Ins Hinterland – auf uralten Spuren

Nachdem wir an einer Moschee Wasser aufgefüllt haben, bei einer Frau vor ihrem Grundstück Obst/Gemüse und endlich mal Eier von glücklichen Hühner gekauft haben, (es gab als Geschenk noch 2 Wassermelonen obendrauf), kam die schwierigste Aktion. Tanken. Es gibt Diesel, Euro Diesel, Blue Diesel und noch einen Mega Diesel. Die Preise liegen zum Teil fast 20 Cent auseinander. Wir recherchierten und ich habe sogar bei meinem albanischen Arbeitskollegen nachgefragt. Es geht um den Schwefelgehalt im Diesel, der 10 ppm nicht überschreiten sollte. Das ist der Euro Diesel, wobei auch beim anderen Diesel oft 10 ppm steht, bzw. manchmal beim Euro Diesel das kleiner/gleich Zeichen vermutlich falschrum geklebt ist. Es gibt dann trotzdem noch Unterschiede von 10 Cent beim Eurodiesel. Das aber, nachdem wir immer die billigsten Tankstellen angefahren sind, daran liegt, dass man bei den Billigen nur bar zahlen kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In Vlora noch den Rest an Lebensmitteln gekauft und dann schnell wieder raus aus der 5. größten Stadt Albaniens. Nach so viel Ruhe kann so eine Stadt sehr befremdlich sein.
Am Fluss Shushica fsnden wir eine Stelle, wo wir direkt ins Flussbett fahren konnten. Machten dort Mittagspause und nutzten das klare Wasser zum Duschen und Spülen…

So ein schöner Platz, am liebsten wären wir noch geblieben…

Aber Track 31 aus dem Offroad-Guide wartete. Bis vor einigen Jahren eine der wichtigsten West-Ost Verbindungen in Südalbanien. Es ist weiterhin die kürzeste Strecke, aber sehr herausfordernd.
Der erste Teil bis Amantia ist gut ausgebaut. Wieder eine Berglandschaft, wieder sieht es ein bisschen anders aus. Schon von weitem kann ich die Augen nicht von dem Hochplateau abwenden. Amantia. Eine antike Höhensiedlung aus dem 4. – 5. Jhd. v. Chr., wohl ein blühendes Zentrum an diesem ehemals wichtigen Handelsweg
Man kommt als erstes zum „Stadium“…

Schon da spürte ich eine wahnsinnige Energie, so stark hatte ich das noch nie. Ich kenne keine Deja-vus, aber vielleicht ist das sowas gewesen. Meine Haare haben sich aufgestellt und das Atmen viel mir schwer. Aber es fühlte sich gut an. Aufgeregt… Ein ruppiger Weg führte auf das Hochplateau und da wollte ich hin. Als der Bewuchs zu niedrig wurde, fanden wir eine Parkbucht und liefen den Rest. Oben waren vereinzelte Wohnhäuser und am ersten Haus kamen 2 Hunde bellend auf der Mauer angelaufen. Ein Mann kam uns entgegen, der uns gleich mit einzelnen Worten Englisch an die Hand nahm. Eine alte Frau deckte Säfte und Obst auf, was alles adrett hergerichtet war. Er zeigte uns einen Torbogen oberhalb der Häuser. Und dann ging es auf der Anhöhe weiter ans andere Ende des Plateaus, von dem aus man die Reste des Aphrodite Tempels sehen kann…

Die Sonne ging gerade hinter den Bergen unter und wir genossen dieses Lichtschauspiel…

Ganz beflügelt liefen wir zurück. Ein Hund stand im Weg und fing an zu bellen, war richtig aggressiv. Sobald wir uns einen Schritt weiter bewegen wollten, kam er knurrend auf uns zu. Also verharrten wir, ich fing irgendwann an zu rufen, in der Hoffnung, dass der Mann diesen Hund zurückruft. Aber da kam keine Hilfe. Marius ging auf Stocksuche und ich blieb weiter stehen. Der Hund fing an sein Revier zu markieren. Und nach einer gefühlten Ewigkeit lief er zurück zu den Häusern. Als wir wieder bei der Frau vorbeikamen, wollte sie uns selbst gepressten Saft anbieten…

Wir hatten aber kein Geld in der Tasche. Schon da entglitt ihr ihre Freundlichkeit kurz. Wir erklärten mit Händen und Füßen, dass wir Geld im Auto holen. Er begleitete uns zum Dorfausgang, wo die 2 Hund wieder bellend und Zähnefletschend ankamen. Er hob einen Stein auf und als er die Lage als „sicher“ einstufte, winkte er uns vorbei. Er wartete dort.
Wir holten Geld und den Pfefferspray, den wir wegen der Bären gekauft hatten. Und mit Stock und Stein bewaffnet, gingen wir zurück. Gleiches Spiel wieder mit den Hunden. Wir sind da so unbedarft an den Tieren vorher vorbei beim ersten Mal 🙈
Wir durften den Saft probieren, es war der Saft aus einer roten Beere. Und dann wollte sie verkaufen. Wir ließen 2 kleine Flasche vom Saft einpacken. Sie lächelte und schacherte um eine dritte. Auch Obst wollte sie noch einpacken. Und dann wollte sie 10 Euro für den Liter Saft. Wir handelten rum, sie gab nicht nach. Wollte dann aber Geld für den verkosteten Saft. Wir gaben ihr dafür 2 Euro. Bedankten und verabschiedeten uns. Interessant, wie schnell die freundliche Maske fiel. Aber der Sohn begleitete uns trotzdem nochmal an den aggressiven Hunden vorbei und sie kam uns dann noch hinterher und schenkte uns einen Granatapfel.

Wir hatten noch gefragt, ob wir dort auf der Parkbucht schlafen dürfen…

Schlafplatz mit grandioser Aussicht

Was kein Problem war. Und atmeten erst einmal tief durch, als wir sicher im Auto waren. Ich googelte, und da stand schon in der ersten Bewertung von der „guten Verkäuferin“. Außerdem, dass sie die Besucher zum Teil so in die Enge treiben, dass sie das Gefühl haben, gar nichts anderes machen zu können, als den überteuerten Preis zu zahlen. Auch stand die Vermutung drin, dass das mit den Hunden eine Masche sein könnte. Wie auch immer. Die 2, Mutter und Sohn, leben da oben in einfachsten Verhältnissen…

…mit ihren Schafen und Ziegen, den Hütehunden und versorgen sich wahrscheinlich zum größten Teil selbst. Ich habe größtes Verständnis und begrüße es ja auch, wenn da jemand geschäftstüchtig die Lage nutzt. Aber eben nicht ausnutzt. Einerseits tun uns 10 Euro nicht weh. Aber es muss doch auch in Relation stehen?!? Wobei sie nicht auf unseren Handel (wir hätten ihr die 2 Flaschen für 5 Euro abgekauft) einging. Besser 5 Euro als gar nichts? Oder hat sie es doch nicht nötig? Ich kann nicht einschätzen, wie viele Touristen da täglich vorbeikommen. Ach, hinterlässt so gemischte Gefühle… Die erste, intuitive Reaktion war bei uns beiden sofort einen Schritt zurück und Erstaunen über den hohen Preis. Aber dann fragt man sich doch, ob man nicht zu geizig war? Wir haben es hin und her gedreht und konnten und wollten dann aber auch nichts mehr an der Situation ändern.

Ich hatte eine unruhige Nacht, wieder dieses Gefühl dieser Energie in diesem Berg, auf diesem Hochplateau, wo so viel und so lange Geschichte drin steckt…

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