Familie Reyes – (m)eine mittelständische Familie in Guatemala

Was für ein emotionales Wiedersehen. Kann es immer noch nicht ganz glauben dass ich wieder hier bin. Vor 20 Jahren haben Uli und ich in Quetzaltenango, kurz Xela, Sprachschule gemacht bevor wir in Piña gearbeitet haben. Ich hatte das rießige Glück, bei Blanca und ihrer Familie unterzukommen. Über all die Jahre haben wir den Kontakt gehalten, was mit der Technik immer einfacher wurde! Bin nun das 4. Mal wieder hier.

Blanca ist letztes Jahr 80 geworden, Federico ist 82. Und man merkt ihnen ihr Alter an. Ihre jüngste Tochter Norma wohnt bei Ihnen und versorgt beide. Sie ist Physiotherapeutin. Leider hat Corona auch für sie schlimme Folgen, da sie so gut wie keine Arbeit hat.

Dazu kam noch, dass sie ihr Haus komplett abreißen mussten wegen einem Wasserschaden. Es wurde neu gebaut bzw angefangen damit und dann hat sich der Bauunternehmer mit dem Geld aus dem Staub gemacht. Mit Geld was sie eigentlich nicht haben ist das Haus nun soweit fertig, dass man drin wohnen kann.

Ein Bild hat auch im neuen Haus nach 20 Jahren immer noch einen Platz bekommen😍

Und es ist bei einem Erdbeben letzte Woche sogar stehen geblieben.

Ich wurde sofort einfach ins Familienleben integriert, hab mein eigenes Zimmer bekommen und werde total verwöhnt. Obwohl ich das gar nicht will, aber das lassen sie sich nicht nehmen.

Norma und Blanca

Zum Mittagessen wird groß gekocht, weil da ein Teil der restlichen Familie in der Mittagspause zum Essen kommt. Und schwupps, sitze ich zwischen 4 Generationen am Tisch. Trotz großer (Geld-)Sorgen die sie alle haben, ist die Stimmung liebevoll und fröhlich. Alle haben Arbeit, aber da auch die Unternehmen unter der Pandemie leiden, zahlen sie zum Teil weniger. Und vom Staat gibt es keinerlei Hilfe. Da ist schon die kaputte Waschmaschine ein riesiges Problem, und Blanca wäscht zumindest die Unterwäsche wie früher von Hand.

Ich genieße die Sonne auf der Dachterasse mit Blick auf den Vulkan…

und komme mir beim Yoga doch wieder etwas fehl am Platz vor, angesichts der unterschiedlichen Leben die wir führen. Ich kann es mir „rausnehmen“ 6 Wochen die Welt zu bereisen und hier hat eine mittelständische Familie nicht die Möglichkeit das Dach fertig zu stellen.

Aber sie kämpfen weiter, wie Blanca so schön sagt, vertrauen auf Gott und nehmen ihr Schicksal an. Und es ist so schön zu sehen, wie liebevoll sie miteinander umgehen.

Blanca und Federico vor 60 Jahren ❤

Und trotz ihrer Situation unterstützen sie Menschen, die quasi nichts haben. Eine indigene Frau hilft ihnen im Haushalt. Sie lebt mit ihrer Tochter auf dem Land in ärmsten Verhältnissen. Dort wäscht sie Wäsche (von Hand) um sich und ihre Tochter zu versorgen. Und von Blanca und ihrer Familie bekommt sie auch etwas Geld und 2 Mahlzeiten für sich und ihre Tochter Stefani.

Stefani ist 12 Jahre alt. Macht hier ihr Homeschooling und hilft auch im Haushalt mit. Als ich heute vom Yoga auf der Dachterasse kam, hat sie die Nudeln für’s Mittagessen gekocht, danach Geschirr von 9 Personen abgespült…

Ich muss zugeben, dass ich damit doch zu kämpfen habe. Als ich mit Blanca und Federico darüber spreche, beruhigen sie mich. „Du sollst die Zeit hier genießen…, wenn du wieder heim kommst musst du ja auch wieder hart arbeiten…, du hast schon so viel für unsere Familie getan…“ Ich versuche ihnen zu erklären, wie viel einfacher mein Leben doch ist. Obwohl sie durch ihre langjährige Arbeit mit Sprachschülern bestimmt eine Idee haben, wie anders das Leben sein kann, sind es doch Welten. Und als ich ihnen dann noch von „Saugi“, meinem Staubsauger-Roboter erzähle, staunen sie doch sehr.

»Zufriedenheit ist der Stein der Weisen, der alles, was er berührt, in Gold verwandelt; der Arme ist reich mit ihm, der Reiche arm ohne ihn.« Benjamin Franklin

2 Kommentare zu „Familie Reyes – (m)eine mittelständische Familie in Guatemala“

  1. Hallo Natascha, freue mich jeden Tag ebenso über Deine Erlebnisse 🤗🙋Du hast recht, dazwischen sind Welten und sehr kostbare Erfahrungen 🌠 Lebensfreude lässt sich nicht erkaufen 🌼

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