Benvenuti

Am Samstag Morgen fuhren wir zu einer Picknickstelle in Ponte Cappiano und wurden von den 3 Hunden begrüßt, die bei P4N schon in den Bewertungen stehen. Dort frühstückten wir im Schatten. Der Pilgerweg Via Francigena (von England bis Rom) führt dort vorbei.

Da wir in Moneglia von einem Italiener noch einen Tipp für eine wunderschöne Offroad Strecke bekommen haben, sind wir doch erst mal weiter südlich in die Toskana gefahren…

Um alles zu entzerren machten wir am Maremma Nationalpark halt. Die Buchung bei Agricamper wurde bestätigt. Wir konnten aber erst um 16 Uhr auf den Hof. Also beschlossen wir, an dem einzigen, in der Toskana noch naturbelassenen 8 km langen Strand, Marina di Alberese, die Zeit zu verbringen.

Aber wir dürfen da nicht rein mit Fordinand! Fahrräder haben wir keine dabei und am Wochenende fährt zwar ein Bus aber zu umständlich und teuer um dort 2h ein bisschen spazieren zu gehen. Und da war er wieder, der Frust. Ich fühlte mich nicht willkommen. Es ist ja nicht das einzige Womo-Verboten Schild, dass wir bisher gesehen haben.

Unter einem schattigen Baum irgendwo im nirgendwo machten wir dann Mittagspause und faulenzten. Und dann ging’s zum Agriturismo Le Tofane…

Sie haben 300 Schafe und stellen als Bio-Betrieb Pecorino, Ricotta und „Gänsehaut“-Erdbeerjoghurt her. Wirklich super lecker. Und Marius musste seine Meinung, dass Schafsmilch immer „bockelt“, revidieren.

Es gibt 4 Hütehunde und in der WhatsApp der Farm stand, dass sie gerne kuscheln…

…und so wurden wir dann auch begrüßt 😍 Ich durfte abends frisch gemolkene Milch kosten…

…ihnen bei der Arbeit zusehen…

…beeindruckend war die Omi, die sonst am Stock geht und da 1,5 h unablässig anzapft, desinfiziert und für Ordnung sorgt.

Außerdem erklärte mir der Chef den Unterschied zwischen sardischen und französischen Schafen, warum die neue Bioverordnung nicht unbedingt dem Tierwohl dient, dass er seine Wolle wegwerfen muss, weil alle nur Merino wollen, die Zyklen um immer Milch zu haben obwohl er die stillenen Schafe nicht melkt, warum manche einen langen Schwanz haben und die anderen kurze, die Arbeit der Hütehunde…und das alles auf französisch 😅

Währenddessen wurde ich von manchen ganz genau beobachtet und andere wiederum hatten nur Augen für das Futter das sie während dem Melken bekamen. Und sobald die einen fertig waren..

…ging es in Reih und Glied zu den einzelnen Buchten.

Und solange hat Marius das erste Brot im Bus gebacken😋 etwas angebrannt aber lecker.

Wir hatten eine tolle Aussicht…

…und bis auf einen Vogel der den „Kein Anschluss unter dieser Nummer „-Ton recht dauerhaft pfeift, hatten wir eine ruhige Nacht. Ich hatte ja auf Wolfsgeheul gehofft, aber die Natur bot uns dafür einen Glühwürmchen-Tanz.

Toskana

Weg vom Meer, rein in die Toskana. Das letzte Mal war ich zur Abschlussfahrt Realschule dort.

Ziel war Candalla in der Region Garfagnana. Der Fluss Lombricese fließt zwischen Mühlenruinen…

…dem verwinkelten Dörfchen Casoli…

…mit exquisitem Ausblick vom Friedhof…

…wunderschönen Gumpen…

… natürlich auch zum Fische gucken…

Und MERKE, wenn ein Wanderweg mit Stöcken in X Form beginnt, dann besser nicht laufen. Anfangs noch kein Problem, mit Ausblick auf ein verstecktes Traumhaus…

…wurde aus dem Pfad immer mehr ein Urwald. Marius, der vorrauslief, sah 3 Schlangen. Und so hieß es nach 20 Minuten umdrehen und den Berg wieder hoch. Marius hatte nach der Begegnung mit den Ringelnattern einen Gang zugelegt. Ich hab ihm die Größe nicht ganz geglaubt 🫱 🫲, aber auf dem Weg lag dann noch eine tote, und die war tatsächlich lang.

Wir hatten unseren ersten AgricamperItalia gebucht und als wir dort ankamen war zum einen noch keine Bestätigung da, die Brauerei sah verlassen aus und der Parkplatz lag an einer stark befahrenen Straße. Kein Problem, dachte ich, in der Nähe sind ja noch 2 Agricamper… beide voll. Der 4×4 P4N Platz für unser Auto nicht erreichbar, da hätten wir eher den gebraucht…

…und sämtliche Stell- und Campingplätze voll. Für unsere Verhältnisse waren wir früh dran (17 Uhr). Aber Freitag, Brückentag, in der Nähe von Lucca und die Giro d’Italia – da muss man wohl wie im Hotel mit den Handtüchern auf der Liege, um 10 Uhr einen Platz auf dem Campingplatz besetzen. Frustriert fanden wir bei P4N einen Schulparkplatz abseits der Hauptstraße in Capannori.

Frust bei mir – weil die Erwartungen nicht der Realität entsprachen. Statt romantisch auf einem toskanischen Anwesen, umzäunt von Zypressen unter einer der vielen schattenspendenden Pinien zu stehen, waren wir weg vom Meer…

… auf einem Parkplatz wo nachts gehupt wird, weil sie diese Wildcamper hassen. Und dann natürlich all die vielen Touris, die Cappuccino nach 12 Uhr wollen, Venedig stürmen dass es nun Eintritt kostet und ja 😡 warum fahren die eigentlich alle zur gleichen Zeit in Urlaub wie ich!!!

Der Plan: raus aus der Toskana, weiter südlich, wo vielleicht alles ein wenig entspannter ist…

Und eigentlich war es natürlich gar nicht so schlimm, wir hatten ein leckeres Abendessen, Bier und hinter unserem Auto war sogar ein kleiner Olivenhain. Und natürlich bin genau so Tourist wie alle anderen – naja, ich trinke keinen Cappuccino 😏…

Bella Italia 2024

Am 7. Mai ging es nachmittags Richtung Italien los, früher haben wir nicht geschafft, es gibt einfach immer noch so einiges Aufzuarbeiten zuhause… Und das kann man im Streß machen, um ja so schnell wie möglich los zu kommen, oder das Privileg eines Campers nutzen der keine Reservierung hat und auf keine Fähre muss und einfach dann los, wenn alles fertig ist.

Inzwischen kann man ja sämtliche Vignetten online kaufen. Da wir die Schweizer brauchten, wollte ich das das erste Mal so machen, allerdings ist sie da 6 Euro teurer als an der Tankstelle…Gut, man muss sie nicht wieder von der Scheibe kratzen, aber 6 Euro ist ein Spaghetti-Eis für mich 🤷‍♀️

Es regnete viel und war teilweise auch sehr neblig, der Schnee in den Schweizer Bergen war orange-braun (vom Sahara Staub vielleicht?!?) und wir diskutierten, ob Aquaplaning mit 3,5 Tonnen wohl weniger schnell geschieht wie mit einem PKW…

Auch Italien begrüßte uns mit Regen und 12 Grad. Wir fuhren noch ein ganzes Stück an Mailand vorbei und verbrachten die Nacht in Bolzaneto auf einem P4N Parkplatz am Bahnhof. Nachts um 22 Uhr fast leer, morgens voll geparkt, teilweise in 3er Reihen.

Wir gönnten uns ein italienisches Frühstück…

…und vermuten nun auch zu wissen, warum die Italiener ihr Frühstück im Stehen zu sich nehmen…

…da verkleckert man sich nicht die Hosen😉

Dann weiter ans Ziel: Moneglia.

Camping Smeralso – unser absoluter Lieblings-Campingplatz. Als wir uns überlegt haben, Fordinand zu kaufen, war tatsächlich auch ein Kriterium, dass er durch den Tunnel paßt. Ich war trotzdem super aufgeregt, es wäre echt hart gewesen, vor diesem Traumplatz zu stehen und nicht durchzupassen. Aber, alles kein Problem, einmal zurücksetzen, damit wir ganz um die 180 Grad Kurve kommen und da waren wir😍

Wir liefen nachmittags nach Moneglia – da wir keine Fahrräder dabei hatten. Es ist ein spannend, schöner Weg. Erst durch diese verschachtelten Ferienwohnungen durch, über Felsen klettern…

…Kiesstrand und dann über Treppen wo Klebsamen blühen und wunderbar duften.

Zuerst gab es DAS Eis schlechthin…

…in das Mangosorbet könnte ich mich reinlegen. (Da fällt mir gerade das Spaßlabor von Bayern 2 ein. Dort haben sie mal getestet, ob man in flüssiger Schokolade schwimmen kann. Ich will Journalistin werden!!!) Und dann den ersten Aperol. Leider hatte unsere „Stammkneipe“ geschlossen. Aber am nächsten Tag haben wir die neue Stammkneipe erkoren. Dort gab es nämlich zum Aperol/Bier nicht nur Chips sondern einen kleinen Vorspeiseteller, und das zu jeder Bestellung dazu…

Und das Bezaubernde war, als ich drin bezahlt und Trinkgeld gegeben habe, wurde eine Glocke geläutet und das ganze Personal hat sich umgedreht und „Gracie“ gesagt. Wie toll ist das denn bitte!!!

Als wir zurück auf dem Campingplatz waren, wurde ich traurig und musste in Erinnerung an Regina ein paar Tränen weinen. Sie hat uns diesen Platz damals empfohlen und wir haben uns genauso in ihn verliebt wie sie. RiP🙏

Der nächste Tag begann mit Sport und danach schwimmen im Meer. Wobei das bei 16 Grad Wassertemperatur ein kurzer Spaß war. Und dann waren wir einfach faul…so mit Lesen und Mittagschlaf und ein bisschen am Bus rumwerkeln und essen… Den Abend verbrachten wir mit Helmut aus Ulm, Krautschupfnudeln aus Hauerz und einer Flasche Primitivo aus dem Aldi… Immer wieder Diskussion zwischen uns und auch Helmut hatte diese Disskusion schon. Er nimmt auch gerne immer alles von daheim mit, aber zum Urlaub machen gehört eben auch die kulinarische Seite des Landes!!! Aber die Lebensmittelpreise sind in Italien mindestens genauso hoch wie bei uns, manches sehr viel teurer (Pilze im Glas oder Haferflocken), weniges billiger (Kaffee und süße Stückchen).

Der Abend wurde jäh von unserer Nachbarin beendet. Wir haben uns wohl zu laut unterhalten… 3 Menschen, 1 Flasche Wein und Gespräche über Gott und die Welt auf einem Campingplatz…

Und dann, schweren Herzens wieder mal weg von Moneglia und weg vom Meer. Ich weiß nicht warum, aber sobald ich am Meer bin, ziemlich egal wo, fühl ich mich, als ob ich dahin gehöre…

(Abschied) Nehmen

Mittwoch war schon mein letzter Tag. Michaela aus der Gemeinde kam auch noch bei Casa Base vorbei und brachte einen Ofen mit 3 Herdplatten. Der kam wie gerufen, die Mädchen durften für ein Fest, das am Freitag bei Naomi stattfindet, 12 Kuchen backen. Und da war ein Ofen mehr natürlich ein Segen. Nur nicht für die Sicherung. Deshalb musste er in den 1. Stock. Und wird dann einer der Familien gegeben, die im Camp keinen Ofen hat…

Obwohl kaum eine Frau wußte, dass es mein letzter Tag war, kam mir an diesem Tag so viel Aufmerksamkeit entgegen. Ich wurde umarmt, mir wurde gewunken. Oder nahm ich es nur anders wahr?

Ich hatte noch so viel zu verräumen und fertig zu machen. Ich habe eine Duftlampe für Casa Base gekauft, mischte noch ein paar Fläschchen Duftmischungen und schrieb eine Anleitung…

Der Hebamme hab ich das „Vier-Winde“ (Blähungs-)Öl da gelassen und noch eine kurze Einweisung zum mischen gegeben.

Da ich abends noch einen Termin hatte, musste ich an meinem letzten Tag früher gehen. Ich fing also an mich bei meinen jungen Mit-Volunteers zu verabschieden und dann bei den Frauen. Da gerade Nähkurs war, war viel los. Und dann kamen die Mädels aus der Küche mit einem Kuchen für mich. Das war zu viel, bin ich doch eh so schlecht im Abschied nehmen…

Maria war die letzte und obwohl nie Zeit war, um sich mal länger zu unterhalten, haben wir doch von Anfang an einen super Draht zueinander gehabt, uns quasi blind verstanden, mussten viele Sätze gar nicht aussprechen, weil wir schon wußten was der andere sagen wollte.

Von Casa Base habe ich nicht nur Abschied genommen. Ich habe auch sehr viel (mit)genommen. Ganz viel Dankbarkeit…

…die ich bekommen habe und die ich aber auch meinem (leichten) Leben gegenüber empfinde. Dazu kommt Demut. Ich nehme ganz viel neue Eindrücke mit. Habe ich bisher in meiner Arbeit nie solchen regelmäßigen Kontakt gehabt, viele Geflüchtete sonst nur einmal gesehen. Ich durfte sehen wie sich die Frauen und Mädchen unbeschwert bewegen konnten, sah, was ihnen wichtig ist, woran sie Spaß haben, wie toll sie alle tanzen können.

Ich durfte viel Zeit mit einer 20 Jahre jüngeren Generation verbringen, die aus der ganzen Welt kamen. Sah die Unterschiede zwischen uns. Ich, bzw. meine Generation war mit Anfang 20 so ganz anders und in manchen Dingen doch wieder so gleich. Die Themen, mit denen sich diese jungen Menschen schon beschäftigen, wahrscheinlich auch beschäftigen müssen sind oft so ernst. Wir waren damals sehr viel weniger politisch, viel mehr mit uns selbst beschäftigt. Aber die Unbeschwertheit ist doch allen gleich. Ich finde die Gedanken und Ideen wunderbar die die Jungen haben – im Gegenzug finde ich sie dann aber wieder wenig flexibel und zum Teil gleichgültig, was nicht zu ihren Ideen passt.

Meine Rückfahrt nach Panorama war von so vielen Gedanken begleitet. Dort warteten im Waldorfkindergarten, Cecile mit einer Freundin und der Erzieherin auf mich. Die waren total interessiert an den ätherischen Ölen und ich durfte ihnen davon erzählen. Es war so eine andere Welt in einem Waldorfkindergarten zu sitzen, nachdem ich aus Casa Base kam.

Am Donnerstag ging mein Flieger, und meine letzten Verabschiedungen waren mit einer 30 Jahre älteren Generation. Ich hatte ein schönes Telefongespräch mit Dorothee und war dann noch zum Tee trinken bei Gusti, meiner Gastgeberin. Und auch die Wochenenden hatte ich ja mit Michaela und Claudi verbracht. Was für bewundernswerte Frauen, ich könnte ihnen stundenlang zuhören, kann so viel von ihnen lernen.

Mit Gusti hab ich noch ein Thema diskutiert, das mich bei meinen ganzen Einkäufen beschäftigt hat. Ich habe, um die Spendengelder so effektiv wie möglich einzusetzen, so billig wie möglich eingekauft. Dabei war ich in Läden, die ich sonst meiden würde, da ich mir in den letzten Jahren sehr viel Gedanken um mein Konsumverhalten gemacht, und dieses auch angepasst habe. Gusti und ihr Mann hatten ein Textilunternehmen. Und sie sagte, dass für die Unterhosen, die ich für 83 Cent gekauft habe, irgendjemand dafür „bezahlt“ hat. Natürlich weiß ich das, ich habe mir einige Dokus angeschaut über diesen Wahnsinn Textilbranche. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Konsumenten ganz viel Macht haben. Im Privaten achte ich darauf. Aber in meiner Position hier, wollte ich einfach nur so viel wie möglich für die Menschen besorgen und keine Spendengelder verschwenden. Ich hätte gerne die griechischen Menschen mehr unterstützt, in dem ich bei ihnen kaufe und nicht diesen Jumbokonzern unterstütze. Aber wenn ich auf dem Markt für die (auch in China produzierte) Unterhose 1,25 Euro bezahle, dann kann ich im Billigladen mehr für´s gleiche Geld bekommen. Es fühlt sich besser an, auf dem Markt dem Karottenhändler das Geld in die Hand zu drücken, als im Jumbo an einer der 20 Kassen mit Karte zu zahlen. Ich habe vielen Menschen geholfen und glücklich gemacht, aber andere, und auch die Natur, mussten dafür bluten…

Ich war auf jeden Fall sehr beschäftigt, körperlich wie auch gedanklich. Und jetzt sitz ich hier in meinem schönen Zuhause, ganz viele Menschen freuen sich dass ich wieder da bin, und darf mich wieder in mein eigentliches Leben einfinden. Und das heißt nicht nur, dass das Klopapier wieder in die Toilette darf 😅 Ich habe ein gemütliches Wochenende vor mir und weiterhin Urlaub und darauf heißt es nun, mich einzulassen.

Geben

Ich war Montag und Dienstag in der Küche eingeteilt. Also Tee und Kaffee kochen und den Frauen servieren. Dazu ein paar Kekse, Nutellatoasts und Obst reichen. Man hat da natürlich viel Kontakt zu den Frauen. Nur leider ist die Sprachbarriere sehr hoch. Aber es gibt natürlich Möglichkeiten, auch ohne viel Worte zu kommunizieren. Ich habe bei Jumbo (dazu nachher noch mehr…) Massagegeräte gefunden und den Frauen in die Hand gedrückt…

Und dann heißt es natürlich immer wieder spülen. Wobei es auch einige Frauen gibt, die mir diese Arbeit gerne abnehmen. Eine Iranerin spült gerne und wollte danach einen Spülschwamm von mir. Am Vormittag hatte auch schon eine gefragt, weil zwei große Kisten mit Spülschämmen unter der Arbeitsplatte stehen. Aber ich musste Nein sagen. „Nur für mich!“ versucht sie es weiter. Ich erkläre ihr, dass wenn ich ihr einen Schwamm gebe, am nächsten Tag 10 kommen und am übernächsten 50. Dieses Argument kennt sie natürlich, versteht es auch aber versucht es trotzdem. Später war diese Frau im Kleiderlager und hat sich zwei Kopftücher angeschaut. Als ich zufällig dazu kam (es war sonst niemand dort) und sie mit einem Zwinkern daran erinnert habe, dass sie dafür einen Termin machen muss und doch weiß, nur alle 2 Monate…, lächelte sie wieder und tänzelte mit den 2 Schals davon. Und schon kamen 2 andere Frauen die nur mal schauen wollten und da ein Tshirt einsteckten und ein Paar Schuhe in der Hand hatten. Ach wie ich das hasse, Nein sagen zu müssen. Auch zu den Jungs, die den Mädchen durchs Tor zuschauen, wie diese Inliner fahren…

…und Ball spielen.

Wegen mir, und da geht es den anderen Volunteers und Maria genauso, dürften sie alles haben!!! Aber dann bricht dieses System zusammen.

Ich erinnere mich an eine Situation bei meinem ersten Aufenthalt in der Türkei. Wir sind das 2. Mal in ein illegales Camp gekommen. Wie versprochen, nicht nur medizinische Versorgung zu machen, sondern auch Kleidung mitzubringen. Wir hatten einen Bus voll mit Sachen. Als wir im Hof die Seitentür aufgemacht haben, ging der Kampf los. Uns blieb nichts anderes übrig, als mit offener Tür wieder los zu fahren. Die Menschen rannten neben dem Auto her, haben mit Fäusten dagegen gehauen. Es war schrecklich. Sie sollten doch alle was bekommen. Aber so hätten nur die was bekommen, die ganz vorne waren oder sich mit Ellbogen Platz machten. Wir hielten damals ausßerhalb vom Camp und haben mit dem „Camp-Chef“ gesprochen, also einer der Männer aus den Familien, der so ein bisschen die Rolle des Clanführers übernommen hatte. Er musste mit seinen Leuten sprechen, dass wir für alle was dabei haben, dass sie sich in eine Schlange stellen müssen. Er sollte dabei bleiben und für Ordnung sorgen. So hat es dann auch einigermaßen funktioniert.

Ich verurteile dieses Verhalten nicht! Ich kann mir vorstellen, dass wenn man schauen muss, wie man sich und seine Familie über die Runden bringt, man dann vieles tut, was einem eigentlich nicht entspricht.

Und auch hier muss einer der bad cop am Eingang sein, wenn Essen verteilt wird…

Khalil hat mich gefragt, wie es mir mit der Arbeit in Casa Base geht. Und ich habe ihm gesagt, dass die medizinische Versorgung für mich einfacher ist. Da bekommt jeder Hilfe der fragt.

Aber ich habe das große Glück, dass Avicenna mir Spendengeld zur Verfügung stellen konnte. Und so bin ich nach vielen Recherchen, wo es am billigsten ist, los zum Einkaufen. Und das für ALLE!

Ich fuhr zuerst zu Jumbo. Man muss sich das wie Temu in live vorstellen. Es gibt einfach alles. Die Hölle…

…billige Chinaware. Ich kaufe Feuchttücher, Spülschwämme für alle…

Babyflaschen, Schnuller und stelle für 3 Familien ein Set zum Kochen zusammen…

Dann geht es weiter zum nächsten Billigladen wo ich Unterwäsche kaufe. Leider konnte ich die Händler auf dem Markt nicht zum Handeln bewegen. Und so habe ich die ganze Charge Billigunterwäsche gekauft die da war. Ungläubige Blicke von allen Seiten als ich meinen Korb vollgeladen habe…

Dann weiter zu Lidl um Pampers und Damenbinden zu kaufen. Die Dame an der Kasse hat mich gefragt ob ich das alles kaufen will. Diese Frage habe ich noch öfters gehört😅

Dann war mein kleiner Panda voll bis unters Dach. Zuhause habe ich einen großen Teil erstmal wieder ausgeladen. Ich bin am nächsten Morgen auf den Markt, um für die Essensverteilung auch ein bisschen Gemüse geben zu können…

Der Kartoffelhändler, bei dem ich 85 Kilo kaufen wollte schüttelte den Kopf und meinte, das geht nicht. Aber schließlich hab ich drei 25kg Säcke bekommen und den Rest in Tüten dazu. Der Karottenhändler hat erst einmal jemand zum übersetzen geholt, weil er es nicht glauben konnte, dass ich alle Karotten kaufen will. Wo ich denn her komme? „Aus Deutschland und ich habe eine große Familie“ 😉 Es war so ein allgemeines Kopfschütteln als ich nun auch noch Kiloweise Karotten durch den Markt geschleppt habe.

Dann noch schnell zum Praktiker, um eine Waschmaschine zu kaufen. Die ich abends abholte, als Panda wieder leer war. Und dann musste ja auch wieder alles Zeug rein, was noch so in meiner Wohnung stand. Aber alles hat reingepaßt!!!

Da ist tatsächlich eine Waschmaschine auch noch drin

Hab ich schon erwähnt dass ich meinen little Panda echt liebgewonnen hab 🥰…

Und dann war die Freude natürlich jedes Mal groß bei Casa Base! Santa Claus hat mich Maria getauft.

Nun können sie endlich Tischdecken und Teppiche, die hier überall rum liegen, waschen. Und auch die Kleidung aus dem Lager, die schmutzig ist.

Und als Panda dann wieder leer war, bin ich nochmal zu Lidl und habe mehr Binden und Pampers gekauft. Und Kondome. Ich hab still in mich hineingelächelt, als ich mir vorgestellt habe, was wohl passiert wenn ich alle Kondome kaufe. Die Verkäuferin machte aber ein Pokerface. Nach der Frage ob ich das alles kaufen will 🤷‍♀️ musste sie bei der Chefin nachfragen, ob sie mir alle verkaufen darf. Der Mann hinter mir an der Kasse fragte mich, ob ich die verkaufen will. Als ich die erste Fuhre im Auto verstaut hatte und dann die restlichen Pampers auch noch aufkaufte, fragte sie nur lachend ob das alles wäre… Ja, Auto voll…

Selbst bei Casa Base war es der große Lacher als ich mit 142 Packungen Kondomen ankam. Aber sie wurden sofort zur Verfügung gestellt…

Dieses Einkaufen macht mir die Arbeit sehr viel leichter. So bekommt jeder etwas und ich muss nicht Nein sagen. Und wenn ich dann noch die glücklichen Gesichter sehe und den Freudenschrei, als wir den Frauen das Kochset überreichen…

…bin auch ich glücklich. So viele sagen mir, dass sie das nicht tun könnten, was ich mache. Aber ich könnte das nicht tun, wenn es nicht Menschen gäbe, die Geld spenden. Und so tut eben jeder was er kann!

Das Meer…

Den Samstag habe ich mit Claudi aus der Gemeinde verbracht. Sie hatte mich zum Mittagessen eingeladen und mir dann die Altstadt gezeigt. Es hat so einen leichten Flair von Italien, mit diesen kleinen Gässchen…

Dort gibt es leider auch Zeugnisse des Judenhasses. Als der jüdische Friedhof damals zerstört wurde, hat man die Grabsteine zum Gassenbau verwendet…

Und wieder sind wir so nah dran – es beschäftigt mich sehr, weil ich aktuell auch das Buch von Susanne Abel höre „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“

Nach einer Besichtigung der orthodoxen Kirche des Schutzpatrons Thessalonikis…

… hat unsere Tour genau dort aufgehört, wo Michaela letzte Woche mit ihrer Führung angefangen hat. So kenne ich nun die wichtigsten Teile Salonikis, wie hier alle sagen. Dort trennten wir uns und sie hat mir noch erklärt, wie ich wieder zu meinem Auto finde, dass ganz oben an der alten Stadtmauer stand.

Und nachdem ich in der Stadt noch ein paar Besorgungen gemacht habe bin ich dann in den Bus gestiegen und schwarz gefahren. Ganz zu Beginn, als sich meine deutschen Kolleginnen eine Monatskarte kaufen wollten, kam der Kommentar, dass hier keiner ein Ticket hat, weil nie kontrolliert wird. Also hab ich das auch so gemacht… und natürlich hat sich im Bus eine ältere Dame ein Ticket gekauft. Also wahrscheinlich ist das eher unter den vielen Studenten hier so…

Ich habe mein Auto dann tatsächlich auch wieder gefunden, wobei es eine Herausforderung war 😅…

…durch die engen Gassen in der Dunkelheit.

Da für Sonntag das noch bessere Wetter angesagt war, bin ich wieder ans Meer gefahren. Griechenland hat eine Küstenlänge zwischen 13676 und 15147 km (laut World Resource Institute und CIA World Factbook). Auf dem Stück Strand, für das ich mich entschieden habe, laufe ich als aller erstes auf eine Schwimmweste zu…

Und da ist es wieder, dieses bedrückende Gefühl, dass ich erst seit 2015 kenne. Bin ich jemand, der aus vollem Herzen dieser Definition von Thalassophile entspricht, ist da doch auch dieses Wissen, was in diesem Meer so vielen Flüchtlingen passiert ist.

Eines meiner traurigsten Erlebnisse war bei meinem 2. Aufenthalt in der Türkei, als ich mit der Fähre von Cesme nach Chios übergesetzt bin. Ich habe die Schlepper gesehen, die mit den Schlauchbooten ankamen, sie aufgebaut und die Menschen hineingepfercht haben. Ich wußte, dass sie 4stellige Beträge für dieses Risiko bezahlt hatten. Und jeder hat wahrscheinlich noch das Bild von dem kleinen toten Alan im Kopf.

Mit meinem deutschen Ausweis konnte ich für wenige Euros das Fährticket kaufen. Saß in einem klimatisierten Bereich und habe mir Videos über die schöne Ferieninsel auf dem Monitor angeschaut… Ich habe damals bittere Tränen geweint und dieses Gefühl taucht nun immer wieder auf, wenn ich auf´s Meer schaue. Das war vor gut 7 Jahren, und noch immer sterben Menschen, bei dem Versuch, das Mittelmeer in völlig überfüllten und absolut untauglichen Booten zu überqueren.

Nach dem Frühstück fahre ich weiter, weil es mir zu windig ist, und suche mir auf der Ostseite vom ersten Finger der Chalidiki ein Plätzchen wo ich ins Wasser kann. Und wieder ein krasses Bild an was ich da hinlaufe…

Wahrscheinlich hängt man da irgendwelche SUP’s hin, aber spannend, auf was ich so sensibilisiert bin…

Auch ist das Thema Plastikmüll leider nicht zu übersehen. Und auch das gibt mir Stoff zum drüber sinnieren, weil ich mir auf Netflix gerade „Seaspiracy“ anschaue. Ich kann ihn nur teilweise schauen, weil es echt harte Kost ist. Fast 50 % des Plastikmülls in den Meeren sind…

…Netze und andere Teile der Fischfangindustrie.

Nichtsdestotrotz genieße ich die Sonne, die Luft und das glasklare Wasser und geh natürlich auch baden. Nehme all die guten Gefühle ganz bewusst wahr, die das Meer eben doch überwiegend in mir auslöst…

Alltag

Ich wache eigentlich immer ohne Wecker um 8 Uhr rum auf, mache ein bisschen Sport, richte mein Frühstück und finde inzwischen auch ohne Navi zu Casa Base.

Jeden morgen besprechen wir, wer welchen Workshop anbietet, teilen uns für die einzelnen Bereiche ein und um 11 Uhr öffnen wir das Tor.

Ein fester Programmpunkt für die Frauen ist der Fotografie-Workshop. Eine Griechin kommt 2 mal die Woche um vorallem junge Frauen in die Technik einzuführen…

Es gab in der Vergangenheit schon verschiedene Aktionen mit Fotografie. Unter anderem war der Sohn von Bita und Khalil schon einmal hier und hat Workshops angeboten. Seine Erfahrungen hat er hier geteilt: https://avicenna-hilfswerk.de/casa-base/

Außerdem war ein italienischer Fotograf hier, der mit den Bildern, die er mit den Frauen gemacht hat, viele Preise abgeräumt hat. Und die Bilder sogar von der Vogue ausgestellt wurden…

So schön die Bilder sind, ist es wohl am Ende des Projekts zu großen Zerwürfnissen gekommen, was einen bitteren Geschmack hinterläßt, weil es wieder mal nur um Geld und Erfolg ging…

Wie jeden Tag sind die Sprachkurse gut besucht, vorallem Deutsch ist sehr beliebt, weil die meisten dieser Menschen nach Deutschland weiter wollen. Klara und Ruth boten mit Gitarre und Querflöte einen musikalischen Mittag an, der mich die Kleider im Lager beschwingter sortieren ließ…

Außerdem studieren sie mit den Frauen einen Kanon und eine Bodypercussion Vorführung ein, da am 23. Februar bei Naomi eine Veranstaltung stattfindet, wo Casa Base mitwirken soll.

Mittags kamen Frauen mit Zutaten für Kuchen und übernahmen die Küche. Selbst um 17 Uhr, als wir eigentlich schließen, waren sie noch fleißig in der Küche am werkeln. Auch fragten schon andere, ob sie am Freitag backen dürfen. Da wurde mir klar, wie sehr ihnen das fehlt. Es gibt wohl den ein oder anderen Herd im Camp. Sie werden aber mit Essen von einem Catering versorgt. Was ihnen oft nicht schmeckt. Auch in Deutschland habe ich das so mitbekommen. Warum gibt man den Menschen nicht die Möglichkeit, selber zu kochen?!?! Sich zu versorgen. Das hat so viel mit Wohlgefühl zu tun. Das ist Alltag. Wie wichtig ist es, andere zu bekochen, jemandem mit einem Kuchen eine Freude zu machen. Wenn ich an meine Mutter denke, aber auch an fast jedes Treffen mit Freunden, dann ist ein wichtiges Thema, wenn nicht sogar DAS Thema, was es zu essen gibt, wer was mitbringt, welcher Kuchen gebacken wird, welche Freude ich mit einem bestimmten Essen wem machen kann…

Das haben sie extra für uns gebacken

Das ist für uns so selbstverständlich – diese Frauen haben diese Möglichkeit nicht. Und auch Casa Base kann das nur in kleinem Umfang bieten. Die Küche ist nicht groß…

…hat eine Induktionsplatte und 2 elektrische Platten die ewig brauchen um Nudelwasser zu kochen. Und dann gibt es einen Ofen in Mikrowellengröße… Es gab auch schon die Überlegung, fehlende Herde und Kochgeschirr zu besorgen. Aber das ist eigentlich Sache des griechischen Staates, und was im Camp verschwindet, gehört dem Camp…

Nach der Arbeit bin ich mit einem kleinen Geschenk bei Esther und ihrer Familie vorbei, die Kleine hatte ihren 5. Geburtstag…

Der Ballon war das Beste, trotzdem konnte ich ihr kein Lächeln entlocken und auch kein Wort.

Freitag haben wir einen Kinonachmittag für die Frauen angeboten mit gleichzeitiger Kinderbetreuung. Da die Frauen sich schon rechtzeitig eingefunden haben, bot ich ihnen an, Gesichts-Yoga zu machen. Da waren sie sofort dabei und über den Bildschirm hat die gute Mady uns angeleitet. Und die Enttäuschung war groß, als es nach 8 Minuten schon vorbei war. Also haben wir noch eine Yogasession für den Nacken angehängt und ich spürte richtig, wie es den Frauen gefallen hat. Sogar die ältere Frau aus Somalia mit dem Wirbelbruch war nicht zu stoppen…

Es war herrlich! Ich gab ihnen zu verstehen, dass wir das am Montag wieder machen und die Freude war groß!

Zum Film gab es Popcorn und ich habe noch Cola organisiert. Draußen wurde Volleyball gespielt und Inliner gefahren…

…und Klara startete das Projekt, einen Kompost zu bauen. Mit tatkräftiger Unterstützung 💪

Ich bin nach Feierabend wieder zu Esther. Sie ist inzwischen krank und nachts von starkem Husten geplagt. Sie bekam ein Öl und Materialien, um sich damit Auflagen zu machen…

Naomi

Am Mittwoch war ich zu Naomi eingeladen. Aber bevor ich dort ankam, hatte ich den Stadtverkehr zu überwinden und einen Albtraum erlebt…

Ich würde mich als unerschrockene Fahrerin bezeichnen. Und das muss man hier auch sein. Die Roller, die es bei Rot noch nicht geschafft haben sich vor die Auto zu drängeln, und sei es über die Gegenfahrbahn und den Fußgängerüberweg, überholen von beiden Seiten beim losfahren. Es wird grundsätzlich in 2. Reihe geparkt und wenn dann der Rettungsdienst mit Blaulicht hinter dir ist, heißt es, Gas geben und gleichzeitig eine Lücke zu suchen 😅

Ja und dann kam ich im Parkhaus an, dass Dorothee mir genannt hat. Da stehen die Autos in 3er Reihen hintereinander. Aber tatsächlich muss man aussteigen, bekommt einen Schein in die Hand gedrückt und dann wird dein Auto eingeparkt…

Ich bin dann mit einem nicht sehr vertrauenswürdigen Aufzug in den 6. Stock zu Naomi gefahren um meine Tasche mit ätherischen Ölen abzugeben. Ich wollte dann erstmal in die Stadt gehen, mir Frühstück holen. Ich habe kurz überlegt die Treppe zu nehmen, bin dann aber doch in den Aufzug gestiegen…

..hab auf Erdgeschoss gedrückt, der Aufzug fuhr los, genau einen Meter und dann blieb er stehen… Da bin ich absolut kein Held, fühlte die Panik in mir hochsteigen… Egal welchen Knopf ich drückte, es rumpelte nur und nichts ist passiert. Ich sah mich schon abstürzen, drückte den Alarmknopf der nur im Flur klingelte. Ich rief dann Dorothee an, die in einer Besprechung war. Die 2 Türen vom Aufzug, die offen standen schloss ich dann und Halleluja, der Aufzug bewegte sich wieder und mir öffnete ein Mann, der ganz entspannt meinte:“ Die Türen schließen“. Dorothee war dann auch schon da und meinte, ich soll den anderen Aufzug nehmen aber keine 1000 Pferde haben mich in diesen Aufzug gebracht. Ich lief lieber durch dieses schmutzige, dunkle Treppenhaus, was so ähnlich auch in meinen Albträumen vorkommt.

Nach einem Tee in der Sonne – ein Ouzo wäre mir lieber gewesen – bin ich dann zu Naomi zurück, über die Treppen in 6. Stock. Dort sollte ich dem Team der Produktion mit ätherischen Ölen was Gutes tun.

Naomi wurde 2015 von Dorothee gegründet um geflüchteten Menschen zu helfen. Inzwischen gibt es 3 Bereiche. Zum einen die Produktion, wo ausgebildete Schneider*innen für in- wie ausländische Firmen Kleidung nähen…

Es gibt auch einen Shop, wo die Produkte verkauft werden…

Es wird viel Upcycling gemacht. Seien es alte Fahrradschläuche…

…Planen…

…Jeans…

…und vor allem die alten warmen Decken aus Idomeni, die man den Geflüchteten gegeben hat, nachdem man sie aus dem Meer gezogen hat…

Inzwischen gibt es auch eine Akademie, wo Menschen ausgebildet werden, um dann ein Zertifikat für die Schneiderausbildung zu bekommen…

Die Chefin für den Businessbereich, die in ihrem 2. Leben Unternehmerin in der Textilbranche ist, ist sehr stolz auf diesen Bereich. Gerade haben sie ein großes Projekt mit einem Zirkus, der durch mehrere europäische Länder reist und dort auch Geflüchtete mit in die Show einbezieht. Die Kostüme, die alle Elemente mit den Decken beinhalten, werden dort hergestellt.

Und dann gibt es noch die Sozialabteilung, die unter anderem Casa Base unterstützt. Sie meinte es wäre noch sooo viel mehr möglich, wenn Stadt oder Land sie unterstützen würden…Aber sie wirkte keineswegs frustriert. Sieht sisie ihre Arbeit doch als „drop in the ocean“. Auf englisch doch so viel schöner als unser deutsches „Tropfen auf den heißen Stein“.

Ich hatte viel Spaß mit dem Team in der Produktion. Habe ihnen eine Duftlampe gebracht und jedem ein Öl für’s Gemüt gemischt. Auch andere Mitarbeiter, angelockt vom Duft, waren plötzlich da und waren ein bisschen neidisch. Am nächsten Morgen kam ein Bild von ihnen mit einem dicken Dankeschön…

Valentinstag

Am Dienstag war ich wieder hauptsächlich im Lager und sortierte Kleidung. Die Workshops die wir angeboten haben, außerhalb der Sprachkurse, waren nicht so beliebt. Bzw. hatte ich das Gefühl, dass die Frauen es einfach genießen, mal zusammen sitzen zu können und nichts tun zu müssen. Tee und Kaffee serviert bekommen und einfach nur quatschen. Und die jungen Mädels hängen am Handy, chatten und schauen sich irgendwelche Videos an und kichern. Auch sehr verständlich, haben sie im Camp kein Wifi!!! Und wir übermotivierten Volunteers schauen dann etwas betröppelt aus der Wäsche, haben uns ja auch Gedanken gemacht und vorbereitet…

Dafür war es heute, am Valentinstag umso voller und die Angebote wurden gerne angenommen. Ich war am Eingang eingeplant und habe für alle einen kleinen Valentinsgruß vorbereitet…

Am Nachmittag war wieder Nähkurs angesagt und da füllt sich Casa Base! Auch mit Kindern, was nicht so gerne gesehen wird. Da sich niemand um die Kinder kümmern kann und es gefährlich ist, wenn sie zwischen den Nähmaschinen herum laufen. Aber die Frauen behaupten alle, dass sie niemanden haben, der solange auf die Kinder aufpaßt, oder der Mann beim Arzt ist. Also hat sich Gracyn um die Kleinen gekümmert…

…was ja auch eine schöne Aufgabe ist und super Spaß macht, den Kindern wie auch uns Volunteers. Aber ich verstehe auch Maria bzw. die Verantwortlichen. Nicht immer sind 5-8 Volunteers gleichzeitig da. Im Dezember/Januar war Maria an manchen Tagen allein. Und wenn wir Kinderbetreuung machen, dann bringen die Frauen ihre Kinder natürlich das nächste Mal wieder mit. Ist wahrscheinlich einfacher, wie den Männern zu sagen, dass sie jetzt mal ran müssen, bzw. gibt es bei den Kindern kein Gebrüll…

Und dann wurde natürlich gebacken, die Küche war voll…

…und nicht nur wir alle durften kosten…

…es wurde auch der ein oder andere Kuchen für den Freund gebacken. Ein Mädchen hat für ihren Vater einen Kuchen gebacken, den er dann der Mama schenken sollte…

Was für eine schöne Idee

Zusammen mit Clara haben wir für die jungen Mädels einen Valentine´s Workshop angeboten, wo es um das Thema Liebe und Selbstliebe gehen sollte…

War das spannend. Da ging es nicht etwa um Jungs, heiraten und Kinder kriegen wollen. Liebe bedeutet für diese jungen Frauen Familie, Freunde und sich selber zu lieben.

Auch Tiere und die Natur wurden genannt. Und bei der Frage, was sie sich für die Zukunft wünschen, war sich die eine ganz klar, dass sie Ärztin werden möchte und in die USA will. Die andere möchte fotografierend um die Welt reisen oder in einem Zoo arbeiten. Auf die Frage, was sie tun (möchten) um für sich gut zu sorgen war es ganz eindeutig das Schlafen :-), am besten den ganzen Tag. Und der Wunsch von fast allen war, ganz alleine zu sein für ein paar Stunden…wie lange sie das wohl nicht mehr hatten…?

Und während all dem, ratterten die Nähmaschinen und wurde Stoff geschnitten…

Die Erbsendosen werden zum Stoff beschweren genommen

Das war für diese Frauen das, was sie mit Liebe tun. Und wenn sie danach noch präsentieren können, was sie genäht haben, dann ist die Freude und der Stolz in ihrem strahlenden Gesicht zu sehen…

…nur nicht für die Kamera… Ihr erstes selbstgenähtes Stück, ein Umstandskleid!

Eine neue Woche

Als ich mein Handy Montag morgen angeschaltet habe, war eine Nachricht von Dorothee da, ob ich bei einer nigerianischen Familie vorbeischauen könnte. Die Frau ist mit ihrer behinderten Tochter aus Nigeria weg, weil sie dort keine Zukunft für ihr Kind sah. Sie hat hier dann wieder geheiratet und noch 2 Kinder bekommen. Ihr Sohn fiebert seit ein paar Tagen und erbricht nun alles was sie ihm zu essen gibt. Sie war vor dem Wochenende bei einem Arzt der ihr Antibiotika verschrieben hatte. Ich sollte nach ihm schauen.

Sie wohnen in einer Wohnung, der Mann geht arbeiten. Ich traf die Mutter mit ihrem 9 jährigen Sohn an. Fieber hatte er keines mehr, aber eben das Essen bleibt nicht drin. Er trinkt aber gut, das behält er auch bei sich und er klagt über Bauchschmerzen.

Ich hab mir seinen Bauch angeschaut und da er seit ein paar Tagen nicht mehr auf der Toilette war und sonst sein Allgemeinzustand gut war, hab ich die Mutter gebeten, eine Wärmflasche zu machen und hab ihm ein Bauchöl gemischt.

Ich hab sie angeleitet wie man eine Bauchmassage macht und versprach ihr, abends nochmal vorbei zu kommen, da ich Dorothee auch versprochen hatte, mir die große Tochter mal anzuschauen die eine Schule für behinderte Kinder besucht.

Danach ging ich zu Casa Base wo wir das Wochenprogramm besprochen haben. So viele Volunteers, so viele tolle Ideen, der Plan hat sich rasch gefüllt. Und um 14 Uhr standen die ersten schon wieder vor dem Tor und riefen nach Maria, dass sie aufmachen soll 😅 Und los ging´s. Ich war wieder im Lager eingeteilt und versorgte erst einmal die 4 großen Taschen Schuhe und Spielzeug, die Cecile mir morgens ans Auto gestellt hatte. Dann tauschten wir in der Kleiderkammer langsam die Wintersachen gegen Frühjahrskleidung aus. Auch kam eine Frau mit Rezept für Ibuprofensaft für ihr Kind was wir auf Lager hatten.

Im ersten Stock war eine Gruppe am Englisch lernen und draußen in der Sonne startete der Häkelkurs der gut besucht war. Um 16 Uhr setzte ich mich zu den Frauen die beim Kaffee zusammensaßen und packte meine Öle aus. Der Plan war eigentlich, dass ich sie anleite, sich gegenseitig Handmassagen zu machen. Aber clever wie sie sind, wollten sie sich von mir massieren lassen😉 Und so suchten sie sich ihre Düfte aus und ich massierte Hände. Es war so wunderbar zu sehen, wie sie es genoßen! Eine strahlte mich glücklich an und meinte, dass es ihre erste Massage in ihrem Leben sei. Es wurden Fotos gemacht, eine rief ihre Mutter per Videoanruf an und zeigte ihr was gerade passierte. Genüßlich wurden die Augen geschlossen und tief durchgeatmet.

Zwischendurch mussten wir schauen, dass die Kinder nicht ein absolutes Chaos verursachen 🙂

Dieser kleine Kerl liebt es, den Trinkwasserspender zu bedienen und setzt den Eingangsbereich regelmäßig unter Wasser. Aber gut, um 17 Uhr wenn alle wieder gehen, heißt es für uns eh alles zu putzen…

Wie versprochen, bin ich nochmal zu Esther und ihrer Familie gefahren. Sie hat nicht damit gerechnet dass ich wieder komme. Was hat sie wohl alles schon erlebt um so wenig Vertrauen zu haben? Alle Kinder waren da und ich freute mich zu sehen, dass der Große am Tisch saß, Suppe löffelte und mich anlächelte. Es ging ihm schon besser, er hatte wohl den ganzen Tag mit der Wärmflasche auf dem Bauch verbracht.

Die Große war sehr offen, hat mir erzählt wie alt sie ist und dass sie gerne zur Schule geht. Die Kleine ist super schüchtern und war nur neugierig, als ich Fotos von meinen Neffen und Nichte zeigte. Ich ermunterte die Mutter, auch mal zu Casa Base zu kommen. Am Donnerstag wird die Kleine 5, da werde ich auf jedenfall vorbeifahren und ihr ein Geschenk bringen:-)