Elbasan

Am nächsten Morgen regnete es. Um vom Campingplatz zu kommen, musste Marius erst mal kräftig rufen und stampfen. Denn die Hühner fanden unser höhergelegtes Auto super um sich vor dem Regen zu verkriechen…

Wir wollten dem Besitzer noch Eier abkaufen, aber momentan nur „Baby Chicken“ .

Da in Tirana alles was mal osmanisch war, für irgendwelche kommunistischen Bauten abgerissen worden war, fuhren wir die Route über Elbasan. Das Navi hatte uns 2 Optionen angeboten zum geplanten Ziel. Und wieder mal wurde kurzfristig der eigentliche Plan über den Haufen geworfen🙃


Elbasan war zur kommunistischen Zeit die Stahlwerk-Stadt…

Von den Russen geplant und den Chinesen gebaut, wurde es „Stahl der Partei“ genannt. 1990 wurde das Werk geschlossen, 12.000 Menschen verloren ihre Arbeit und die Dunstglocke über der Stadt verschwand. 1997 wurden illegal große Teile demontiert und ins Ausland verschoben, dann aber von den Türken wieder eröffnet. Probleme mit den Umweltschutzauflagen gab und gibt es immer wieder…

Aber die Innenstadt ist sehr schön…

Neben kommunistischen Bauten…

…finden sich Neubauten…

…und die traditionellen osmanischen Gebäude…

Und wie überall hier, liegt neben dem Schönen und Gepflegten, der Zerfall…

Außerdem liegt unter der Altstadt eine spätantike Stadt begraben…

Zum Mittagessen gab es wieder sehr traditionelles Essen. Für Elbasan typisch, „tavë kosi“, Lammfleisch als Auflauf in einer Ei, Mehl und Joghurtmasse…

Der Kellner konnte super Englisch und meinte, dass Marius danach auf jeden Fall satt ist. Und er mir deshalb eine typische Joghurtsoße zu meinem Gemüse nur als kleine Portion bringt.
Er war mehr als satt, es hat lecker geschmeckt (bis auf die Joghurtsoße, zu sauer) und das alles für 12 Euro.

Wir brauchten noch Gemüse und Obst und kamen zu einer Händlerin, die sich so bemühte, uns die Namen der verschiedenen Sorten auf albanisch zu erklären. Auch war ihr wichtig, dass wir albanisches Gemüse kaufen und nicht das importierte Zeug aus Italien. Sie ließ mich auch an einer Quitte schnuppern. Aber was sollte ich mit Quitte anfangen? Als ich sie wieder zurück legte und meinen Einkauf bezahlte, nahm sie die Quitte, und legte sie mir in meine Tüte. (Während ich hier schreibe, köchelt ein Quitten-Kokos-Rote Linsen-Eintopf auf dem Herd)

Dann fuhren wir Richtung Gjinar mit Endziel Gramsh. Es ging also wieder in die Berge, wir hatten wunderschöne Panorama-Ausblicke…

Sahen kleine Dörfer, teils mit sehr einfachen Häusern mit Wellblechdach. Die Straße war meist geteert, aber in schlechtem Zustand und manche Beschilderung brachte uns echt zum Lachen…

Keine Chance hier 40 zu fahren. Auf der Autobahn darf man oft nur 60 fahren. Da hält sich natürlich niemand dran.

Dann wieder neue Restaurants und in Gjinar Ferienwohnungen. Die Städter fahren wohl im Sommer hier raus, um die gute Luft zu genießen. Ab Gjinar begann die Schotterpiste. Ein Pick-Up mit jungen Menschen, der uns schon mal überholt hatte, fuhr an uns vorbei. Sie winkten, hielten an, wollten sich gerne unterhalten. Aber sie sprachen kaum Englisch. Ob wir was brauchen? Nein, Faleminderit! Ein Winken und los fuhren sie…

Wir wollten eigentlich noch ein Stück fahren, 27 km war die Piste lang. Um das ganze Stück zu fahren waren wir aber zu spät dran. Und dann hatte Marius plötzlich eine Blickfeldeinschränkung. Und so abenteuerlustig ich auch sein mag, da bin ich dann doch wieder zu arg Intensivschwester. Ich stieg auf den Fahrersitz und fuhr wieder zurück nach Elbasan. Wollte ich doch, wenn es ernst werden sollte, ein Krankenhaus in der Nähe haben. Und nicht erst 30 km die Berge runter kurven. (Alles gut, es war weiter nichts und kam bisher auch nicht wieder!)

Wir standen dann an einem Fluss auf einer Wiese (P4N). Eher eine Müllabladestelle, wieder mal…leider…so schade.

Der Frust war groß bei Marius, schon wieder ein Track, den wir nicht gefahren sind. Und natürlich war da auch Angst. Weil ich so reagiert habe. Aber die Gesundheit geht vor. Und wer weiß für was es gut war. Dieser Satz hört sich so abgedroschen an. Aber er hat sich doch immer wieder bewahrheitet. (Zuletzt in Hamburg! Als wir Mädels unsere gebuchte Elbschlosskeller-Tour verbummelt haben. Da hab ich es auch gesagt, als Petra völlig frustriert war. Und dann gab es ganz unverhofft ein kostenloses Upgrade für die Tour die der Chef selber gemacht hat. Am Tag vorher, und die Tour nach uns, sind ausgefallen, weil er von einem Hund gebissen worden war).
Während der langen Fahrten auf Autobahnen ohne schöne Landschaft hören wir gerade das Buch von ihm „Elbschlosskeller“. Eine andere Welt!

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