Naomi

Am Mittwoch war ich zu Naomi eingeladen. Aber bevor ich dort ankam, hatte ich den Stadtverkehr zu überwinden und einen Albtraum erlebt…

Ich würde mich als unerschrockene Fahrerin bezeichnen. Und das muss man hier auch sein. Die Roller, die es bei Rot noch nicht geschafft haben sich vor die Auto zu drängeln, und sei es über die Gegenfahrbahn und den Fußgängerüberweg, überholen von beiden Seiten beim losfahren. Es wird grundsätzlich in 2. Reihe geparkt und wenn dann der Rettungsdienst mit Blaulicht hinter dir ist, heißt es, Gas geben und gleichzeitig eine Lücke zu suchen 😅

Ja und dann kam ich im Parkhaus an, dass Dorothee mir genannt hat. Da stehen die Autos in 3er Reihen hintereinander. Aber tatsächlich muss man aussteigen, bekommt einen Schein in die Hand gedrückt und dann wird dein Auto eingeparkt…

Ich bin dann mit einem nicht sehr vertrauenswürdigen Aufzug in den 6. Stock zu Naomi gefahren um meine Tasche mit ätherischen Ölen abzugeben. Ich wollte dann erstmal in die Stadt gehen, mir Frühstück holen. Ich habe kurz überlegt die Treppe zu nehmen, bin dann aber doch in den Aufzug gestiegen…

..hab auf Erdgeschoss gedrückt, der Aufzug fuhr los, genau einen Meter und dann blieb er stehen… Da bin ich absolut kein Held, fühlte die Panik in mir hochsteigen… Egal welchen Knopf ich drückte, es rumpelte nur und nichts ist passiert. Ich sah mich schon abstürzen, drückte den Alarmknopf der nur im Flur klingelte. Ich rief dann Dorothee an, die in einer Besprechung war. Die 2 Türen vom Aufzug, die offen standen schloss ich dann und Halleluja, der Aufzug bewegte sich wieder und mir öffnete ein Mann, der ganz entspannt meinte:“ Die Türen schließen“. Dorothee war dann auch schon da und meinte, ich soll den anderen Aufzug nehmen aber keine 1000 Pferde haben mich in diesen Aufzug gebracht. Ich lief lieber durch dieses schmutzige, dunkle Treppenhaus, was so ähnlich auch in meinen Albträumen vorkommt.

Nach einem Tee in der Sonne – ein Ouzo wäre mir lieber gewesen – bin ich dann zu Naomi zurück, über die Treppen in 6. Stock. Dort sollte ich dem Team der Produktion mit ätherischen Ölen was Gutes tun.

Naomi wurde 2015 von Dorothee gegründet um geflüchteten Menschen zu helfen. Inzwischen gibt es 3 Bereiche. Zum einen die Produktion, wo ausgebildete Schneider*innen für in- wie ausländische Firmen Kleidung nähen…

Es gibt auch einen Shop, wo die Produkte verkauft werden…

Es wird viel Upcycling gemacht. Seien es alte Fahrradschläuche…

…Planen…

…Jeans…

…und vor allem die alten warmen Decken aus Idomeni, die man den Geflüchteten gegeben hat, nachdem man sie aus dem Meer gezogen hat…

Inzwischen gibt es auch eine Akademie, wo Menschen ausgebildet werden, um dann ein Zertifikat für die Schneiderausbildung zu bekommen…

Die Chefin für den Businessbereich, die in ihrem 2. Leben Unternehmerin in der Textilbranche ist, ist sehr stolz auf diesen Bereich. Gerade haben sie ein großes Projekt mit einem Zirkus, der durch mehrere europäische Länder reist und dort auch Geflüchtete mit in die Show einbezieht. Die Kostüme, die alle Elemente mit den Decken beinhalten, werden dort hergestellt.

Und dann gibt es noch die Sozialabteilung, die unter anderem Casa Base unterstützt. Sie meinte es wäre noch sooo viel mehr möglich, wenn Stadt oder Land sie unterstützen würden…Aber sie wirkte keineswegs frustriert. Sieht sisie ihre Arbeit doch als „drop in the ocean“. Auf englisch doch so viel schöner als unser deutsches „Tropfen auf den heißen Stein“.

Ich hatte viel Spaß mit dem Team in der Produktion. Habe ihnen eine Duftlampe gebracht und jedem ein Öl für’s Gemüt gemischt. Auch andere Mitarbeiter, angelockt vom Duft, waren plötzlich da und waren ein bisschen neidisch. Am nächsten Morgen kam ein Bild von ihnen mit einem dicken Dankeschön…

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