Das Meer…

Den Samstag habe ich mit Claudi aus der Gemeinde verbracht. Sie hatte mich zum Mittagessen eingeladen und mir dann die Altstadt gezeigt. Es hat so einen leichten Flair von Italien, mit diesen kleinen Gässchen…

Dort gibt es leider auch Zeugnisse des Judenhasses. Als der jüdische Friedhof damals zerstört wurde, hat man die Grabsteine zum Gassenbau verwendet…

Und wieder sind wir so nah dran – es beschäftigt mich sehr, weil ich aktuell auch das Buch von Susanne Abel höre „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“

Nach einer Besichtigung der orthodoxen Kirche des Schutzpatrons Thessalonikis…

… hat unsere Tour genau dort aufgehört, wo Michaela letzte Woche mit ihrer Führung angefangen hat. So kenne ich nun die wichtigsten Teile Salonikis, wie hier alle sagen. Dort trennten wir uns und sie hat mir noch erklärt, wie ich wieder zu meinem Auto finde, dass ganz oben an der alten Stadtmauer stand.

Und nachdem ich in der Stadt noch ein paar Besorgungen gemacht habe bin ich dann in den Bus gestiegen und schwarz gefahren. Ganz zu Beginn, als sich meine deutschen Kolleginnen eine Monatskarte kaufen wollten, kam der Kommentar, dass hier keiner ein Ticket hat, weil nie kontrolliert wird. Also hab ich das auch so gemacht… und natürlich hat sich im Bus eine ältere Dame ein Ticket gekauft. Also wahrscheinlich ist das eher unter den vielen Studenten hier so…

Ich habe mein Auto dann tatsächlich auch wieder gefunden, wobei es eine Herausforderung war 😅…

…durch die engen Gassen in der Dunkelheit.

Da für Sonntag das noch bessere Wetter angesagt war, bin ich wieder ans Meer gefahren. Griechenland hat eine Küstenlänge zwischen 13676 und 15147 km (laut World Resource Institute und CIA World Factbook). Auf dem Stück Strand, für das ich mich entschieden habe, laufe ich als aller erstes auf eine Schwimmweste zu…

Und da ist es wieder, dieses bedrückende Gefühl, dass ich erst seit 2015 kenne. Bin ich jemand, der aus vollem Herzen dieser Definition von Thalassophile entspricht, ist da doch auch dieses Wissen, was in diesem Meer so vielen Flüchtlingen passiert ist.

Eines meiner traurigsten Erlebnisse war bei meinem 2. Aufenthalt in der Türkei, als ich mit der Fähre von Cesme nach Chios übergesetzt bin. Ich habe die Schlepper gesehen, die mit den Schlauchbooten ankamen, sie aufgebaut und die Menschen hineingepfercht haben. Ich wußte, dass sie 4stellige Beträge für dieses Risiko bezahlt hatten. Und jeder hat wahrscheinlich noch das Bild von dem kleinen toten Alan im Kopf.

Mit meinem deutschen Ausweis konnte ich für wenige Euros das Fährticket kaufen. Saß in einem klimatisierten Bereich und habe mir Videos über die schöne Ferieninsel auf dem Monitor angeschaut… Ich habe damals bittere Tränen geweint und dieses Gefühl taucht nun immer wieder auf, wenn ich auf´s Meer schaue. Das war vor gut 7 Jahren, und noch immer sterben Menschen, bei dem Versuch, das Mittelmeer in völlig überfüllten und absolut untauglichen Booten zu überqueren.

Nach dem Frühstück fahre ich weiter, weil es mir zu windig ist, und suche mir auf der Ostseite vom ersten Finger der Chalidiki ein Plätzchen wo ich ins Wasser kann. Und wieder ein krasses Bild an was ich da hinlaufe…

Wahrscheinlich hängt man da irgendwelche SUP’s hin, aber spannend, auf was ich so sensibilisiert bin…

Auch ist das Thema Plastikmüll leider nicht zu übersehen. Und auch das gibt mir Stoff zum drüber sinnieren, weil ich mir auf Netflix gerade „Seaspiracy“ anschaue. Ich kann ihn nur teilweise schauen, weil es echt harte Kost ist. Fast 50 % des Plastikmülls in den Meeren sind…

…Netze und andere Teile der Fischfangindustrie.

Nichtsdestotrotz genieße ich die Sonne, die Luft und das glasklare Wasser und geh natürlich auch baden. Nehme all die guten Gefühle ganz bewusst wahr, die das Meer eben doch überwiegend in mir auslöst…

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