
Du hässliche, wundervolle Stadt
Am 3.12. kam der schwierigste Teil meiner Reise, die Verabschiedung von Familie Reyes Godinez. Blanca, Federico, Sergio und ich frühstückten nochmal zusammen. Es gab wie immer Porridge, Bohnenmus, Eier und Kochbananen. Ich packte meinen Rucksack, was eine Herausforderung war, aber nicht unmöglich. Ging nochmal schnell ins Zentrum…

…Geld abheben und dann war es soweit. Blanca und ich weinten. Sie, fest an meinen Bauch gedrückt, bedankte sich bei mir und sagte mir, wie gern sie mich hat. Alle hatten so viel liebe Worte, Worte der Dankbarkeit, der Zuneigung. Ich konnte einfach nur Danke sagen, hatte keine Worte auf spanisch, für all das was ich fühlte. Und einen zu dicken Kloss im Hals. Norma hat sich sogar aufs Sofa gestellt, damit sie mich auf Augenhöhe umarmen konnte. Sie war es dann schließlich auch, die dem Ganzen ein Ende machte und mit mir das Haus verließ, um auf mein Taxi zu warten. Und dann fuhr ich ein letztes Mal durchs Xelas Straßen. Im Bus telefonierte ich mit Marius, der auch etwas hilflos war, was sollte er denn auch sagen.
Xela ist hässlich, schmutzig, es fahren zu viel Fahrzeuge über holprige Straßen, die die Luft verpesten. Aber gleichzeitig ist sie ein bisschen Heimat für mich. Ich habe da „Familie“…

… Miriam, die Verbindung zwischen Familie und dem Paten Projekt…

… die nicht nur Privates mit mir teilt, sondern auch die Leidenschaft für dieses Projekt, für Mitmenschen, dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Sie aus der traurigen Lebenserfahrung Armut heraus, ich mit der Einfachheit privilegiert aufgewachsen zu sein. Auf Augenhöhe mit dem selben Ziel 🫶
Patenkinder mit ihren Familien ❤️…

…Freunde von vor 20 Jahren…

und neue Freunde…

…mit denen ich Unvergessliches erleben durfte…

Und all die vielen anderen, die mich auf der Straße angesprochen, gegrüßt, angelächelt, offensichtlich oder heimlich angestarrt haben…

Ich habe mich immer völlig willkommen und sicher gefühlt…

Und all diese Erinnerungen, die ich seit 23 Jahren und nun schon zum 6. Mal dort gesammelt habe, machen es mir sooo schwer💔
Es waren 5 h Fahrt bis Guatemala Stadt. Ich habe noch zu Abend gegessen und bin dann zu meinem Hotel „Mariana´´´ s Petit Hotel“ in Zona 13 (24 Euro mit Frühstück und Flughafentransfer), ganz in der Nähe vom Flughafen. Es war ein nettes, kleines Hotel. Endlich mal🙏 Mit Sonnenterasse und Aussicht auf einen Vulkan natürlich😍..

Von einem ehemaligen Army Piloten geführt. Der stur englisch mit mir sprach und ich ihm stur auf spanisch antwortete. Ein Hippie-Ehepaar aus Kanada war noch da. Wir unterhielten uns und ich schaute das Fußballspiel zwischen Xela und Costa Rica alleine in meinem Zimmer an. Ich wusste, was gerade in Xela passierte, es ging um den Meistertitel des Centro America Cup. Jeder hatte seit Tagen davon gesprochen. Xela verlor beim Elfmeter schießen und ich konnte die Enttäuschung von den vielen treuen Fans fast spüren.
Am nächsten Morgen frühstückte ich gemeinsam mit dem Ehepaar und einer deutschen Lehrerin. Wir hatten einen spannenden Austausch über unsere Reisen, wie das so läuft mit meiner Auszeit und ihrem Sabbatjahr. Und auch sie musste ich wohl treffen, denn sie erzählte mir von „Workaway“. Einer Plattform, wo man in über 170 verschiedenen Ländern als Volunteer arbeiten kann😍 Ich recherchierte dann auf dem Flughafen, was das so für Jobs sind. In Thailand kann man da so ziemlich alles machen, von Housesitting, über Elefanten-Pflege, Hundesitting, Sprachaustausch in Schulen, arbeiten auf dem Feld oder in Hotels und Hostels. Mal schauen, ob wir nicht bei unserer langen Reise in Thailand irgendsowas machen🙃 Man hat da eben auch die Möglichkeit, mit den Einheimischen und ihrer Lebensart in Kontakt zu kommen. Das wäre schön! „Nur“ Touri sein ist nicht das Gleiche. Marius und ich hatten schon drüber geredet, dass es für mich in Thailand ganz anders sein wird, wie es jetzt hier in Guatemala war. Ich war mittendrin im Leben, hatte einen Alltag, die Nachbarn haben mich gegrüßt, ich habe dazugehört. Und dann kamen natürlich auch andere Gedanken ins rollen. Ob wir auf diesem Weg vielleicht Unterstützung für Miriam bekommen können🤔 Ich muss das mal durchdenken, mit Miriam darüber reden. Das „Problem“ an der Sache ist, dass eigentlich überall Unterkunft und auch Mahlzeiten dazugehören. Und das weiß ich nicht wie wir das hinbekommen könnten. Mal reifen lassen…
Und dann war ich auch durch die letzten Kontrollen durch…

… und gönnte mir ein Abschiedsbier…

Selbst vom Flugzeug aus ist Guatemala unschlagbar schön 😍…


Hasta pronto 🫶