
Wir fuhren durch’s Skigebiet Kolašin, in dem fleißig gebaut wird. Da scheint der Tourismus an Fahrt aufzunehmen. Große, luxuriöse Hotels und kleine Ferienhaus-Siedlungen.

Noch einmal vollgetankt für 1,34 Euro, im ganzen Land der gleiche Preis. Und dann kamen wir an den kleinen Grenzübergang zu Albanien bei Gusunje. Papiere inklusive Autopapiere wurden kontrolliert und schon waren wir gefühlt in einer anderen Welt. Wir wissen beide nicht, ob es daran lag, dass die Sonne wieder schien und der Thermometer bis auf 20 Grad stieg, aber wie damals in Bosnien, haben wir uns schockverliebt.
Alles wirkt einfacher, schon die erste Brücke ist ein Abenteuer…

Der Fluß ursprünglich…

Wir haben in Montenegro nicht mehr eingekauft, weil es in Albanien billiger ist, und halten am ersten Laden…

Wahrscheinlich bio, aber es gab nur Selbstgebrannten und Marmelade. Der Diesel war wohl auch nicht unbedingt bio 😉 Es standen 5 Männer drin, die kaum Notiz von mir nahmen, mich auch erst gar nicht rein ließen. Ich bin echt gespannt, wie sich das hier so verhält, mit der Interaktion zwischen Mann und Frau. Spannend war dann nämlich, dass drei der Männer, als wir ein paar Kilometer weiter an einer Quelle anhielten, um unsere Trinkflaschen zu füllen, uns erst überholten. Dann zurücksetzten und ausstiegen um mit uns zu reden. Bzw redeten sie mit mir, weil ich ausgestiegen war. Es war herrlich, einer hatte mal in Köln gewohnt und konnte noch etwas deutsch, und so hatten wir eine kleine, nette Unterhaltung. Einer der 3 hat mir stolz seinen FC Bayern München Ring gezeigt und schon waren wir beim Oktoberfest.
Im nächsten Ort auf dieser majestätischen Strecke durch die albanischen Alpen, Tamarë, gab es einen Supermarkt. Wir brauchten dringend Joghurt für’s Mittagessen. Von außen sah das fast modern aus. Als wir rein sind, mussten wir die Handy-Taschenlampe anmachen, weil kein Licht ging. Dementsprechend gingen auch die Kühlschränke und Gefriertruhen nicht. Joghurt gab es auch keinen, also wieder raus und in den nächsten Tante Emma Laden. Da stand Joghurt in der Mitte des Ladens auf dem Boden, ungekühlt. Aber ja, wird schon passen. Da es bisher noch keinen Geldautomat gab, fragte ich ob wir mit Euro zahlen können. Sie lächelte mit ihrem Goldzahn unter ihrem Kopftuch hervor, meinte Ja, und verlangte dann 2 Euro für 1 kg Joghurt.
Die jugendlichen Mädchen im Dorf waren freundlich und winkten und so ging es dann auch weiter. Als wir vor unserem geplanten Track in einer Nebenstraße unser Müsli aßen, hupte jedes Auto und viele Hände winkten aus allen Fenstern.
Und dann ging es unterhalb von Tamarë links weg zu den Dörfern Vukël und Nikç. Wohl noch Albanien in seiner ursprünglichsten Form…


Von dem Straßennetz in Albanien sind von 18500 km nur 7500 km geteert, der Rest ist Schotter. Aber es wird täglich mehr. So wie wohl auch die Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen. Die ersten 9 km waren problemlos…

Dann kam der Offroad-Teil…

Und unser Werkzeug war auch im Einsatz…

Dieses fiese Quietschen, wenn man am Gestrüpp vorbeifährt zerreißt Marius weiterhin das Herz.
Auch ich fuhr einen Teil und stand dann aber mitten im Hang vor einer Mauer und gab zu wenig Gas. Marius hat das dann aber gerettet und wir kamen heil im letzten Dörfchen an…

Wir liefen noch etwas umher, die Kirche war für diese Verhältnisse riesig und auch der Friedhof war immens…

Und schon kam ein Junge an…

Santiago, 9 Jahre alt, sprach etwas englisch und wollte uns unbedingt ins einzige Guesthouse bringen, damit wir Kaffee trinken konnten. Er trank Fanta. Als seine Dose leer war, schmiss er sie einfach weg. Ich rüffelte ihn und er sah mich verdutzt an, als ich seine Dose und die 3 Flaschen die da auch noch lagen, aufhob und mitnahm. Da wir bei Tageslicht noch an unseren Stellplatz kommen wollten, verabschiedeten wir uns und traten die Rückfahrt an. Was für ein Abenteuer. Was für eine schöne Landschaft. Aber so abgeschieden leben wollen, würden wir nicht.

Zurück auf Teer mussten wir uns in vielen Serpentinen wieder aus dem Tal hinaus schrauben. Um dann auf der anderen Seite, nachdem ich noch ein paar wilde Granatäpfel gepflückt hatte, wieder runter zum großen Shkodar-See zu fahren.
Ein P4N Platz bei Grude war nur über enge Straßen zu erreichen, wo gerade alle heim wollten…

Zum Schluss hin musste Allrad noch rein, da der Weg nass und mit riesigen Schlaglöchern übersäht war. Aber die Atmosphäre war grandios…
