
Miriam ist mit mir zu Arsenia gefahren, eines der neuen Patenkinder…

Wir mussten etwas suchen um ans Haus zu finden. Arsenia war in der Schule, so trafen wir nur ihre Mutter und Schwester an. Sie leben mit Arsenias Tante in einem Haus, haben ein Zimmer, wo sie alle 3 schlafen…

Eine Küche…


Eine Toilette und ein paar Hühner…

Die Schwester von Arsenia hatte eine Unterleibs-Op vor 3 Monaten, kommt seitdem nicht mehr so richtig auf die Beine und kann nicht arbeiten. Da sie so arm sind, dass sie sich die Busfahrt von knapp 60 Cent nicht leisten kann, ist es ihr unmöglich, zur Arbeit zu kommen, da sie die lange Strecke nicht laufen kann. Auf die Frage, was es zu essen gibt, haben sie mit den Schultern gezuckt. Zum Frühstück gab’s etwas Hühnchen, aber was sie zu Abend essen, wussten sie noch nicht. Arsenia ist aktuell in einer Art Behindertenwerkstätte. Ich habe einen Serviettenhalter geschenkt bekommen, den sie dort herstellt. Leider kauft aber niemand diese Sachen, hat die Mama erzählt. Doch diese Werkstätte kostet und sie müssen schon die Schulgebühr für Arsenia zahlen. Das können sie sich nicht beides leisten. Der Busfahrer ist so nett, und lässt sie kostenlos mitfahren. Auch da handelt es sich um eine Summe von 1,20 Euro täglich. Ich bin so dankbar, dass wir diese Familie unterstützen können ❤️
Zurück bei Miriam auf der Arbeit treffe ich Ingrid (42), die Mama von Isan, der auch zu den neuen Kindern gehört…

Sie erzählte mir, wie sie bettelarm mit 5 Geschwistern aufgewachsen ist. Der Vater ist abgehauen als ihre Mutter mit ihrem kleinsten Bruder schwanger war. Sie waren alle nicht in der Schule, hatten oft nicht mal Schuhe an den Füßen, oft nichts zu essen. Sie wollte so ein Leben nicht für ihre Kinder, hat schreiben und lesen gelernt als Erwachsene, macht jede Arbeit, die sie kriegen kann und ließ sich nach dem 3. Kind sterilisieren. Das hat aber nicht so gut funktioniert, denn dann kam Isan, bei dem sie mit 3 Jahren Authismus diagnostiziert haben…

…und dann, 2 Jahre später seine kleine Schwester. Die die gleichen Anzeichen zeigt wie Isan. Sie ist jetzt 2, versteht alles, redet aber nicht. Schläft nachts nicht, schreit immer wieder auf. Bei Isan ist das inzwischen ruhiger geworden, die Mama ist total erschöpft. Sie sagte mir, dass sie und ihr Mann gut zusammenarbeiten, die 3 Älteren zur Schule gehen bzw schon eine Ausbildung machen. Miriam hat mir aber erzählt, dass der Mann es wohl verdrängt, dass sein Sohn anders ist. Auch hier bin ich unendlich dankbar, dass wir auch die kleine Schwester mit einer Patenschaft unterstützen können…

Da Isan nur 2 Tage die Woche in einen speziellen Kindergarten gehen kann, und die 2 Kleinen sehr viel Aufmerksamkeit brauchen, kann immer nur einer arbeiten gehen.
Beim gemeinsamen Mittagessen mit Miriam erzählte sie mir von ihrer Kindheit, die auch so arm war, Weihnachten, wo es nichts zu essen gab. Und von viel Alkohol und Gewalt. Ich war zutiefst schockiert. Ich habe die Familie doch so anders kennengelernt.
Ich mußte dann erstmal laufen, am liebsten davon laufen. Und dann habe ich mich in den Park gesetzt und recherchiert. Über Armut und Alkoholismus. Früher war es saisonbedingt, als sie ihren Schnaps noch selber gebrannt haben.
Inzwischen ist Alkohol immer verfügbar und gerade in armen Ländern mitten in der Gesellschaft. Es wird überall geworben. Unter Alkohol gibt es mehr Gewalt, freizügigeren Sex, ungeschützt, was wiederum zu Krankheiten und noch mehr Kindern führt…
Und tatsächlich hatte ich mir da schon mal Gedanken gemacht. Edy, der bei der größten Brauerei Guatemalas arbeitet, hatte mir ein Video gezeigt. Eine Woche zuvor wurde von Gallo, der Brauerei, in vielen Städten und Gemeinden ein riesiger Christbaum aufgestellt und mit Musik und viel Bier gefeiert. Der Guide vom Vulkan hatte erzählt, dass es in der Hauptstadt zu diesem Fest sogar Freibier gab.
Da dachte ich mir, als ich Edy’s Ansprache im Namen seiner Brauerei zusammen mit dem Bürgermeister (der auch zu den Drogenbaronen gehört) in seiner Stadt zeigte, dass es schon krass ist, wie diese Brauerei mitten in diese Gesellschaft gehört.
Und dann auch wieder krass wie das Leben so spielt. Edy war bei seiner Tante und Onkel aufgewachsen, seine Mutter hatte ihn zurück gelassen. Als ich ihn kennengelernt habe, hatte er nichts, das Geld als Sprachlehrer reicht gerade dazu aus, die Uni zu bezahlen. Er hatte aber damals schon den Plan, sein Studium abzuschließen und dann eine gute Arbeit zu finden. Er hat es geschafft, ist inzwischen ein hohes Tier bei der Brauerei – die, unter anderem an der eigenen, armen, Bevölkerung ihr Geld verdient…
Der einzige Bruder von Arsenia starb an einer Alkoholvergiftung mit 18 Jahren…
