nie gedacht, dass es ohne Maurizio überhaupt irgendwie weiter gehen kann. Diese Dorothee hat mir meinen Unterkunft vermittelt und mich am Mittwoch Abend zu einem Treffen der evangelischen Gemeinde eingeladen, zu der auch Gusti gehört.

Ihr Mann hat uns zu dem Treffen gefahren und ich konnte meine Fragen zu den griechischen Verkehrsregeln loswerden. Es ist nämlich so, dass in Griechenland der, der in den Kreisverkehr einfährt, Vorfahrt hat. Das hat in meiner ersten Stunde auf der Straße fast zu einem Unfall geführt. Als ich beim nächsten Kreisverkehr (und es gibt viele davon) alles richtig machen wollte, hupte es sofort. Ungefähr genauso undurchsichtig ist der eigentliche Rechtsverkehr. Gefühlt ist es eher links vor rechts. Beide lachten, als ich fragte und die Antwort war, dass es nicht wirklich Regeln gibt und ich aufmerksam fahren soll.
Konstantin setzte uns im Zentrum ab und ich bekam von Gusti eine kleine Stadtführung mit Einführung in die griechische Kultur und Umgangsformen. Teile der alten Stadtmauer sind ausgegraben und liegen weit unter dem Niveau auf dem das heutige Thessaloniki jetzt steht.

Wir kamen nach einem Spatziergang durch die lebendige Innenstadt bei den Räumlichkeiten der „Evangelischen Kirche deutscher Sprache“ an. Mit einem Schmunzeln erklärte mir Gusti, dass eigentlich die meisten der Frauen Katholikinnen sind. Aber das wäre völlig egal. Alle diese deutschen Frauen sind wegen der Liebe vor Jahrzehnten nach Griechenland gekommen. „In der Fremde schließt man sich zusammen“, und so ist diese Gemeinde für diese Frauen Freundschaft, Unterstützung, Halt – unverzichtbar.

Aber diese Damen engagieren sich auch sozial, machen Flohmärkte um Geld für soziale Projekte zu sammeln, es werden deutsche Gefangene im Gefängnis besucht, 2 Wohnungen für Flüchtlinge werden durch Spenden finanziert und grundsätzlich wird Hilfe für jeden, ungeachtet ihrer Religion oder Nationalität unterstützt. Ich wurde an diesem Abend eingeladen, um über meine Arbeit mit ätherischen Ölen zu erzählen. Ich wurde freundlich in Empfang genommen und durfte knappe 2 h mein Wissen weitergeben.

Solch spannende Frauen, und ach, wie romantisch doch auch! Da musste eine der Damen doch lachen und meinte, dass bei vielen die Romantik auch sehr schnell wieder verflogen sei. Und inzwischen sind viele auch verwitwet.
Und leider fehlt es ihnen an Nachwuchs. Viele ihrer Kinder sind genauso international unterwegs wie sie, haben Partner aus anderen Ländern und leben im Ausland. Und die junge Generation hat wohl andere Interessen bzw. organisieren sich anders.
Auf dem Weg zum Parkhaus konnte ich es fast selbst nicht glauben. Seit 3 Tagen bin ich da, laufe nun durch diese Stadt mit 1,2 Millionen Einwohnern und kenne jemanden! Eine Frau aus dem Irak, die ich morgens im Casa Base kennengelernt habe, kommt mir auf diesen vollen Straßen entgegen und winkt mir. Sie war mit ihrer Familie 3 Jahre in Deutschland gewesen, haben deutsch gelernt aber keine Papiere bekommen. Deshalb sind sie vor 2 Monaten wieder nach Griechenland zurückgekommen, um nun hier zu leben..

Mit Gusti und 2 der deutschen Frauen sind wir dann in Panorama noch Wein trinken gewesen und ich habe neugierig gelauscht. Stoff um Bücher zu füllen! Und wie schön zu hören, wie diese Freundschaften seit Jahrzehnten bestehen. Sie haben in der Fremde ihre Liebe geheiratet, und in Griechenland heiratet man nicht nur den Mann sondern die ganze Familie…haben ihre Kinder großgezogen, viele Nächte Thessaloniki´s Innenstadt unsicher gemacht und stützen sich nun gegenseitig, weil auch in Griechenland die Statistik zutrifft und die Frauen länger leben lässt…
„Ein Anruf genügt, und wir sind füreinander da“ Wie wertvoll!!!
