
Am Sonntag machte ich mich wieder schick. Ich durfte mit auf die Abschlussfeier meines Patenkindes!

Ich hab mich so gefreut, das miterleben zu dürfen. Unsere Idee mit den Schulpatenschaften funktioniert also! Sie wird nächstes Jahr dann eine Ausbildung beginnen, wahrscheinlich zur Arzthelferin, was hier in Guatemala aber ausschließlich schulisch stattfindet. Sie hatte Mathe verhauen, konnte sich dann aber doch noch verbessern und ist somit nicht durchgefallen. Miriam hatte mir erzählt, dass sie nicht weiter zur Schule gehen möchte, sondern Arbeiten. Miriam hat ihr aber ganz klar gesagt, dass sie damit aus der Patenschaft raus fällt. Als ich mich am Freitag mit Estefany unterhalten habe, war mir schon auch klar, warum sie diesen Gedanken hatte. Sie hat „nur“ eine beste Freundin, das auch erst seit 2 Jahren. Sie hatte mir immer schon erzählt, dass sie eine Einzelgängerin ist. Und diese Freundin ist durchgefallen und wird jetzt arbeiten. Ich hoffe sehr, dass Estefany es durchzieht. Ihre Mutter hat lange bei Blanca und auch Miriam den Haushalt gemacht. Und keiner von der Familie spricht gut über sie. Franzisca, die Mutter, ist sehr fordernd und undankbar. Estefany hat wohl auch schon Nagellack und Schminksachen gestohlen. Auch von Blanca haben schon Ohrringe gefehlt. Sie sei es nicht wert, hat Eric mir gestern gesagt. Aber ich habe doch immer noch die Hoffnung, dass ihr unsere Freundschaft und die Möglichkeit, ein anderes Leben zu führen, als ihre Mutter, sie motiviert. Ich hatte ihr das so auch ganz klar gesagt. Dann kann sie sich Nagellack kaufen und muss ihn nicht stehlen.
Es war eine sehr förmliche Veranstaltung. Erst wurden alle einzeln auf die Bühne geholt, dann wurde die Nationalhymne gesungen…

…danach die Quetzaltenango Hymne. Dann sprach einer vom Ministerium, danach der Pfarrer und es wurde gebetet. Dann wurden die Jahrgangsbesten nochmal auf die Bühne gebeten und dann jedem einzelnen sein Zeugnis übergeben…

Und dann wurde jeder einzelne wieder verabschiedet. Ich war stolz und glücklich…

Für mich ging es dann zum Busterminal und ich fuhr im Chickenbus an den Lago Atitlan, den Vulkansee. Willian hatte mich eingeladen. Er war da mit Freunden, von denen ich auch noch zumindest einen kenne, von vor 23 Jahren. Schon der Busbahnhof ist ein Abenteuer. Ich habe mir was zu Essen gekauft…

…und mich mit der gesprächigen Verkäuferin unterhalten. Wo ich herkomme, wollte sie wissen, und welche Sprache man dort spricht. Und ob Deutsch das Gleiche ist wie Englisch. Ein Anderer hat gefragt, ob Deutschland so ungefähr 3 Stunden weit weg sei von Guatemala.

Die Anfahrt an den Lago Atitlan ist kurvig und wunderschön. In Solola nochmal umsteigen und in Panajachel dann ein Boot nehmen…

Das ist der übliche Transport in all die Dörfer am See mit den 3 Vulkanen…

Ich stieg für einen Euro mehr am Privatsteg aus und war im Paradies…

Lilian gehört dieses Anwesen…

Sie will es vermieten und Yogaretreats anbieten. Wir hatten einen gemütlichen Abend mit Essen…

… es wurde gesungen und natürlich auch noch getanzt. Am nächsten Morgen ging ich erst mal am Fuße des Vulkans San Pedro zum Schwimmen…

…und dann genossen wir den Tag an der Sonne, mit Kajak und SUP…

…in Hängematten und Liegestühlen…

Was für ein Luxus! Mir war es fast arg. Lilian ist die Freundin von Heizer, einer der besten Freunde von Willian. Sie hat ihn noch nicht gekannt. Und Willian hat aber Pablo, seinen besten Freund aus England, und mich mit dazu eingeladen. Ich bin mit leeren Händen gekommen und bin mit offenen Armen empfangen worden. Diese Gastfreundschaft hat mich schon vor 23 Jahren beeindruckt und geprägt.

Auf der anderen Seite dann aber auch wieder die chaotischen Latinos😅 Eigentlich war abgemacht, dass wir Montag Nachmittag mit dem Auto wieder zurück nach Xela fahren. Da aber Handwerker da waren, wollte Lilian noch bleiben. Und Pablo wollte unbedingt noch den Vulkan San Pedro besteigen. Also fuhren Luis, Maggi und ich alleine zurück. Und das natürlich auch etwas chaotisch. Es wurde vermutet🙈, dass von San Pedro aus ein Bus direkt nach Xela fährt. Um halb 6 abends. Also mit dem Boot nach San Pedro…

…wo es natürlich keinen Bus mehr gab. Wahrscheinlich ist der letzte um 11 Uhr morgens gefahren. Wir mussten also irgendwie an die große Hauptstrasse kommen…

Das bedeutete, von einem Dorf zum anderem mit einem Tuktuk, 3 insgesamt. Dann noch ein Minibus und schließlich saßen wir im Chickenbus nach Xela und konnten auch noch zahlen. Luis und Maggi hatten nur 10 Euro dabei. Auf dem Weg kein Bankautomat. Mit nur noch 5 Euro im Geldbeutel kamen wir Montag Abend in Xela an.
Ich aß mit Blanca und Federico zu Abend und machte mich dann auf den Weg in die Bar Tecun. Hatte noch einen Auftrag zu erledigen. Tobi wollte ein Bild von sich mit der ganzen Mannschaft an der „Ahnengalerie“ haben. Das hatte ich ausgedruckt und es bekam einen Ehrenplatz…

Ich war sehr sentimental, diese Bar war vor 23 Jahren Uli’s und meine Stammkneipe. Und ich hatte nur noch einen Tag in Xela. Uli hatte Nachtdienst, und so schrieben wir uns und schwelgten in Erinnerungen…

Ich verabschiedete mich vom ganzen Team. Was meine Stimmung auch nicht aufbesserte. Irgendwie auch ein bisschen „Zuhause“. Alle freuten sich jedes Mal wenn ich kam und freuen sich schon auf’s nächste mal.
Ich wollte mir wieder ein Uber bestellen. Hatte immer schon den Gedanken, mir mal ein Motorrad-Uber zu nehmen. Aber das war nicht nötig, denn einer der Jungs war mit seinem Motorrad da und hat mich heimgefahren. Ohne Helm durch Xelas Straßen😅 Sei vorsichtig, sagten sie mir jedesmal, wenn ich aus dem Haus ging 🤫