
Mittwoch Abend habe ich mich noch mit Andrea (Baskenland) und weiteren aus der Gruppe wieder getroffen um ein Abschiedsbier zu trinken. Karin war nachmittags schon weiter gereist. Es war ein Spiel von Xelaju gegen eine Mannschaft aus Costa Rica und es gab überall Public Viewing…

Die Stimmung war völlig ausgelassen, Xelaju war kein Favorit und hat 1:1 gespielt. Die Menschen waren außer Rand und Band. In der Bar Tecun hat es Popcorns geregnet als sie den Ausgleich schossen. Ich wollte mir danach ein Uber nehmen, aber die Straßen waren voller Autocorsos. Also blieb ich noch und lief zufällig Willian über den Weg…

Er war damals auch Spanisch- und Salsalehrer und hatte Uli und mich vor ca. 20 Jahren in Deutschland besucht. Er lebt inzwischen in England und ist da sehr erfolgreich mit Salsa-Veranstaltungen und Unterricht.
Am 27.11. hatte Norma…

…ihren 60. Geburtstag. Dafür ging es mit allen in die Messe…

Ich fühlte mich wie ein seltenes Tier. Ich war die einzige Ausländerin, und wenn wir aufstehen mussten, dann war ich einen Kopf größer als alle anderen.
Danach Mittagessen im kleinen Kreis der Familie…

Und dann war der Sauerstoff für Blanca und Federico fast aufgebraucht. Ohne geht es keine Minute bis sie Atemnot bekommen. Und es ist für beide so anstrengend, dass sie im Erdgeschoß Pause machen müssen, bevor sie die Treppen zu ihrem Zimmer hochsteigen können. Das hat mich erschreckt. Zuhause, innerhalb ihrer 4 Wände, vermutet man es nicht, dass sie so fragil sind.
Ich hatte mir einen Schnupfen eingefangen und war doch ziemlich fertig von der Wanderung und ging, von Norma versorgt, mit warmen Socken und Tee früh ins Bett.
Am nächsten Tag hatte ich mich bei einem unserer Patenkinder angemeldet. Jazmin…

…ist von Anfang an dabei, jetzt 14 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter in einem bescheidenen Häuschen.
Die Oma ist sehr krank und kann nicht mehr arbeiten…

Flor, 42, steht immer früh auf, um zu Kochen und dieses Essen dann ab 6.30 Uhr morgens auf dem Markt zu verkaufen. An den Wochenenden begleitet Jazmin sie und bereitet Crepes zu. Wir haben zusammen gegessen…

Und die Oma hat mir viel aus der Bibel erzählt. Zu allem, was ich erzählt habe, hatte sie eine passende Passage aus der Bibel…

Wie auch schon früher, bewundere ich diese Kraft des Glaubens, der diesen Menschen hier Tag für Tag hilft, ihr Leben zu meistern. Und das sollte an dem Tag noch nicht die letzten Botschaften sein.
Mittags habe ich mich mit meinem Patenkind getroffen. Estefany, inzwischen 16. Sie hat am Sonntag ihren Schulabschluss und mich dazu eingeladen. Auf die Frage, was ich ihr Gutes tun kann, sagte sie, dass sie gerne noch Schuhe und ein Kleid hätte für die Feier. Also zogen wir los und kauften Highheels…

… und ein schwarzes, heißes Abendkleid. Ihre Augen leuchteten. Das ist wahrscheinlich so in dem Alter, sie wollen Prinzessinnen sein😍Auch Jazmin hatte am Morgen auf die Frage, was sie denn braucht, geantwortet, dass sie zu ihrem 15. Geburtstag gerne ein Kleid kaufen würde.
Die Kleidverkäuferin war eine junge hübsche Frau, die mich gefragt hat, ob ich an Gott glaube. Als ich das verneinte, fing sie an, mir zu erklären, was Gott ist. Sie wollte sich sogar mehr Zeit nehmen, aber ich lehnte ab. Bei vielem, was sie gesagt hat, bin ich völlig gleicher Meinung, aber für mich hat das eben nicht diesen Namen.
Während wir im Markt waren, gab es ein kleines Erdbeben. Die Lampen wackelten und es fühlte sich ein wenig so an, wie wenn man vom Laufband runtergehen.
Abends habe ich mich mit Milton getroffen…

…auch ein Spanischlehrer von damals. Er ist immer noch Spanischlehrer, macht nun aber am Wochenende eine Technikerschule. Er will endlich mal was anderes arbeiten.
Genauso wie Jorge…

…den ich am Morgen drauf zum Frühstücken getroffen habe. War so schön, in Erinnerungen zu schwelgen! Auch er ist immer noch Spanischlehrer, gelangweilt davon. Aber auch nicht so wirklich eine Idee, was sonst tun im Leben. Es ist schon spannend zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Edy und Willian haben es geschafft, aus diesem Leben auszubrechen und ihren Weg zu gehen. Und die 2 anderen hängen in einer Dauerschleife fest. Fühlen sich verantwortlich für ihre Mütter, bei denen sie beide noch leben. Keiner von ihnen ist verheiratet.
Dann musste ich noch ein paar Einkäufe erledigen und meine neu erworbenen Schuhe putzen lassen…

Ich war nämlich am Abend auf einen 15. Geburtstag eingeladen. Der wird hier, zumindest in katholischen Kreisen, groß gefeiert und Norma und Blanca haben mich fast komplett neu ausgestattet…

Ich hatte mir einen wunderschönen Rock gekauft, und Flip Flops dazu anzuziehen geht hier gar nicht. Die Inigenas laufen mit Sandalen herum. Ich hatte sie ausgelacht, weil ich nicht mal in Deutschland Schuhe in meiner Größe fand. Aber da ja die Secondhand Läden Ware aus der USA haben, fanden wir dann zumindest noch weiße Sneaker.
Und dann ging es mit Erik, dem Enkel von Blanca, und seiner Freundin auf die Party…

Ein Teil der Familie war auch mit dabei…

Es war wie auf einer Hochzeit bei uns. Mit Feuerwerk, Mariachi-Band…

Tanzen und viel Alkohol. Auf jedem Tisch stand eine Flasche Rum + 3 l Colaflaschen und irgendwann lief die Oma vom Geburtstagskind rum und verteilte Tequila. Aus der Flasche direkt in den Rachen…

Andere Länder, andere Sitten!