Das hat mich meine Mama gefragt.

Es sind ganz viele Gefühle in mir. Einerseits genieße ich die Zeit hier in vollen Zügen. Werde ich doch behandelt wie die verschollene Tochter. Wir lachen zusammen und weinen zusammen.
Ich bin so dankbar für das Leben das ich habe und die Möglichkeiten. Der liebe Gott oder wer auch immer hat andere Pläne mit mir, als Hausfrau und Mutter zu sein.
Ich bin aber auch tief erschrocken. Bin wütend – wütend auf die Korruption in diesem Land, wütend auf den Egoismus in der ganzen Welt. Und ich bin auch traurig…
Aber wie auch schon in der Türkei oder Griechenland bringen diese Gefühle niemandem etwas. Ich nutze diese Energie um was zu tun – ganz praktisch. Das hilft den Menschen – und mir. Mag es auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein… Aber es gibt ja auch den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich bin einfach sehr viel lieber optimistisch. 🤷♀️
Und es ist unfassbar was ich für liebe Rückmeldungen bekomme und was ich für tolle Menschen kenne. Die auch hier helfen, obwohl ja gerade in Europa so viel Hilfe gebraucht wird. Hat doch mein süßes Patenkind mit ihren jungen 18 Jahren sich bei mir bedankt und geschrieben: „Wow…🙊 man sollte bei all dem was grade in Europa passiert, die Menschen „am anderen Ende der Welt “ nicht vergessen.“ ❤
Und ich erwarte tatsächlich gar nichts!!! Freu mich aber natürlich total über jedes liebe Wort und jeden Euro 🙏
Und dann höre ich von der großen Bereitschaft, ukrainische Mütter mit ihren Kindern aufzunehmen❤ Aber wenn junge, schwarzhäutige Ukrainer kommen, dass es dann schon wieder schwierig wird….
Da ist mir Milton wieder eingefallen, mit dem ich so ein spannendes Gespräch hatte.

Milton hat mir erzählt wie es ihm damals erging, als er in die USA auswandern wollte. Und eine Geschichte ist mir besonders hängen geblieben. Er war auf der Straße unterwegs um seine neue Umgebung kennen zu lernen und hat eine Amerikanerin auf englisch nach dem Weg gefragt. Zur Antwort bekam er: „Sorry, ich spreche kein spanisch“
Er hat neben vielen fremdenfeindlichen Erfahrungen genauso viele gute Erfahrungen gemacht und trägt keinen Groll in sich. Und als ich ihm erzählte, dass ich vor den Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador, Haiti gewarnt worden bin, hat er nur den Kopf geschüttelt. Er hat es so wunderbar ausgedrückt: Diese Menschen kommen nicht in unser Land um zu rauben, vergewaltigten oder sonst was böses zu tun. Sie fliehen vor Korruption, Hunger, Armut, Arbeits- und Aussichtslosigkeit. Sie wollen dorthin, wo sie mit ehrlicher Arbeit ihre Familie versorgen können….
Und wieder bin ich dankbar, wie einfach ich es als weiße Europäerin doch habe. Kann aber auch nur mit dem Kopf schütteln.
Viele nennen mich mutig, schon vor meiner Reise und auch jetzt immer wieder. Ich will mich nicht als mutig bezeichnen – mir gefällt weltoffen so viel besser.
Und ziemlich sicher schüttelt meine Mama jetzt den Kopf und fragt sich, woher ich das wohl habe 😉
Und trotz all dieser vielen Gefühle und Gedanken haben wir heute einfach mal meinen Geburtstag vorgefeiert 😁 Wir konnten noch nie meinen Geburtstag zusammen feiern. Und so wurde von Familie Reyes beschlossen, das heute zu tun!



























































































































