
Am nächsten Morgen bin ich erst mal zur Druckerei gelaufen. Dort arbeitet die ganze Familie, einschließlich der 74 jährige Papa. Da sie aber unterwegs waren, bin ich los, einen Bankautomaten und Internet suchen. Als großer Mensch kann es schon mal sein, dass man aufpassen muss, sich nicht an einer Stromleitung zu stoßen…

Später fuhr ich mit Jessi und Ivan zum Frühstücken. Beide sind schon viel gereist und lieben es, Ausländer kennen zu lernen. Und trotz allem gibt es Themen, wo Welten aufeinander prallen. Schon am Abend vorher sind wir auf das Thema „Im Sitzen pinkeln“ gekommen. Was haben wir gelacht…

…Jessi will nun eine Revolution starten, Aufkleber drucken und auf den Toiletten in ganz Mexico City verteilen🤣
Wir mussten zum Frühstück fahren, da ich Vegetarierin bin. Und das ist nicht so einfach hier in Lateinamerika. Wir haben über glückliche Hühner geredet und jeder der es hören wollte oder auch nicht, wurde von Ivan informiert, dass ich kein Fleisch esse. Auch wenn die wenigsten eine Idee haben, vegetarisches Essen anzubieten, sind sie doch recht flexibel in der Zubereitung und tauschen Hühnchenfleisch gegen Eier aus und es schmeckt einfach wunderbar.
Danach sind Jessi und ich in einen Park. Dort hat ein früherer Bürgermeister von einem Franzosen ein Bauwerk aufstellen lassen…

Da es aber leider nur 12 Grad hatte (ein Hurrikan hat vor Veracruz kalte Luft ins Land getrieben), hat es nicht wirklich Spaß gemacht. Und nach einer heißen Schokolade sind wir mit dem gemütlichsten Taxifahrer aller Zeiten…

…in seinem gerade noch funktionierenden Taxi zurück gefahren…

Nachmittags haben wir das Wahrzeichen der mexikanischen Revolution besucht…

Auch das hat dieser Bürgermeister von Franzosen konstruieren lassen. Es gab auch eine Führung wo es eben um jene Revolution ging. Aber da bin ich mit meinem Spanisch an meine Grenzen gekommen. Trotz allem, war es interessant und die Bilder und Filme sprechen für sich…





Ivan wollte dann noch zum Zocalo, dem großen Platz im Zentrum. Aber wir kamen in den Feierabendverkehr, der wegen einer Demonstration der Bauern auch noch umgeleitet werden musste. Und so standen wir in einer 22 Millionen Stadt im Stau. Die Straße war 4-spurig und von beiden Seiten kamen immer wieder 3-spurige Straßen dazu. Es ging aber erstaunlich entspannt zu. Ivan hat gelacht und meinte, bringt ja nichts, deswegen kommt man ja nicht schneller voran. Und wenn einer wirklich mal drängelt, dann lässt man ihn vor, weil er bestimmt einen Grund hat. Seit Corona ist es wohl schlimmer geworden mit dem Verkehr. Da sich viele ein Auto gekauft haben, weil sie die Öffentlichen nicht mehr nutzen wollten, und die haben natürlich ihre Autos behalten.
Fun Fact: In Mexico muss man keine Führerscheinprüfung machen. Man bezahlt ca. 125 Euro und hat somit bestanden. Hintergrund ist der, dass es so viel Korruption gab, da die Menschen den Prüfer bestochen haben. Da hat sich die Regierung gedacht, diese Korruption unterbinden wir, in dem wir die Prüfungen einfach abschaffen.
Abends sind wir alle zusammen Essen gegangen…

Es gab Pozole, Maissuppe mit Gemüse und einen Quesadilla, ein Maistortilla gefüllt mit Käse und Pilzen…

Wieder war das Thema kein Fleisch essen, ein Riesiges. Auch der Papa wollte wissen wieso ich so lebe und ob es mir deshalb besser gehe. Und als ich erwähnte, dass Schmerzen weniger werden, hat er große Augen bekommen. Die hat er aber auch bekommen, als er mich fragte, wie viele Menschen in meiner Stadt wohnen. Als ich 250 sagte, fragte er: „250 Tausend oder was“. Nein, 250. Er schaute zu seinen Kindern um sich zu vergewissern, ob ich ihn schon richtig verstanden habe. Die waren ja schon bei mir und nickten lachend. Das Landei in der -9. größten Stadt der Welt 😆
Am nächsten Tag ging es wieder zum Frühstücken in ein Café die sogar extra vegetarisches Essen anbieten. Sehr lecker, mit Kochbanane und Bohnen gefüllte Tortillas in einer Mole Soße (ein Mischung aus vielen verschiedenen Gewürzen, wichtiger Bestandteil ist Chili und Schokolade)…

Dann setzten sie mich am Museum für Anthropologie ab…

Es ist ein riesiges Museum, in dem sich viele Funde aus den ganzen Mayastätten befinden…


Auch das Leben der Indigenen Bevölkerung wird in allen Facetten dargestellt…


Es ist beeindruckend und erschlagend zugleich.
Und es machte mich auch etwas wütend. Denn diese Gruppe Menschen sind die Ärmsten der Armen. Wie in vielen anderen Ländern auch. Sie sind die Ureinwohner, und als Kolumbus vor über 500 Jahren auf diesem Kontinent aufschlug, ging ihr Untergang los. Sie wurden vertrieben, ermordet und unterdrückt. Sind seit damals Menschen 2. Klasse. Das zeigt dieses Museum nicht. Sie haben aus ganz Mexico die schönsten Funde eingesammelt und sind stolz auf ihre Geschichte. Aber das ist die Geschichte der Ureinwohner.
Draußen gab es dann noch eine Vorführung der Indigenas aus Veracruz…

Dazu habe ich Aqua de Horchata (Reis- und Kokosmilch) und eine Mango genossen. Ach, die schmeckt hier außerhalb der Saison immer noch besser, wie die, die wir zuhause kaufen können.
Und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.

Weiter geht’s nach Guatemala.