Wie geht man damit um?

Das hat mich meine Mama gefragt.

„Es tut mir in der Seele weh wenn ich dich vor mir stehen seh. Aber ich, ich lächle nur in dein Gesicht – den Schmerz darunter siehst du nicht…“ Unbekannt

Es sind ganz viele Gefühle in mir. Einerseits genieße ich die Zeit hier in vollen Zügen. Werde ich doch behandelt wie die verschollene Tochter. Wir lachen zusammen und weinen zusammen.

Ich bin so dankbar für das Leben das ich habe und die Möglichkeiten. Der liebe Gott oder wer auch immer hat andere Pläne mit mir, als Hausfrau und Mutter zu sein.

Ich bin aber auch tief erschrocken. Bin wütend – wütend auf die Korruption in diesem Land, wütend auf den Egoismus in der ganzen Welt. Und ich bin auch traurig…

Aber wie auch schon in der Türkei oder Griechenland bringen diese Gefühle niemandem etwas. Ich nutze diese Energie um was zu tun – ganz praktisch. Das hilft den Menschen – und mir. Mag es auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein… Aber es gibt ja auch den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich bin einfach sehr viel lieber optimistisch. 🤷‍♀️

Und es ist unfassbar was ich für liebe Rückmeldungen bekomme und was ich für tolle Menschen kenne. Die auch hier helfen, obwohl ja gerade in Europa so viel Hilfe gebraucht wird. Hat doch mein süßes Patenkind mit ihren jungen 18 Jahren sich bei mir bedankt und geschrieben:  „Wow…🙊 man sollte bei all dem was grade in Europa passiert, die Menschen „am anderen Ende der Welt “ nicht vergessen.“ ❤

Und ich erwarte tatsächlich gar nichts!!! Freu mich aber natürlich total über jedes liebe Wort und jeden Euro 🙏

Und dann höre ich von der großen Bereitschaft, ukrainische Mütter mit ihren Kindern aufzunehmen❤ Aber wenn junge, schwarzhäutige Ukrainer kommen, dass es dann schon wieder schwierig wird….

Da ist mir Milton wieder eingefallen, mit dem ich so ein spannendes Gespräch hatte.

Milton war damals auch Spanischlehrer, macht er aktuell auch wieder, weil er durch die Pandemie seinen Job als Bauingenier verloren hat.

Milton hat mir erzählt wie es ihm damals erging, als er in die USA auswandern wollte. Und eine Geschichte ist mir besonders hängen geblieben. Er war auf der Straße unterwegs um seine neue Umgebung kennen zu lernen und hat eine Amerikanerin auf englisch nach dem Weg gefragt. Zur Antwort bekam er: „Sorry, ich spreche kein spanisch“

Er hat neben vielen fremdenfeindlichen Erfahrungen genauso viele gute Erfahrungen gemacht und trägt keinen Groll in sich. Und als ich ihm erzählte, dass ich vor den Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador, Haiti gewarnt worden bin, hat er nur den Kopf geschüttelt. Er hat es so wunderbar ausgedrückt: Diese Menschen kommen nicht in unser Land um zu rauben, vergewaltigten oder sonst was böses zu tun. Sie fliehen vor Korruption, Hunger, Armut, Arbeits- und Aussichtslosigkeit. Sie wollen dorthin, wo sie mit ehrlicher Arbeit ihre Familie versorgen können….

Und wieder bin ich dankbar, wie einfach ich es als weiße Europäerin doch habe. Kann aber auch nur mit dem Kopf schütteln.

Viele nennen mich mutig, schon vor meiner Reise und auch jetzt immer wieder. Ich will mich nicht als mutig bezeichnen – mir gefällt weltoffen so viel besser.

Und ziemlich sicher schüttelt meine Mama jetzt den Kopf und fragt sich, woher ich das wohl habe 😉

Und trotz all dieser vielen Gefühle und Gedanken haben wir heute einfach mal meinen Geburtstag vorgefeiert 😁 Wir konnten noch nie meinen Geburtstag zusammen feiern. Und so wurde von Familie Reyes beschlossen, das heute zu tun!

Ohne Strom und fließend Wasser

Heute haben mich Franzisca und Estefany abgeholt um mir ihr Zuhause zu zeigen.

Sie hilft bei Blanca für ein bisschen Lohn, Frühstück und Mittagessen für beide. Außerdem kann Estefany das Internet nutzen um weiter an der Schule teilnehmen zu können.
Sie wohnen abgeschieden von der restlichen Zivilisation im Haus ihrer Großeltern neben einem Kieswerk. Zur Schule war, und auch zu Blanca ist es insgesamt eine gute Stunde zu Fuß und dann mit Bus.

Franzisca ist 45 Jahre alt. Wäscht nebenher Wäsche und sammelt Dosen auf. Für 30 Dosen bekommt sie 4 Quetzal. Eine Fahrt nach Xela kostet für beide 5 Quetzal (ca. 60 Cent)

Die Küche
Hier wird Wasser gelagert. Das bekommt sie vom Kieswerk geliefert. Das trinken die beiden auch, allerdings abgekocht. Mir wollte sie davon nichts anbieten.
Und hier wohnen sie. Es gibt keinen Strom.

Sonnenuntergang ist um 18.15 Uhr, das heißt dass beide sehr früh ins Bett gehen, weil sie einfach nichts mehr tun können. Licht haben sie nur vom Handy, das Handy können sie nur bei Blanca laden oder bei einer Schwester von ihr. Da macht aber der Schwager Probleme…

Eine Toilette haben sie nicht.

Franzisca hat mir noch die Umgebung gezeigt. Zum einen wohnen sie nahe am Berg und sie hat Angst wegen der Felsbrocken die bei einem Erdbeben oder den Dynamitsprengungen im Kieswerk auf’s Haus fallen könnten.
Zum anderen kommt bald der Sommer, was Regen bedeutet. Und da das Kieswerk die Drainage zugeschüttet hat, unterspült es ihr bei starkem Regen ihr komplettes Grundstück. An der Tür sieht man den Wasserpegel.

Und dass hier die Naturgewalten allgegenwärtig sind hat sich mir auf dem Nachhauseweg gezeigt.

Und dann ist noch alles voller Staub der vom Kieswerk kommt. Dieser Staub ist einfach überall.

Auch Estafany wird eine Schulpatenschaft erhalten. Leider waren beide schwer krank als sie Estefany in die weiterführende Schule anmelden mussten. Und da auch die Handys leer waren, konnten sie wohl niemandem Bescheid geben. Deshalb darf sie dieses Schuljahr nicht machen. Wenn es klappt, werde ich mit den beiden nochmal zur Schulbehörde gehen, sonst kümmert sich Miriam drum.

Estefany ist 12 Jahre alt, ein Teenie, will Tierärtzin werden und ihr Idol, eine mexikanische YouTubeerin, kennenlernen.

Auf ihre Hand hat sie „Dreams“ gekritzelt, die Mutter hält die Dosen in ihrer Hand, die sie bei einem Fussballspiel, an dem wir vorbei gekommen sind, erbettelt hat…
Ich bin danach mit den Öffentlichen weiter…
…um eine Solarlampe zu kaufen. (ein herzliches Dankeschön an alle Spender🙏) Ich freu mich total an diesem Ding. Es kann als Taschenlampe genutzt werden, sie können ihre Handys aufladen und mit dabei sind 3 Birnen mit je 2m Kabel. Damit wird ihr Leben sicher etwas einfacher. Und das für knappe 30 Euro.
Außerdem hab ich noch für knappe 30 Euro – nochmal ein DANKE an alle Spender 😘 – Schulmaterialien für Jazmin gekauft.

Und heute Abend habe ich mich mit Edy getroffen, meinem Spanischlehrer von vor 20 Jahren.

Er war auch mal so ein Kind. Seine Mutter hat ihn früh verlassen, seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Er ist lieblos bei seiner Patentante aufgewachsen. Und das Geld, dass er damals als Spanischlehrer verdient hat, musste reichen, um als junger Mann über die Runden zu kommen. Er hat sein Studium durchgezogen und arbeitet bei einer Brauerei, inzwischen als hohes Tier. Ihm geht es für guatemaltekische Verhältnisse sehr gut.

Wenigstens ein Dach über dem Kopf

Die Idee, Patenschaften zu arrangieren, nimmt weiter ihren Lauf. Heute morgen hat mich Miriam abgeholt und zusammen mit Federico sind wir zu Familien gefahren, die Hilfe brauchen.

Jazmin ist 10 Jahre alt und geht in die 4. Klasse.
Mit ihrer Mama und Oma wohnt sie in einem eigenen Haus.
Sie haben noch ein Zimmer, was sie an einen Mann vermieten. Das Haus ist allerdings baufällig. Es hat überall Risse, die sich beim letzten Erdbeben vor 4 Wochen vergrößert haben.

Die Oma lag vor 2 Jahren im Koma wegen ihres Diabetes. Seit dem kann sie nicht mehr arbeiten, hat starke Schmerzen und kann kaum mehr laufen.

Die Mutter verkauft diese Sachen auf dem Markt und Abends Essen auf der Straße. Was sie an Essen nicht verkauft, verschenkt sie. „Bevor es hier kaputt geht helf ich lieber anderen damit“ ❤

Da in Guatemala seit Beginn der Pandemie die Schulen geschlossen sind, findet der Unterricht ausschließlich online statt. Aber es gibt kein Internet in diesem Haus und sie bekommen auch keins.

Mit 30 Euro im Monat könnten wir ihr eine SIM-Karte mit genügend GB kaufen, dass sie weiter lernen kann. Und es bleibt noch genug übrig, um Hefte, Bücher, Stifte…zu kaufen.

Flor (Blume) zieht im Hinterhof Pflanzen zum Verkauf. Ich hab eine bekommen und durfte ihr nichts dafür geben.
Pablo ist 13 Jahre alt und geht in die 7. Klasse
Er lebt mit seiner Mama und 2 Halbgeschwister in einem Haus zur Miete. Dafür zahlen sie ca. 150 Euro Miete im Monat.

Pablo’s Vater wurde erschossen. Der Vater seiner Geschwister ist schwerer Alkoholiker. Unterstützt sie aber wohl mit der Hälfte der Miete. Pablo hat ein eigenes „Zimmer“, wünscht sich einen Computer. Seine Augen sind gut mit der neuen Brille, die durch Spenden bezahlt wurde.

Da die Mutter niemanden hat der auf die Kinder aufpasst, verkauft sie Schuhe auf der Straße. Die Kinder sind nimmt sie mit.

Sie hat erzählt, dass der 3 jährige letztens nicht mehr auf die Straße wollte, da alle seine Schuhe kaputt waren und er sich geschämt hat.

Ich habe Miriam gefragt, wie es hier mit dem Thema Verhütung aussieht. Mich traf der Schlag. Die Frauen brauchten noch bis vor kurzem das schriftliche Einverständnis des Mannes um verhüten zu können! Und im ländlichen Bereich und in der ungebildeten, armen Bevölkerung ist der Machismus weit verbreitet. Das Gesetz wurde geändert. Aber trotzdem ist es sooo wichtig die Bildung zu fördern, um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können.

Marina mit ihren Töchtern Cristina 9 Jahre, Lupe 7 Jahre und Britney 13 Jahre.

Der Vater hat die Familie verlassen bevor Lupe geboren wurde. Marina putzt in einer Schule und dafür dürfen sie dort wohnen und sie verdient ca. 35 Euro im Monat – vor der Pandemie.

Viel mehr ist da nicht. Ein Bad haben sie nicht. Das Fenster ist kaputt und mit dicken Decken davor versuchen sie die Kälte abzuhalten.

Britney hatte vor 2 Tagen Geburtstag. Da seit der Pandemie ja keine Schule mehr ist, verdient die Mutter nichts mehr. Sie wäscht Wäsche für andere. Das bedeutete für Britney, dass es keinen Kuchen und auch kein Geschenk gab.

Miriam hat momentan Nudeln, Öl und sonstige Lebensmittel zu verschenken. Dafür müssten sie aber mit dem Bus für 50 Cent ins Zentrum fahren. Auch dafür ist kaum Geld da.

Dank der Spenden die mir viele von euch zukommen haben lassen, können sie nun Essen abholen und für Britney zum Geburtstag ein Eis kaufen❤.

Miriam musste wieder zum Arbeiten. Das sind die Familien die ihr am dringlichsten sind. Es gibt noch viele mehr und ich will nicht in ihrer Haut stecken müssen, zu entscheiden, wer zuerst Hilfe erhält.

Wer also eines dieser Kinder monatlich unterstützen möchte, meldet euch bei mir. Ich habe beschlossen, für alle Kinder, die eine Patenschaft erhalten, das Geld für ein Jahr hier vor Ort in Miriam’s Obhut zu geben. Damit verlieren wir am wenigsten an irgendwelchen Gebühren. Für euch bleibt es aber bei 30 Euro monatlich.

Wir werden Kontakt zu den Kindern herstellen und Miriam wird die Zeugnisse einfordern damit wir eine Kontrolle haben. So der grobe Plan!

Als ich zurück kam, hat mir Norma noch eine Dame vorgestellt, die sie behandelt. Eigentlich ist sie ja Physiotherapeutin. Aber bei dieser Frau macht sie Wundspülungen an der Brust, ohne Betäubung, weil sie das nicht kann. Die Frau hat Lupus und dicke Geschwüre in der Brust. Bei der Biopsie im Krankenhaus ist eines davon aufgegangen. Da es keine staatliche Krankenversicherung gibt, kann sie sich die Behandlung im Krankenhaus nicht leisten. Norma konnte mir nicht sagen, wie viel so eine Krankenversicherung kosten würde. Scheint weit entfernt von dem zu sein, was sich ein einfacher Guatemalteke leisten kann.

Nach dem Mittagessen sind wir zu Miriam gefahren. Sie wohnt ausserhalb der Stadt in einem neuen Häuschen.

Allerdings gibt es seit Wochen keinen Strom.
Vater und Tochter im Garten

Lago de Atitlan – Panajachel

Heute habe ich das bunte San Juan verlassen.

Und auf dem 15 minütigen Weg gab es so viel zu sehen.

In eine Schule rein gespickelt.
Alltag, für den einen hart, für den anderen noch härter.
Und auch am Hafen sieht man die Unterschiede. Die einen beim traditionellen Angeln, die anderen mit den schnellen Taxibooten unterwegs.

Die Überfahrt war teils echt schmerzhaft wenn man mit hoher Geschwindigkeit über Wellen drüber fährt und nur auf Holzbänken sitzt. Am Ufer sieht man von Bauern, über Meditationstempel bis Luxusunterkünfte alles.

Panajachel ist das größte Dorf am See.

Nach einer kleinen Shoppingtour bin ich dann aber in die Natur geflüchtet.

Leider will ich in diesem See nicht baden. Sie lassen die Abwasser ungefiltert in den See laufen. Seit Jahren droht er zu kippen.
Ich lass mich vom Renn-TukTuk ins Reserva Atitlan fahren.
Es gibt ein Schmetterling-Haus. Was für ein wunderbares Erlebnis. Obwohl die Schmetterlinge ganz geschäft umher fliegen, ist es so schön still dort.

Still ist es in Guatemala, auch in Mexico selten. Zum Essen wird der Fernseher angeschalten, die Hupe wird sehr viel öfter eingesetzt als bei uns auf der Straße, die Auspuffe sind oft kaputt, überall läuft Musik und wenn die Menschen dann mal still sind, bellen die Hunde oder krähen die Hähne.

Dann geht’s über guatemaltekische Hängebrücken 😅…
…zum einzigen Wasserfall der Reise.

Das war eigentlich anders geplant. Aber wie so oft beim Reisen kommt halt doch alles anders. Der israelische Aktivist, den ich heute getroffen habe, hat das Rucksackreisen treffend beschrieben. Man kann so schön spontan sein und das machen was sich gut anfühlt. Und bei allem was ich erlebt habe, ist es nicht schlimm, nur diesen gesehen zu haben.

Ausblick auf Vulkan und üble Hochhäuser…
…und wieder rein in den Wald…
…der doch so anders ist als bei uns.
Und zum Abschluss gibt es noch ein paar Nasenbären.

Dann ging es wieder zurück nach Xela. Mit einem wahnsinns Sonnenuntergang hinter dem Vulkan. Kein Bild wird dem gerecht wie schön es wirklich war. Und aus dem Auto heraus schon gar nicht. Gestern hab ich es auch versucht.

Ein Hoch auf die Filter 😉

Lago de Atitlan

Auf ca. 1500 m wird er umrahmt von 3 Vulkanen die zwischen 3020 m und 3537m hoch und alle erloschen sind.

Um dort hin zu kommen kann man für den 5fachen Preis entweder ein Touristen Shuttle nehmen oder man fährt mit dem Chicken-Bus.

Der seinen Namen genau deshalb hat, weil unter anderem eben Hühner damit transportiert werden. Ob das die Küken alle so überleben…

Am Terminal ging’s los, dort fahren Busse in alle Richtungen. Es ist einfach nur unglaublich laut, hektisch und stinkt nach Abgase. Aber das gehört einfach zu Guatemala, wie seine Vulkane.

Ich war gut eine Stunde länger unterwegs als das Touri-Shuttle. Der Chicken-Bus hält überall wo jemand ein- oder aussteigen will. Der Beifahrer steigt während der Fahrt durch die Hintertür auf den Bus um beim nächsten Halt im Dorf das Gepäck abzuladen.

Es wird einfach alles transportiert.

Es wurde vom Dach aus auch gleich im ersten Stock über die Terasse abgeladen.

Die Straße zum Lago Atitlan runter ist ziemlich steil und trotz intensiver Motorbremse raucht es im Bus durch den Boden durch. Wir brauchen für die letzten 22 km 45 Minuten. Auch die Dörfer durch die wir kommen sind eng, ich kann von meinem Fensterplatz aus in sämtliche Wohnzimmer schauen.

Mein Ziel ist San Juan la Laguna und nach so langer Zeit in Xela such ich mir ein Hotel im Grünen aus!

Neben Kaffeepflanzen gibt es einen Kräutergarten und viele duftende Blumen
Und eine Sauna!
Im dazugehörigen Restaurant gibt es die klassische guatemaltekische Kost nur vegetarisch u/o vegan! Tamales aus Reis mit Gemüse gefüllt. Das ganze in Bananenblättern gekocht und gelagert. Die Blätter haben wohl eine antibakteriell wirkende Substanz.

Heute habe ich dann zusammen mit dem Pärchen von der Vulkanwanderung eine „Kultur-Tour“ gemacht. Man kann vielleicht auch Kaffeefahrt dazu sagen…trotzdem hatten wir tolle Einblicke in die Mayakultur.

Um den See herum liegen viele Dörfer und es werden 3 verschiedene Mayasprachen gesprochen.
Jedes Dorf hat seine eigene Tracht. Hier die Muster der Frauen Oberteile.
Die Männer erkennt man an ihren Hosen. Unser Guide ist selbst auch Maya.

Die Mayas haben seit ihrer ersten Begegnung mit Ausländern nur Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg erlebt. Deshalb ist es bis heute so, dass sie Ausländern gegenüber misstrauisch sind. Und sie lassen sich nicht gern fotografieren.

Aber San Juan ist ein sehr künstlerisches Dorf und die Mauern sind überall wunderschön bunt bemalt und zeigt die Menschen und ihre Kultur. Hier der Quetzal, der Nationalvogel Guatemalas.
Die Mayas sind zum großen Teil katholisch, feiern aber auch ihre ureigenen Zeremonien in der Kirche.
Mais ist das Lebensmittel der Mayas.  Es gibt 4 verschiedene Farben – die Farben der Mayas
Die Bergsilhoutte „Die Nase und Antlitz des Indios“
Wir lernen Maya-Bienen kennen, die viel kleiner sind als europäische und bis auf eine Art nicht stechen. Von der einen Art die doch sticht, hat mich eine erwischt. Auch der Honig schmeckt ganz anders und ist super teuer weil sie viel weniger produzieren als unsere Bienen.
Seit vielen Jahrzehnten wird in den Hügeln um den Atitlansee Kaffee angebaut. Sobald die Regenzeit einsetzt fangen die Büsche an zu blühen und dann ist alles weiß.
Ich hoffe dass die Felder in den Bergen nicht auch so aussehen. Neben Plastik wird dieser Kaffee auf jeden Fall auch mit Hundekot gedüngt.

Die Kinder bekommen 2 Monate schulfrei um bei der Kaffeeernte zu helfen. Die ganze Familie arbeitet dann mit. Spannenderweise trinken die Guatemalteken wie auch die Indios eigentlich nur löslichen Kaffee. Das liegt daran, dass sie den Kaffee immer nur bis zur Trocknung verarbeitet haben und er dann exportiert wurde.

Beim Kakao ist es so, dass er eigentlich nur für Getränke benutzt wird in der hiesigen Kultur. Schokolade wie wir sie kennen gibt es nur importiert. Beides hat sich durch den Tourismus verändert. Aber eine Tafel Schokolade die hier produziert wird, kostet ca. 5 Euro, also wird auch nur von Touristen gekauft.

Uns wird der ganze Vorgang vom Pflücken der Baumwolle über’s Spinnen, Einfärben mit Naturfarben bis zum Weben gezeigt. Jede Familie hat neben den Kaffeepflanzen auch Baumwolle auf dem Feld. Es wird beim ganzen Prozess auch immer der Mond beachtet. Z.B. werden die Pflanzen zum Färben bei Vollmond geerntet, da die Farben dann kräftiger sind.

Wir besuchen noch einen Heilpflanzengarten. Ich bin doch etwas verwundert, dass sie die gleichen Heilkräuter haben wie wir. Es ist nichts ausgefallenes mit dabei.

Es gibt verschiedene Heiler die mit den Pflanzen arbeiten. Diese Abbildung zeigt den Knochenheiler. Betäubt wird mit Rum, den auch der Heiler selber gerne trinkt. Alle Heiler haben diese Begabung mit in die Wiege gelegt bekommen und müssen sie auch ausführen. Früher wurden sie mit Lebensmitteln bezahlt, heute mit Geld.

Auch bei einem Künstler waren wir noch und überall hätten wir natürlich einkaufen können…

Den Abend habe ich auf einem Aussichtspunkt ausklingen lassen.

Nur noch kurz die Welt retten

Wenn man so nah am Leben dieser Menschen dran ist, und einem so viel Herzlichkeit entgegen gebracht wird,  dann kann man als reicher Europäer vielleicht etwas mehr zurück geben als nur Dankbarkeit. Und so hab ich tausend und eine Idee im Kopf und mit Familie Reyes genau die Menschen an der Hand, die ich zum umsetzen brauche.

Miriam, die ältere Tochter von Blanca, hat mir, als ich mit ihr und Norma über meine Ideen gesprochen habe, kaum eine Stunde später zum Mittagessen die ersten drei Akten von Menschen gebracht, die am meisten Hilfe brauchen.

Und sie hat noch viele mehr!!!

Eine Idee ist, Patenschaften zu vermitteln. Marius und ich hatten über viele Jahre eine Schulpatenschaft in Ecuador. Und das ist immer noch das Konzept, das mir am besten gefällt. Weil sie Hilfe zur Selbsthilfe schafft! Natürlich brauchen die Menschen auch akut Hilfe, aber auf lange Sicht wird sich in diesen Ländern nur etwas verändern, wenn die Kinder von heute später einen Beruf erlernen können um sich selbst zu versorgen. Wenn sie Bildung erhalten um Entscheidungen treffen zu können. Die Analphabetenrate in Guatemala liegt bei ca. 21%. Das Projekt in dem wir damals die Patenschaften hatten wurde beendet, weil sich dieses Dorf nun selber versorgen kann! Neben vielen anderen Umsetzungen, wie ein Altenzentrum, Anbau von Gemüse… ist die erste Schülerin, die eine Patenschaft erhalten hatte, inzwischen studierte Sozialarbeiterin und unterstützt nun die Familien.

Estefany wäre eins der Kinder die Unterstützung erhalten würde.

Sie wohnt mit ihrer Mutter in einem Verschlag. Leider wurde vor dem Tod der Oma nicht geregelt welche Schwester das Grundstück erbt. Nun hätten sie Spenden um ein „Haus“ zu bauen aber nicht die Genehmigung dafür…

Die andere Idee wäre, eine „Gesundheits-Patenschaft“. Ich denke dabei z.B. an Doña Maria, die Dame mit Diabetes, die sich ihre Medikamente gegen ihre Nervenschmerzen nicht leisten kann und täglich 9 Stunden an einer Straßenkreuzung Süßigkeiten verkauft um zu überleben. Oder Gulisa…

Gulisa ist 12 Jahre alt und hat seit ihrem 4. Lebensjahr Rheumatoide Arthritis und wurde nie ausreichend behandelt, weil auch ihre alleinerziehende Mutter zu wenig Geld und Zeit hat.

Norma behandelt sie physiotherapeutisch. Was im Monat ca. 35 Euro kostet. Sie geht zur Schule, kann Dank der Physiotherapie nun auch schon besser schreiben. Allerdings kann ihre Mutter sich die Kosten dafür nicht regelmäßig leisten.

Oder Gilda, die alleinerziehende Mama mit den Krampfanfälle….

Und da niemand die Welt alleine retten kann frage ich nun, ob es denn jemanden gibt, der an einer Patenschaft interessiert wäre? Ganz unverbindlich erst mal!!! Denn noch habe ich Zeit um die Familien zu besuchen, alle Informationen sammeln die wichtig sind und mit Miriam und Norma ein Konzept zu überlegen. Das größte Problem wird wohl sein, wie wir das Geld nach Guatemala bekommen. Wenn da jemand eine Idee hat oder jemanden kennt…🙏

Auch das ist alles noch unverbindlich: ich denke die monatliche Unterstützung wird so um die 30 Euro liegen. Für die Verwaltung der Zahlungen würde ich pro Patenschaft 3 Euro Miriam zukommen lassen. Sie wird die Familien monatlich in die Apotheke einbestellen um ihnen das Geld zu geben und schauen, was das Kind am meisten braucht. Auch soll es Kontakt zwischen Patenkind und Pate geben. Spendenbescheinigungen wird es keine geben.

Miriam führt jetzt schon über alles Buch, wer wie viel von was bekommt. Sie heftet die Zeugnisse der Schüler ab und kennt jedes einzelne Schicksal.

Also, wer Ideen, Einwände, Fragen oder Interesse hätte, bitte einfach erst einmal GANZ unverbindlich bei mir melden. Ich weiß natürlich was gerade in Europa los ist und das Spenden gerade überall gebraucht werden. Ich versuche hier nur eine Möglichkeit zu schaffen, für diejenigen, die langfristig jemanden unterstützen möchten mit der Sicherheit, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Wer eine sichere Spende für die Flüchtlinge aus der Ukraine machen möchte, Bita und Khalil helfen an den Grenzen. Mit ihnen habe ich in der Türkei schon Flüchtlinge versorgt und vertraue ihnen 100%. Spendenkonto:
Avicenna Kultur- und Hilfswerk e.V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank – apoBank
IBAN: DE 55 3006 0601 0005 0195 00
BIC: DAAEDEDDXXX http://www.avicenna-hilfswerk.de/hilfe-fuer-die-ukraine/

Gestern habe ich meinen üblen Muskelkater auskuriert und hab nur einen Spaziergang ins Zentrum und über den Markt gemacht. Hier noch ein paar Eindrücke.

Dieses alte Pärchen ging mir höchstens bis knapp über den Bauchnabel. 😍
Ich bin einfach zu groß, pass nicht einmal auf die Fotos 😉 Miriam hat mir vom Wochenende Bilder geschickt wo überall mein Kopf abgeschnitten ist 😂

Das Land mit den vielen Vulkanen

39 an der Zahl, davon 3 aktiv. Den 4. höchstens habe ich heute bestiegen

Um 4.20 Uhr hat mein Wecker geklingelt, um 5.30 Uhr ging’s los auf den Santa Maria. Wir starteten auf 2400m.

Es war richtig viel los. Die indigene Bevölkerung geht auf Vulkane, um dort ihre Maya-Zeremonien zu feiern. Wir bepackt mit Wanderequipment wie man das als Europäer halt so macht. Die Indegenas in ihren Trachten und mit Blumen.

Man beachte die Schuhe. Das waren noch welche mit Riemen, viele hatten nur Schlappen an.

Wir kamen dann zuerst in die Wolken…

…und dann waren wir über den Wolken!

Hier der Blick auf einen Vulkan mit Krater
Unser Guide mit dem Hund vom Parkplatz, der uns treu die komplette Strecke gefolgt ist. Unser Guide hat schon gute 500 mal diesen und einen anderen Vulkan bestiegen. Für ihn fühlt es sich nicht an wie Arbeit. Er ist viel lieber hier in den Bergen als in der Stadt, wo alle wütende Gesichter haben, es laut ist und stinkt.

Und tatsächlich sind hier alle fröhlich, trotz Anstrengung. Alle grüßen sich und motivieren sich gegenseitig.

Der Blick auf die Vulkane am Lago de Atitlan bis nach Antigua. Dort pustet der Pacaya eine Wolke in die Luft!
Die Baumgrenze ist kurz vor der Spitze erreicht.
Und nach 3,5 h haben wir es auf 3772m geschafft! Ich bin super stolz auf mich! So hoch oben war ich aus eigener Kraft noch nie!
Manche haben erst mal geschlafen.
Andere schon ihre Zeremonien gefeiert. Mit Eiern wird über den Kopf gestrichen um sie dann ins Feuer zu legen. Es wird gesungen und gejammert. Leider weiß unser Guide da nichts drüber.
Was jedoch sehr traurig ist, dass gerade diese indigenen Menschen, die eigentlich so nah an der Natur sind, ihren Müll einfach liegen lassen. Ob es nun an ihrem harten Alltag liegt, an der oft schlechten Schulbildung oder dass sich die Regierung nicht um mehr Aufklärung kümmert, auch das konnte mir unser Guide nicht sagen.

Und dann ist es mal wieder die Natur, die es schafft, dass die Gänsehaut gar nicht mehr verschwinden will.

Der aktive Santiaguito

Er stößt ständig Rauch aus, es riecht nach Schwefel und ist einfach…magisch! Eine Stunde verbringen wir dort oben ohne dass wir das Glück haben dass er doch noch etwas spuckt.

Santa Maria selber hat keinen Krater wie man sich das so vorstellt. Von ihm aus kann man aber 19 Vulkane sehen. Und bei gutem Wetter auch den Pazifik.

Man sieht sogar noch einen Vulkan in Mexico

Und mit schweren Beinen geht es wieder nach unten. Tatsächlich nicht ganz ungefährlich, da der beim Aufstieg noch teils gefrorene Boden nun schlammig ist und der restliche Weg sehr staubig. Beides hat jeden von uns mal zum rutschen gebracht. Eine aus unserer Gruppe ist tatsächlich so abgerutscht dass es richtig gefährlich geworden wäre, wäre da kein Gebüsch gewesen, was ihren Sturz aufgehalten hat.

Man sieht den Menschen, die uns begegnen, sofort an, ob sie in den Bergen wohnen. Sie sind so wahnsinnig schnell unterwegs. Selbst die Kinder scheinen das unproblematisch zu schaffen. Sie leben ihren Alltag dort und tragen dann eben auch schwere Lasten die Hänge hoch oder runter. Ohne Gepäck rennen sie quasi an uns vorbei.

Beim Hoch hab ich mich gefragt, warum die Bäume oft so „verletzt“ sind. Die Menschen nehmen ihr Brennholz für die Zeremonien soweit oben wie möglich mit. Die Feuer duften herrlich mit dem Holz der Kiefern.

Was für ein schönes Erlebnis! Um 13 Uhr waren wir alle wieder heil unten.

Werde nun noch mit den 3 deutschsprachigen Menschen, die auf der Tour dabei waren, ein Bier trinken und dann vermutlich sehr gut schlafen.

Comunidad San Francisco de Asis

Miriam ist die ältere Tochter von Blanca. Sie arbeitet bei einer katholischen Organisation in einer Apotheke die an eine „Klinik“ angebunden ist.

Sie bieten alle 3 Monate kostenlose Untersuchungen und Behandlungen für die arme Bevölkerung an. Sonst sind Sprechstunden, die sehr viel weniger kosten, wie sonst in einer Klinik. Und als Miriam gehört hat, dass ich Krankenschwester bin, hat sie mich gefragt, ob ich mithelfen möchte. Natürlich!!!

Miriam ist eine Powerfrau, das Herz und die Seele dieser Organisation. Sie rennt den ganzen Tag und hat doch für jeden ein liebes oder tröstendes Wort.

Es sind verschiedenste Ärzte da. Eine Zahnärtzin, Allgemeinmediziner, Kardiologen, Kinderärzte, Orthopäden, Ernährungsberatung…

Ich war dafür zuständig die Menschen nach der Anmeldung zu den richtigen Ärzten zu schicken und jedem der kommt 1,5 kg Bohnen zu geben (das war eine Spende der Caritas)

Bohnen gehören hier zum täglichen Leben dazu. Und viele dieser Menschen leben in größter Armut. Trotzdem haben sie mir immer gesagt, wenn ich mal wieder den Überblick verloren hatte, dass ich ihnen schon welche gegeben habe.

Bevor es am Freitag morgen los ging, haben wir Helfer uns gegenseitig vorgestellt und dann wurde erstmal gebetet. Alle gleichzeitig, jeder laut vor sich hin seine Wünsche, Bitten und Dankbarkeit geäußert. Und ich, wenig religös, mittendrin, etwas überfordert. Hab auch letztens schon an einem Hausgottesdienst bei Blanca teilgenommen. Höre mir gerade das Buch „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ an. Zäh – nicht weil es nicht gut geschrieben und vorgelesen wäre, sondern weil ich mich nie viel mit dem/meinem Glauben beschäftigt habe. Aber wahrscheinlich ist für viele Menschen ihr Glauben das, was ihnen die Kraft gibt, weiter zu kämpfen. Zumindest formuliert Blanca das gerne so. Und so oft wurde mir hier schon Gottes Segen gewünscht….

Bevor ich nun von meinen Erlebnissen erzähle, noch kurz ein Bild vom Apothekenlager 😂 ein bisschen spiegelt es die Persönlichkeit von Miriam wieder. Und sie hat einen Tag nach mir Geburtstag… Sie hat den vollen Durchblick!

wenn Marius jetzt was sagen könnte…🙉

Was mir aufgefallen ist, dass manche ihr Geburtsdatum nicht wissen. Viele haben keinen Beruf, verkaufen Essen oder waschen Wäsche (von Hand). Es gibt Menschen hier, die mit 35 Euro im Monat auskommen müssen, meist haben sie noch Kinder. Viele Kinder müssen sich Zähne ziehen lassen, sind mangel-/unterernährt. 

Diese kleine Maus ist unterernährt und hat eine Blutarmut. Die Mutter hat mir unter Tränen erzählt wie viel schwerer ihr Leben seit der Pandemie ist. Sie sollte eigentlich nochmal ins Krankenhaus mit ihr, aber dafür haben sie kein Geld. Dank der Spende einer lieben Freundin 🙏  konnte ich Vitamine und Eisen bezahlen.
Childa

Sie ist 43 Jahre alt und leidet seit 15 Jahren an Epilepsie. Ihr Mann ist Alkoholiker, deshalb hat sie sich vor 6 Jahren von ihm getrennt. Lebt nun bei ihrem Vater zusammen mit ihren 4 Kindern (16-20 Jahre alt). Die 2 Großen arbeiten, ohne Ausbildung. Die 2 Mädchen gehen auf die Schule bzw. studieren. Für alle kann sie sich das Studium/Ausbildung nicht leisten. Genauso wenig wie ihre Medikamente gegen ihre Krampfanfälle. Ohne die Medikamente hat sie 2 mal täglich einen Anfall. Sie arbeitet 6 Tage die Woche ca. 8 Stunden als Küchenhilfe und verdient 4,50 Euro am Tag. Für einen Monat habe ich ihr das Medikament von der Spende gekauft.

Doña Maria

Sie ist 69 Jahre alt, hat keine Familie und leidet an allen Folgen eines Diabetes. Sie verkauft an einer Straßenkreuzung Süßigkeiten. Miriam hat ihr gegen ihre Nervenschmerzen und die Osteoporose Medikamente geschenkt, die bald ablaufen… Eigentlich müsste sie ihr eines Auge operieren lassen auf dem sie fast nichts mehr sieht….

Und weiter geht’s, Geld verdienen. Oft steht sie 9 Stunden an der Kreuzung.
Laura ist Krankenschwester und wurde von Männern angegriffen die sie mit Pistolen bedroht und damit auf beide Ohren geschlagen haben. Sie ist alleinerziehende Mama von 2 erwachsenen Söhne. Einen Jungen hat sie nach seiner Geburt angenommen, weil die Mutter ihn nicht wollte. Er ist jetzt 8. Sie bräuchte Hörgeräte, die sie sich nicht leisten kann.

Es waren 2 intensive Tage! Dazu kommt, dass ich mich noch mit einem Freund zum Mittagessen getroffen habe, der damals Sprachlehrer war. Wir haben uns wunderbar unterhalten, dazu aber ein anderes mal mehr.

Und ich war Freitag Abend in einer Sprachschule zu einem traditionellen Abendessen. Wir haben es zusammen zubereitet und dann war noch Abschied von einigen Sprachschülern. Alle so jung wie ich damals und wieder war es ein Schwelgen in Erinnerungen. Hatte sehr schöne Gespräche, auch mit dem Schulleiter, der mit mir seine Erinnerungen an seine Zeit als Sprachlehrer geteilt hat…

Das ist Bestandteil der Salsa. Die Zutaten gibt es bei uns gar nicht…

Auf Xela’s Straßen

Die Straßen sind manchmal so steil, dass ich mit meinen FlipFlops weg rutsche.

Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Guatemala… es ist wahrscheinlich berechtigt, aber wenn man sich an die Regeln hält, dann hatte ich bisher nie Probleme. Die Regeln sind für mich das, was die Einheimischen zu mir sagen. Nachts auf den Straßen ist es wohl inzwischen wegen der vielen Flüchtlinge aus Haiti, Honduras, El Salvador… unsicherer geworden.

Aber mir begegnen nur freundliche Gesichter, das Lächeln leider meist hinter dem Mundschutz verborgen.

Er bringt mich jeden Abend beim Nachhauseweg zum Lachen. Er verdient sich als „Ampelersatz“ ein paar Quetzal, die ihm die Autofahrer zuwerfen.

Ich bin viele Straßen abgelaufen, hab Plätze aufgesucht an denen ich mit Uli viel Zeit verbracht habe. In Erinnerungen geschwelgt.

Chocobanana – gefrorene Banane. Blanca hat die damals gemacht, genauso wie Eis. Federico hat sie an der Schule, wo er auch Hausmeister war, verkauft. Ich hab oft eine zum Nachtisch bekommen.

Obwohl ich eigentlich lieber auf dem Land bin, fühle ich mich wohl in Xela. Man sieht viele bettelarme Menschen, verlauste Hunderudel. Die Straßen sind staubig, die Abgase manchmal unerträglich und es ist laut.

Aber ich finde immer wieder Ecken,  die wunderschön sind.

Was für eine schöne Idee: „Gib uns ein Bild von einem Menschen den du liebst, und du bekommst einen Kaffee gratis“

Und bezaubernde Menschen. Vor allem die Kinder 😍

Aber wahrscheinlich sind es die vielen guten Erinnerungen die mich diese 2. größte Stadt Guatemalas wie durch eine rosarote Brille sehen lassen.

Meine Schuhe hatten es echt nötig und so sauber glänzend waren sie schon lange nicht mehr
Salud! Eins der besten Biere der Welt! Aber, in Gesellschaft wäre es noch besser…

Von einer Freundin wurde ich gefragt, wie es denn jetzt so ist, alleine. Das muss man schon tatsächlich aushalten, immer mit sich und seinen Gedanken. Aber die Zeit mit Blanca und ihrer Familie kann ich so doch ganz anders genießen. Sonst müsste ich immer dolmetschen und das lässt ganz schwierig Gespräche entstehen. So sitze ich mit Blanca oft 2, 3 Stunden am Frühstück und wir reden über Gott und die Welt. Sonst müsste ich mir jeden Tag ein Programm überlegen dass es Marius nicht langweilig werden würde, so kann ich einfach den Alltag miterleben. Blanca und Federico sehe ich wahrscheinlich zum letzten mal…mit Marius habe ich (hoffentlich) noch ganz viel Zeit.

Heute hat meine Mama Geburtstag! Und nachdem wieder 4 Generationen zum Mittagessen da waren, hatte ich genügend Unterstützung für’s Geburtstagsständchen!

Feliz cumpleaños❤

Familie Reyes – (m)eine mittelständische Familie in Guatemala

Was für ein emotionales Wiedersehen. Kann es immer noch nicht ganz glauben dass ich wieder hier bin. Vor 20 Jahren haben Uli und ich in Quetzaltenango, kurz Xela, Sprachschule gemacht bevor wir in Piña gearbeitet haben. Ich hatte das rießige Glück, bei Blanca und ihrer Familie unterzukommen. Über all die Jahre haben wir den Kontakt gehalten, was mit der Technik immer einfacher wurde! Bin nun das 4. Mal wieder hier.

Blanca ist letztes Jahr 80 geworden, Federico ist 82. Und man merkt ihnen ihr Alter an. Ihre jüngste Tochter Norma wohnt bei Ihnen und versorgt beide. Sie ist Physiotherapeutin. Leider hat Corona auch für sie schlimme Folgen, da sie so gut wie keine Arbeit hat.

Dazu kam noch, dass sie ihr Haus komplett abreißen mussten wegen einem Wasserschaden. Es wurde neu gebaut bzw angefangen damit und dann hat sich der Bauunternehmer mit dem Geld aus dem Staub gemacht. Mit Geld was sie eigentlich nicht haben ist das Haus nun soweit fertig, dass man drin wohnen kann.

Ein Bild hat auch im neuen Haus nach 20 Jahren immer noch einen Platz bekommen😍

Und es ist bei einem Erdbeben letzte Woche sogar stehen geblieben.

Ich wurde sofort einfach ins Familienleben integriert, hab mein eigenes Zimmer bekommen und werde total verwöhnt. Obwohl ich das gar nicht will, aber das lassen sie sich nicht nehmen.

Norma und Blanca

Zum Mittagessen wird groß gekocht, weil da ein Teil der restlichen Familie in der Mittagspause zum Essen kommt. Und schwupps, sitze ich zwischen 4 Generationen am Tisch. Trotz großer (Geld-)Sorgen die sie alle haben, ist die Stimmung liebevoll und fröhlich. Alle haben Arbeit, aber da auch die Unternehmen unter der Pandemie leiden, zahlen sie zum Teil weniger. Und vom Staat gibt es keinerlei Hilfe. Da ist schon die kaputte Waschmaschine ein riesiges Problem, und Blanca wäscht zumindest die Unterwäsche wie früher von Hand.

Ich genieße die Sonne auf der Dachterasse mit Blick auf den Vulkan…

und komme mir beim Yoga doch wieder etwas fehl am Platz vor, angesichts der unterschiedlichen Leben die wir führen. Ich kann es mir „rausnehmen“ 6 Wochen die Welt zu bereisen und hier hat eine mittelständische Familie nicht die Möglichkeit das Dach fertig zu stellen.

Aber sie kämpfen weiter, wie Blanca so schön sagt, vertrauen auf Gott und nehmen ihr Schicksal an. Und es ist so schön zu sehen, wie liebevoll sie miteinander umgehen.

Blanca und Federico vor 60 Jahren ❤

Und trotz ihrer Situation unterstützen sie Menschen, die quasi nichts haben. Eine indigene Frau hilft ihnen im Haushalt. Sie lebt mit ihrer Tochter auf dem Land in ärmsten Verhältnissen. Dort wäscht sie Wäsche (von Hand) um sich und ihre Tochter zu versorgen. Und von Blanca und ihrer Familie bekommt sie auch etwas Geld und 2 Mahlzeiten für sich und ihre Tochter Stefani.

Stefani ist 12 Jahre alt. Macht hier ihr Homeschooling und hilft auch im Haushalt mit. Als ich heute vom Yoga auf der Dachterasse kam, hat sie die Nudeln für’s Mittagessen gekocht, danach Geschirr von 9 Personen abgespült…

Ich muss zugeben, dass ich damit doch zu kämpfen habe. Als ich mit Blanca und Federico darüber spreche, beruhigen sie mich. „Du sollst die Zeit hier genießen…, wenn du wieder heim kommst musst du ja auch wieder hart arbeiten…, du hast schon so viel für unsere Familie getan…“ Ich versuche ihnen zu erklären, wie viel einfacher mein Leben doch ist. Obwohl sie durch ihre langjährige Arbeit mit Sprachschülern bestimmt eine Idee haben, wie anders das Leben sein kann, sind es doch Welten. Und als ich ihnen dann noch von „Saugi“, meinem Staubsauger-Roboter erzähle, staunen sie doch sehr.

»Zufriedenheit ist der Stein der Weisen, der alles, was er berührt, in Gold verwandelt; der Arme ist reich mit ihm, der Reiche arm ohne ihn.« Benjamin Franklin