(Abschied) Nehmen

Mittwoch war schon mein letzter Tag. Michaela aus der Gemeinde kam auch noch bei Casa Base vorbei und brachte einen Ofen mit 3 Herdplatten. Der kam wie gerufen, die Mädchen durften für ein Fest, das am Freitag bei Naomi stattfindet, 12 Kuchen backen. Und da war ein Ofen mehr natürlich ein Segen. Nur nicht für die Sicherung. Deshalb musste er in den 1. Stock. Und wird dann einer der Familien gegeben, die im Camp keinen Ofen hat…

Obwohl kaum eine Frau wußte, dass es mein letzter Tag war, kam mir an diesem Tag so viel Aufmerksamkeit entgegen. Ich wurde umarmt, mir wurde gewunken. Oder nahm ich es nur anders wahr?

Ich hatte noch so viel zu verräumen und fertig zu machen. Ich habe eine Duftlampe für Casa Base gekauft, mischte noch ein paar Fläschchen Duftmischungen und schrieb eine Anleitung…

Der Hebamme hab ich das „Vier-Winde“ (Blähungs-)Öl da gelassen und noch eine kurze Einweisung zum mischen gegeben.

Da ich abends noch einen Termin hatte, musste ich an meinem letzten Tag früher gehen. Ich fing also an mich bei meinen jungen Mit-Volunteers zu verabschieden und dann bei den Frauen. Da gerade Nähkurs war, war viel los. Und dann kamen die Mädels aus der Küche mit einem Kuchen für mich. Das war zu viel, bin ich doch eh so schlecht im Abschied nehmen…

Maria war die letzte und obwohl nie Zeit war, um sich mal länger zu unterhalten, haben wir doch von Anfang an einen super Draht zueinander gehabt, uns quasi blind verstanden, mussten viele Sätze gar nicht aussprechen, weil wir schon wußten was der andere sagen wollte.

Von Casa Base habe ich nicht nur Abschied genommen. Ich habe auch sehr viel (mit)genommen. Ganz viel Dankbarkeit…

…die ich bekommen habe und die ich aber auch meinem (leichten) Leben gegenüber empfinde. Dazu kommt Demut. Ich nehme ganz viel neue Eindrücke mit. Habe ich bisher in meiner Arbeit nie solchen regelmäßigen Kontakt gehabt, viele Geflüchtete sonst nur einmal gesehen. Ich durfte sehen wie sich die Frauen und Mädchen unbeschwert bewegen konnten, sah, was ihnen wichtig ist, woran sie Spaß haben, wie toll sie alle tanzen können.

Ich durfte viel Zeit mit einer 20 Jahre jüngeren Generation verbringen, die aus der ganzen Welt kamen. Sah die Unterschiede zwischen uns. Ich, bzw. meine Generation war mit Anfang 20 so ganz anders und in manchen Dingen doch wieder so gleich. Die Themen, mit denen sich diese jungen Menschen schon beschäftigen, wahrscheinlich auch beschäftigen müssen sind oft so ernst. Wir waren damals sehr viel weniger politisch, viel mehr mit uns selbst beschäftigt. Aber die Unbeschwertheit ist doch allen gleich. Ich finde die Gedanken und Ideen wunderbar die die Jungen haben – im Gegenzug finde ich sie dann aber wieder wenig flexibel und zum Teil gleichgültig, was nicht zu ihren Ideen passt.

Meine Rückfahrt nach Panorama war von so vielen Gedanken begleitet. Dort warteten im Waldorfkindergarten, Cecile mit einer Freundin und der Erzieherin auf mich. Die waren total interessiert an den ätherischen Ölen und ich durfte ihnen davon erzählen. Es war so eine andere Welt in einem Waldorfkindergarten zu sitzen, nachdem ich aus Casa Base kam.

Am Donnerstag ging mein Flieger, und meine letzten Verabschiedungen waren mit einer 30 Jahre älteren Generation. Ich hatte ein schönes Telefongespräch mit Dorothee und war dann noch zum Tee trinken bei Gusti, meiner Gastgeberin. Und auch die Wochenenden hatte ich ja mit Michaela und Claudi verbracht. Was für bewundernswerte Frauen, ich könnte ihnen stundenlang zuhören, kann so viel von ihnen lernen.

Mit Gusti hab ich noch ein Thema diskutiert, das mich bei meinen ganzen Einkäufen beschäftigt hat. Ich habe, um die Spendengelder so effektiv wie möglich einzusetzen, so billig wie möglich eingekauft. Dabei war ich in Läden, die ich sonst meiden würde, da ich mir in den letzten Jahren sehr viel Gedanken um mein Konsumverhalten gemacht, und dieses auch angepasst habe. Gusti und ihr Mann hatten ein Textilunternehmen. Und sie sagte, dass für die Unterhosen, die ich für 83 Cent gekauft habe, irgendjemand dafür „bezahlt“ hat. Natürlich weiß ich das, ich habe mir einige Dokus angeschaut über diesen Wahnsinn Textilbranche. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Konsumenten ganz viel Macht haben. Im Privaten achte ich darauf. Aber in meiner Position hier, wollte ich einfach nur so viel wie möglich für die Menschen besorgen und keine Spendengelder verschwenden. Ich hätte gerne die griechischen Menschen mehr unterstützt, in dem ich bei ihnen kaufe und nicht diesen Jumbokonzern unterstütze. Aber wenn ich auf dem Markt für die (auch in China produzierte) Unterhose 1,25 Euro bezahle, dann kann ich im Billigladen mehr für´s gleiche Geld bekommen. Es fühlt sich besser an, auf dem Markt dem Karottenhändler das Geld in die Hand zu drücken, als im Jumbo an einer der 20 Kassen mit Karte zu zahlen. Ich habe vielen Menschen geholfen und glücklich gemacht, aber andere, und auch die Natur, mussten dafür bluten…

Ich war auf jeden Fall sehr beschäftigt, körperlich wie auch gedanklich. Und jetzt sitz ich hier in meinem schönen Zuhause, ganz viele Menschen freuen sich dass ich wieder da bin, und darf mich wieder in mein eigentliches Leben einfinden. Und das heißt nicht nur, dass das Klopapier wieder in die Toilette darf 😅 Ich habe ein gemütliches Wochenende vor mir und weiterhin Urlaub und darauf heißt es nun, mich einzulassen.

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