Con brazos abiertos – Mit offenen Armen

Abends um 9 landete mein Flieger in Guatemala City. Mit dem Taxi gings zum AirBnB. So wirklich Glück hatte ich mit den Zimmern in der Hauptstadt noch nie… aber gut, eine Nacht ging das schon.
Ich war früh wach, machte Sport, was unglaublich mühsam war (hab erst später realisiert, dass ich ein leichtes Höhentraining absolviert habe, 1500 Hm). Und dann wollte ich ganz schnell los.
Alle Busse und Taxis die an mir vorbei fuhren, ignorierten mich. Also fragte ich bei einem Fahrradhändler nach, wo ich mich denn hinstellen muss, um zum Busterminal zu kommen. Er hat einen Busfahrer, der mich abgewiesen hat, bequatscht, und schon stand ich im Chicken Bus. Einen Kopf größer als alle und so was von Touri. Ich erntete viele Lächeln und neugierige Blicke. Und ob ich nun dort hin komme wo ich wollte, war eine Überraschung. Der Kassierer versicherte mir, dass er mir Bescheid gibt. Und das tat er auch und wollte nicht mal Geld für den Transport.

Nachdem ich die Busfahrkarte gekauft hatte, musste ich erst mal was frühstücken, und das tat ich dann ganz klassisch, auf der Straße. Als ich fragte, ob sie auch was ohne Fleisch haben, hat der Opa mir ein Schinkenbrötchen vorgeschlagen. Die Tochter hat mir dann Eier, Bohnen und Kochbananen zubereitet…

Der Opa vom Opa war wohl Deutscher und sie haben mich herzlich Willkommen geheißen in ihrem Land.

Nach 3 h Fahrt mit Xelabus (13 Euro), mega bequeme Sitze, wurde ich in Xela von Tobi empfangen. Ein Freund aus der Heimat, der alle ein Jahr weniger lang kennt wie ich, da er nach Uli und mir auch zuerst in Xela Spanisch gelernt hat und dann in Zipolite arbeiten wollte. Er ist seit über 20 Jahren fest mit Ivan befreundet und besucht Mexico und Guatemala fast jährlich.
Wir liefen zu Blancas Haus, und da war die Freude groß…

Ich hatte 2022 nicht gedacht, die beiden nochmal zu sehen. Blanca ist 84, Federico 86 inzwischen und beide leider sehr krank.

Als erstes gab es eine Schokobanane, weil ich die so liebe 😍 und dann Mittagessen. Da gab es erst mal eine kleine Ansprache von Norma (die Tochter von Blanca), die mir Tränen in die Augen getrieben hat. Sie sind mir so dankbar für Alles, was ich für sie schon gemacht habe, für die Zuneigung die ich ihnen zukommen lasse und dass ich über die vielen Jahre immer wieder gekommen bin und sie nicht vergessen habe. Blanca hatte viele Spanischschüler in ihrem Leben beherbergt, aber ich bin die Einzige, die immer noch Kontakt hält. Ich habe hier jederzeit ein Zuhause.
Was soll ich sagen, es fühlt sich tatsächlich wie meine guatemaltekische Familie an. Sie sind jeden Tag in meinen Gedanken, weil zuhause auch überall irgendwo was von ihnen hängt oder liegt. Ich bin hier von Anfang an mit so viel Liebe aufgenommen worden und habe hier zum ersten Mal diese Gastfreundschaft erlebt, die in diesem (und in vielen anderen armen Ländern) so selbstverständlich und warm ist. Und das hat mich geprägt, als damals 22jährige.

Ich bin dann in die Stadt, um mir eine SIM-Karte zu besorgen. Als ich vor dem Laden stand, fiel mir wieder ein, dass ich letztes Mal meinen Reisepass auch nicht dabei hatte, und dass ich ihn dieses Mal wieder vergessen hatte. Also morgen wieder.
Dann bin ich in der „Klinik“ vorbei, wo Miriam (die älteste Tochter von Blanca) arbeitet. Ach wie schön, auch diese tolle Frau wiederzusehen. Die Schwägerin stieß auch noch dazu und nach Feierabend sind wir erst mal was Essen gegangen…

…und haben für die Eltern auch gleich noch was einpacken lassen.

Zuhause zögerte Miriam nicht lange. Ich hatte ihr erzählt, dass Norma, die zuhause die Eltern hauptsächlich versorgt, mich immer verwöhnen will und ich ihr kaum helfen darf, was mir gar nicht recht ist. Und so hat mir Miriam gleich mal die Tabletten für Blanca in die Hand gedrückt und mir gezeigt, was abends alles zu machen ist bei den Zweien. Da es nachts so kalt wird und die Häuser weder dicht sind noch eine Heizung haben, werden Styroporplatten vor die Fenster gelegt und Wolldecken an die Tür gehängt. Wir blieben noch bei ihnen, bis sie gegessen hatten.
Da Miriam dann nochmal an die Klinik musste und sie meine Hilfe gebrauchen konnte bin ich mit. Es kam eine Lieferung Gemüse und Obst von der „Welt-Lebensmittel-Bank“.

Diese bekommt von den Supermärkten was nicht mehr verkauft werden kann und verteilen es an soziale Einrichtungen, die diese Lebensmittel dann für wenig Geld an die armen Menschen verkaufen. So hat Miriam eine Lieferung in einem Gesamtwert von 600 Euro erhalten und muss dieser Bank „nur“ 200 Euro dafür zahlen. Leider gibt es in Guatemala kaum Menschen, die so etwas ehrenamtlich machen (können). Jeder muss sehen wie er über die Runden kommt. Und auch Miriam muss es zu einem etwas höheren Preis weiterverkaufen, weil auch ihr Arbeitgeber es nicht verschenken kann.

Und schon bin ich wieder mittendrin in der Armut…

…die von der Korruption genährt wird. Diese Menschen kämpfen hier jeden Tag. Selbst Blanca und Federicos Familie, die zum „Mittelstand“ gehören. Beide haben dauerhaft Sauerstoff über 2 Generatoren, die am Strom hängen. Deshalb wird Wasser am Gasherd warm gemacht und die Wäsche von Hand gewaschen, damit sie keinen Strom für Wasserkocher und Waschmaschine brauchen. Der Strom ist aber auch immer wieder weg, inzwischen wohl viel öfter als früher und teilweise über Stunden. Deshalb mussten sie sich teure Sauerstoffflaschen zulegen. Was nur von der gesamten Familie getragen werden kann. Es gibt zwar so etwas wie Rente. Da kommt aber jemand vorbei und schaut, ob Bedarf besteht. Gezahlt wird aber nur den Ärmsten. Und das sei auch nicht viel.

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