Zu wenig Zeit – und so viel Abschiede

Dienstag morgen fuhr ich mit dem Chickenbus Richtung Küste. Stieg in einem kleinen Dorf aus…

…um mich mit Lidia und ihrer Familie zu treffen…

Auch sie sind mit ihren 3 Kindern von Anfang an mit dabei…

Das Grundstück gehört inzwischen ihnen…

Sie leben dort mit vielen Tieren, die sie zum Teil verkaufen…

Es sind einfachste Verhältnisse…

…aber fließendes Wasser gibt es.

Auch einen Gemüsegarten…

In der Nachbarschaft auch einen Fischteich…

…und Bananen und Kokosnüsse im Urwald…

Ich bekomme von der ältesten Tochter Jessi Mittagessen gekocht…

Sie macht inzwischen eine Ausbildung zur Buchhalterin (was öffentlich ist und deshalb bezahlbar). Sie wäre gerne Stewardess oder Journalistin geworden (das ist privat, und deshalb keine keine Chance).

Ashley ist super schüchtern…

…und wie ihre große Schwester eine der Klassenbesten. Alex bekommt von uns weiterhin seine Medikamente finanziert. Sie sind sehr dankbar für die Hilfe, die sie bekommen. Und mir wird wieder bewusst, um was es wirklich geht. Jessi muss nun wegen ihrer Ausbildung in die nächste Stadt, was täglich ca. 3 Euro sind. Da reicht unser Betrag gerade mal für einen halben Monat. Deshalb muss sie jetzt auch in den langen Ferien (fast 3 Monate), arbeiten gehen, um ihre Familie zu unterstützen. Heute hatte sie sich frei genommen, um mich zu sehen. Genauso wie der Vater, wir haben uns noch nicht gekannt. Er arbeitet in der Nachbarschaft auf einem Hof…

Und wenn er anderswo Arbeit findet, kümmert sich Lidia um die Tiere. Er verdient im Monat ca. 34 Euro, arbeitet jeden Tag.

Sie begleiten mich zurück zum Bus….

…und ich verspreche, nächstes Mal mehr Zeit mitzubringen, damit sie mir die schöne Umgebung zeigen können.

Zurück in Xela treffe ich mich mit Miriam und Damaris…

Damaris wird im Januar anfangen, mit den Mädchen erstmal über Körperhygiene zu sprechen. Um dann in Themen, wie Periode, wie funktioniert der weibliche Körper und schließlich alles was Sexualität betrifft, einzusteigen. Ich freue mich sooo dass das klappt! Und bin unendlich dankbar, dass ich hier vor Ort so liebe Menschen habe, die das in die Hand nehmen🙏

Danach geht es zu einem neuen Patekind, Zuzely…

Sie hat Trisomie 21 und lebt mit ihrer Mutter im Haus ihrer Großeltern mit…

Die Mutter hält sich mit Nähen von Puppenkleidern über Wasser…

Gerade ist Hochsaison, da das Christkind hier an Weihnachten angezogen wird. Oft kann sie nicht Nähen, da sie kein Geld für die Stoffe hat.

Da die Kosten für den Schulweg so hoch sind, ist sie mit Zuzely zuhause. Es wären täglich 1,12 Euro, das ist der Betrag, den sie nun von uns bekommt. Da auch für behinderte Kinder die Schule erst wieder im Januar losgeht, schauen sie nun nach einem Schulplatz. Denn darauf bestehen wir. Die Mama kann Zuzely nicht alleine lassen und die Großeltern kommen nicht mit ihr zurecht. Deshalb kann sie nicht arbeiten gehen. Ich hatte gehofft, dass sie als Haushaltshilfe bei Blanca beginnt. Aber sie will 150 Euro im Monat für 3 mal 3 Stunden am Tag. Und das kann sich Miriam nicht leisten. Die mit ihrem Vollzeitjob monatlich ca. 300 Euro verdient.

Und weiter ging’s zu Isan und seiner Schwester Hassain…

Er Authist und sie mit Anzeichen derselben Krankheit…

Ich bin schockiert von den Lebensumständen…

Wenn es regnet, dann hilft die Folie, die sie zum Dach ausbessern genommen haben, auch nicht viel…

Wir unterstützen nun beide Kinder. Isan kann wahrscheinlich ab dem übernächsten Jahr integrativ auf eine normale Schule gehen. Dann fallen die Schulgebühren weg. Als wir uns verabschieden, wollen beide Kinder nicht, dass wir gehen.

Ich war völlig erschlagen. Und tief traurig. Als eine Frau auf der Straße, die gerade telefonierte, freundlich lächte und mich grüßte, liefen die Tränen. Miriam hat mich ganz schnell nach Hause geschickt, weil sie meine Tränen nicht ertragen konnte. Also verabschiedeten wir uns bis zum nächsten Mal 💔

Norma führte mich in ihr Lieblingsrestaurant (ein Steakhouse😅) zum Abendessen aus. Wir können so schön zusammen lachen. Aber wir kamen auch auf das Thema Kinder, was bei ihr ein (immer wieder) schmerzhaftes ist. Hatte keine bekommen können und ist dann mit 39 schon in die Wechseljahre gekommen.

Wir liefen noch ein bisschen spazieren. Sie wollte unbedingt dieses Foto machen…

Und dann habe ich mich nochmal mit Willian, Pablo, Luis und Maggi getroffen. Ein lustiger Haufen. Aber auch da blieben die harten Themen nicht aus. Willian hatte sich solange er in Guatemala lebte engagiert, um auf Umweltschutz, das Müllproblem, soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Er ist an einem Tag 7 mal den Vulkan Santa Maria hochgerannt, weil er wollte, dass man einen Nationalpark daraus macht. Hat Müllsammelaktionen am Vulkan gestartet und wurde verhaftet, weil er die vollen Mülltüten vor dem Rathaus abgestellt hat. Er ist von Xela nach Guatemala gejoggt um mediale Aufmerksamkeit für diese Themen zu bekommen und wurde in der Zeitung nur als Verrückter bezeichnet, aber worum es ging, wurde nicht erwähnt. Also hat er aufgehört, es über die Politik zu versuchen. Hat stattdessen zu NGO’s Kontakt aufgenommen und kleinere Projekte gestartet, wie zum Beispiel eine Kinderkrippe für alleinerziehende Mütter, damit diese den ganzen Tag arbeiten können🙏

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