Altenpflege, Alltag und nicht alltägliches

Zurück in Xela habe ich noch mit Blanca und Federico zu Abend gegessen. Norma meinte, dass es am nächsten Morgen erst spät Frühstück geben wird, da sie morgens einen Termin hat. Ich hab ihr angeboten, das zu übernehmen. Also habe ich am Dienstag Eier gekocht, Bohnenmus, Tortillas und Kochbananen erwärmt, Haferflocken eingeweicht, Obst geschnippelt und den Tisch gerichtet…

Blanca und ich saßen danach noch lange und sie hat mir von ihrem Leben erzählt. Was für eine spannende Geschichte. Mit 14 von zuhause weggelaufen, da sie mehr wollte als Kaffee zu ernten und alte Schuhe und Kleidung zu tragen. In der Hauptstadt hat sie Arbeit gefunden als Hausmädchen bei Spaniern, die sie mit nach Spanien nehmen wollten. Sie hatte aber Angst und wurde weitervermittelt an eine venezolanische Familie. Die mussten aus politischen Gründen von heute auf morgen aus Guatemala flüchten und besorgten Blanca ein Visum. Daraufhin hat sie in Venezuela gearbeitet. Dort hätte sie bleiben bzw. sogar mit nach Rom gehen können, aber sie war schwanger mit Miriam, wusste als 19 jährige nicht so richtig was sie wollte und ist dann zu Federico nach Guatemala zurück gekehrt… Stoff für mein erstes Buch vielleicht😉

Ein bisschen Sport mit Aussicht auf den Vulkan SantaMaria…

Und dann bin ich noch in die Stadt, um Besorgungen zu machen. Ich hatte nämlich eine 5tägige Wanderung gebucht, und da war ich noch nicht gut ausgestattet. In Xela gibt es viele Secondhand Shops, massenhaft Kleidung aus den USA…

…Die oft viel zu groß ist für die Menschen hier. Ich habe Hosen gesehen, da hätte ich locker 3 mal rein gepasst. Es war Kleidung dabei, die eigentlich in den Müll gehört. Aber ich habe dann eine warme Jogginghose für einen Euro erstanden.

Noch ein bisschen durch den Parque Central geschlendert und auf dem Heimweg zu Miriam. Die hat mich dann gebeten, das Abendprogramm für sie zu übernehmen. Mach ich doch gerne. Also habe ich typisch guatemaltekisches Essen gekauft. Enchilladas und Rellenitos, Kochbananen mit Bohnenmus gefüllt…

Und das hat uns allen geschmeckt…

Auch am Mittwoch morgen habe ich das Frühstück übernommen und bin dann über den Markt geschlendert. Hab die vielen lauten Geräusche aufgenommen, sei es von den Autos, die keinen Auspuff mehr haben oder hupend versuchen als erstes die Kreuzung zu überqueren. Seien es die Verkäufer, die in Dauerschleife Preise ihrer Waren verkünden, manche auch durch Megaphone.

Ich habe viele Menschen gegrüßt oder angelächelt, die mich mit „buenos dias“, „hola“ oder auch „hello!“ angesprochen , oder mir ihr Lächeln geschenkt haben.

Ich habe die Gerüche wahrgenommen, die Guten wie die von Obst und Gemüse, Gebratenes, verschiedenste Kräuter, Weihrauch, auch der Chlorgeruch, den ich mit den Ländern Mittelamerikas verknüpft habe; wie auch die Unangenehmen, wie Urin, das rohe Fleisch in den Markthallen und Abgase.

Habe die Masse an Gemüse- und Obstsorten gesehen, auch die, die es bei uns nicht gibt…

Kleine Läden, einer am anderen, die nur Seile verkaufen, oder nur Schüsseln, nur Handyhüllen, nur Reifen, nur gelierte Früchte…

Bin so viel gelaufen und habe am Ende erst mal meine Füße waschen müssen, weil sie nach 2 Stunden durch die Stadt schlendern einfach schwarz waren…

Bin dann wieder mit einem Mittagessen verwöhnt worden. Eine Bohnensuppe mit einer Kürbisart, die aussieht wie eine Birne und auch ähnlich schmeckt. Dann Spaghetti und dazu ein Käse, der in Bananenblättern aufbewahrt wird. Zum Nachtisch gab es Erdbeeren mit Schmand und Honig verfeinert…

Abends habe ich mich noch aufgerafft, bin auf ein Bier ins Tecun wo Livemusik gespielt hat. Es kostet Überwindung, alleine in eine Kneipe zu gehen. Vor allem, weil ich so auffalle. Aber das Team hat mich freudig begrüßt. Ganz nach Tobis Wunsch, mich wie seine Schwester zu behandeln. Es ist herrlich, die Menschen dabei zu beobachten, wie sie aus voller Kehle die Lieder mitsingen, die sich immer ums Gleiche drehen – Liebe und der damit verbundene Schmerz. Ich liebe es, ihnen beim Tanzen zuzusehen. Feiere es, dass die Männer genauso gerne und gut tanzen wie die Frauen.

Um nach Hause zu kommen, habe ich mir ein Uber genommen. 1,70 Euro für den guten Kilometer, den ich nachts nicht alleine laufen soll, und wegen der vielen Straßenhunde, die tagsüber friedlich schlafen und nachts bellend und knurrend ihr Revier verteidigen, nicht laufen will…

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