Armut und Alkoholismus

Miriam ist mit mir zu Arsenia gefahren, eines der neuen Patenkinder…

Wir mussten etwas suchen um ans Haus zu finden. Arsenia war in der Schule, so trafen wir nur ihre Mutter und Schwester an. Sie leben mit Arsenias Tante in einem Haus, haben ein Zimmer, wo sie alle 3 schlafen…

Eine Küche…

von innen

Eine Toilette und ein paar Hühner…

Die Schwester von Arsenia hatte eine Unterleibs-Op vor 3 Monaten, kommt seitdem nicht mehr so richtig auf die Beine und kann nicht arbeiten. Da sie so arm sind, dass sie sich die Busfahrt von knapp 60 Cent nicht leisten kann, ist es ihr unmöglich, zur Arbeit zu kommen, da sie die lange Strecke nicht laufen kann. Auf die Frage, was es zu essen gibt, haben sie mit den Schultern gezuckt. Zum Frühstück gab’s etwas Hühnchen, aber was sie zu Abend essen, wussten sie noch nicht. Arsenia ist aktuell in einer Art Behindertenwerkstätte. Ich habe einen Serviettenhalter geschenkt bekommen, den sie dort herstellt. Leider kauft aber niemand diese Sachen, hat die Mama erzählt. Doch diese Werkstätte kostet und sie müssen schon die Schulgebühr für Arsenia zahlen. Das können sie sich nicht beides leisten. Der Busfahrer ist so nett, und lässt sie kostenlos mitfahren. Auch da handelt es sich um eine Summe von 1,20 Euro täglich. Ich bin so dankbar, dass wir diese Familie unterstützen können ❤️

Zurück bei Miriam auf der Arbeit treffe ich Ingrid (42), die Mama von Isan, der auch zu den neuen Kindern gehört…

Sie erzählte mir, wie sie bettelarm mit 5 Geschwistern aufgewachsen ist. Der Vater ist abgehauen als ihre Mutter mit ihrem kleinsten Bruder schwanger war. Sie waren alle nicht in der Schule, hatten oft nicht mal Schuhe an den Füßen, oft nichts zu essen. Sie wollte so ein Leben nicht für ihre Kinder, hat schreiben und lesen gelernt als Erwachsene, macht jede Arbeit, die sie kriegen kann und ließ sich nach dem 3. Kind sterilisieren. Das hat aber nicht so gut funktioniert, denn dann kam Isan, bei dem sie mit 3 Jahren Authismus diagnostiziert haben…

…und dann, 2 Jahre später seine kleine Schwester. Die die gleichen Anzeichen zeigt wie Isan. Sie ist jetzt 2, versteht alles, redet aber nicht. Schläft nachts nicht, schreit immer wieder auf. Bei Isan ist das inzwischen ruhiger geworden, die Mama ist total erschöpft. Sie sagte mir, dass sie und ihr Mann gut zusammenarbeiten, die 3 Älteren zur Schule gehen bzw schon eine Ausbildung machen. Miriam hat mir aber erzählt, dass der Mann es wohl verdrängt, dass sein Sohn anders ist. Auch hier bin ich unendlich dankbar, dass wir auch die kleine Schwester mit einer Patenschaft unterstützen können…

Da Isan nur 2 Tage die Woche in einen speziellen Kindergarten gehen kann, und die 2 Kleinen sehr viel Aufmerksamkeit brauchen, kann immer nur einer arbeiten gehen.

Beim gemeinsamen Mittagessen mit Miriam erzählte sie mir von ihrer Kindheit, die auch so arm war, Weihnachten, wo es nichts zu essen gab. Und von viel Alkohol und Gewalt. Ich war zutiefst schockiert. Ich habe die Familie doch so anders kennengelernt.

Ich mußte dann erstmal laufen, am liebsten davon laufen. Und dann habe ich mich in den Park gesetzt und recherchiert. Über Armut und Alkoholismus. Früher war es saisonbedingt, als sie ihren Schnaps noch selber gebrannt haben.

Inzwischen ist Alkohol immer verfügbar und gerade in armen Ländern mitten in der Gesellschaft. Es wird überall geworben. Unter Alkohol gibt es mehr Gewalt, freizügigeren Sex, ungeschützt, was wiederum zu Krankheiten und noch mehr Kindern führt…

Und tatsächlich hatte ich mir da schon mal Gedanken gemacht. Edy, der bei der größten Brauerei Guatemalas arbeitet, hatte mir ein Video gezeigt. Eine Woche zuvor wurde von Gallo, der Brauerei, in vielen Städten und Gemeinden ein riesiger Christbaum aufgestellt und mit Musik und viel Bier gefeiert. Der Guide vom Vulkan hatte erzählt, dass es in der Hauptstadt zu diesem Fest sogar Freibier gab.

Da dachte ich mir, als ich Edy’s Ansprache im Namen seiner Brauerei zusammen mit dem Bürgermeister (der auch zu den Drogenbaronen gehört) in seiner Stadt zeigte, dass es schon krass ist, wie diese Brauerei mitten in diese Gesellschaft gehört.

Und dann auch wieder krass wie das Leben so spielt. Edy war bei seiner Tante und Onkel aufgewachsen, seine Mutter hatte ihn zurück gelassen. Als ich ihn kennengelernt habe, hatte er nichts, das Geld als Sprachlehrer reicht gerade dazu aus, die Uni zu bezahlen. Er hatte aber damals schon den Plan, sein Studium abzuschließen und dann eine gute Arbeit zu finden. Er hat es geschafft, ist inzwischen ein hohes Tier bei der Brauerei – die, unter anderem an der eigenen, armen, Bevölkerung ihr Geld verdient…

Der einzige Bruder von Arsenia starb an einer Alkoholvergiftung mit 18 Jahren…

Altenpflege, Alltag und nicht alltägliches

Zurück in Xela habe ich noch mit Blanca und Federico zu Abend gegessen. Norma meinte, dass es am nächsten Morgen erst spät Frühstück geben wird, da sie morgens einen Termin hat. Ich hab ihr angeboten, das zu übernehmen. Also habe ich am Dienstag Eier gekocht, Bohnenmus, Tortillas und Kochbananen erwärmt, Haferflocken eingeweicht, Obst geschnippelt und den Tisch gerichtet…

Blanca und ich saßen danach noch lange und sie hat mir von ihrem Leben erzählt. Was für eine spannende Geschichte. Mit 14 von zuhause weggelaufen, da sie mehr wollte als Kaffee zu ernten und alte Schuhe und Kleidung zu tragen. In der Hauptstadt hat sie Arbeit gefunden als Hausmädchen bei Spaniern, die sie mit nach Spanien nehmen wollten. Sie hatte aber Angst und wurde weitervermittelt an eine venezolanische Familie. Die mussten aus politischen Gründen von heute auf morgen aus Guatemala flüchten und besorgten Blanca ein Visum. Daraufhin hat sie in Venezuela gearbeitet. Dort hätte sie bleiben bzw. sogar mit nach Rom gehen können, aber sie war schwanger mit Miriam, wusste als 19 jährige nicht so richtig was sie wollte und ist dann zu Federico nach Guatemala zurück gekehrt… Stoff für mein erstes Buch vielleicht😉

Ein bisschen Sport mit Aussicht auf den Vulkan SantaMaria…

Und dann bin ich noch in die Stadt, um Besorgungen zu machen. Ich hatte nämlich eine 5tägige Wanderung gebucht, und da war ich noch nicht gut ausgestattet. In Xela gibt es viele Secondhand Shops, massenhaft Kleidung aus den USA…

…Die oft viel zu groß ist für die Menschen hier. Ich habe Hosen gesehen, da hätte ich locker 3 mal rein gepasst. Es war Kleidung dabei, die eigentlich in den Müll gehört. Aber ich habe dann eine warme Jogginghose für einen Euro erstanden.

Noch ein bisschen durch den Parque Central geschlendert und auf dem Heimweg zu Miriam. Die hat mich dann gebeten, das Abendprogramm für sie zu übernehmen. Mach ich doch gerne. Also habe ich typisch guatemaltekisches Essen gekauft. Enchilladas und Rellenitos, Kochbananen mit Bohnenmus gefüllt…

Und das hat uns allen geschmeckt…

Auch am Mittwoch morgen habe ich das Frühstück übernommen und bin dann über den Markt geschlendert. Hab die vielen lauten Geräusche aufgenommen, sei es von den Autos, die keinen Auspuff mehr haben oder hupend versuchen als erstes die Kreuzung zu überqueren. Seien es die Verkäufer, die in Dauerschleife Preise ihrer Waren verkünden, manche auch durch Megaphone.

Ich habe viele Menschen gegrüßt oder angelächelt, die mich mit „buenos dias“, „hola“ oder auch „hello!“ angesprochen , oder mir ihr Lächeln geschenkt haben.

Ich habe die Gerüche wahrgenommen, die Guten wie die von Obst und Gemüse, Gebratenes, verschiedenste Kräuter, Weihrauch, auch der Chlorgeruch, den ich mit den Ländern Mittelamerikas verknüpft habe; wie auch die Unangenehmen, wie Urin, das rohe Fleisch in den Markthallen und Abgase.

Habe die Masse an Gemüse- und Obstsorten gesehen, auch die, die es bei uns nicht gibt…

Kleine Läden, einer am anderen, die nur Seile verkaufen, oder nur Schüsseln, nur Handyhüllen, nur Reifen, nur gelierte Früchte…

Bin so viel gelaufen und habe am Ende erst mal meine Füße waschen müssen, weil sie nach 2 Stunden durch die Stadt schlendern einfach schwarz waren…

Bin dann wieder mit einem Mittagessen verwöhnt worden. Eine Bohnensuppe mit einer Kürbisart, die aussieht wie eine Birne und auch ähnlich schmeckt. Dann Spaghetti und dazu ein Käse, der in Bananenblättern aufbewahrt wird. Zum Nachtisch gab es Erdbeeren mit Schmand und Honig verfeinert…

Abends habe ich mich noch aufgerafft, bin auf ein Bier ins Tecun wo Livemusik gespielt hat. Es kostet Überwindung, alleine in eine Kneipe zu gehen. Vor allem, weil ich so auffalle. Aber das Team hat mich freudig begrüßt. Ganz nach Tobis Wunsch, mich wie seine Schwester zu behandeln. Es ist herrlich, die Menschen dabei zu beobachten, wie sie aus voller Kehle die Lieder mitsingen, die sich immer ums Gleiche drehen – Liebe und der damit verbundene Schmerz. Ich liebe es, ihnen beim Tanzen zuzusehen. Feiere es, dass die Männer genauso gerne und gut tanzen wie die Frauen.

Um nach Hause zu kommen, habe ich mir ein Uber genommen. 1,70 Euro für den guten Kilometer, den ich nachts nicht alleine laufen soll, und wegen der vielen Straßenhunde, die tagsüber friedlich schlafen und nachts bellend und knurrend ihr Revier verteidigen, nicht laufen will…

Antigua – la fiesta de las flores

Samstag ging es morgens mit dem Shuttle (Monte Verde, 27 Euro, ca. 4h) nach Antigua. Dort war es gleich viel wärmer. Und auch so viel hübscher…

An diesem Wochenende war das „Fest der Blumen“…

…und außer vielen Blumen…

…waren es Massen an Menschen…

…Touristen…

…wie Einheimische…

Wir ließen uns durch die Straßen schieben…

Ich war abends so fertig dass ich mich nicht mehr zum Abendessen aufraffen konnte. Am nächsten Morgen war auch sehr früh aufstehen angesagt, da wir eine Tour auf einen Vulkan gebucht hatten. Also hieß es für mich, meine
Klaustrophobie zu überwinden. Mein Zimmer hatte nämlich kein Fenster. Nur im Bad ein Loch in der Decke zur Belüftung. Da ich am Ende vom Flur war, dachte ich, ich lass die Tür einfach angelehnt, da muss ja nur einer mehr an meiner Tür vorbei. Tja, morgens um halb 4 fand einer den Weg von der Toilette (die Zimmer mit Fenster hatten die Toiletten auf dem Flur) nicht mehr in sein Zimmer und wollte in meins. Ich ließ einen Schrei los als er das Licht anschaltete und er erschrak mindestens genauso wie ich. Schlafen war dann auch vorbei, es war sehr hellhörig, und da ich schon um 5 aufstehen musste, traute ich mich nicht, Ohropax rein zu machen. Also war ich pünktlich am Treffpunkt und den Morgen mit dieser Aussicht auf den Vulkan Aqua zu starten, hat was…

mit liegendem Mond 🌛

Nach 1,5 h Fahrt kamen wir am Vulkan Pacaya an. Wir wurden von unserem Guide begrüßt und hatten schon vom Parkplatz aus Aussicht auf die 3 Nachbarvulkane…

Aqua, Acatenango und Fuego.
Der letzte ist aktiv und hat 2018 bei einem Ausbruch, nach offiziellen Zahlen 300 Menschen getötet. Inoffiziell geht man aber von über 5000 Menschen aus. Das Dorf das dem Vulkan am nächsten ist, wurde komplett vernichtet.
Die Rauchsäule wird leider von einer Wolke verdeckt.

Los ging’s über mineralische Erde…

…die auch von den Pferden gedüngt wird, die man sich hier mieten kann. Wir starteten auf 1800 m und liefen mit teils bombastischer Aussicht…

auf 2300 Hm…

Wir hatten Glück, die 2 Tage zuvor waren alle Vulkane im Nebel versteckt!

Ganz auf den Krater darf man offiziell nicht. Der Pacaya ist das letzte Mal 2021 ausgebrochen, alle 4 Jahre ungefähr spuckt er wieder und hinterlässt dabei eine Spur der Verwüstung…

Man kann die Pazifiklinie erkennen.

Die Natur lässt sich aber nicht unterkriegen…

Auch dir Tierwelt nicht 🐍

Es knirscht beim Laufen auf der Lava, wie wenn man auf angetautem und wieder gefrorenem Schnee läuft.

Es wurden Marshmallows über dem heißen Dampf gegrillt…

Nach dem Ausbruch konnte man hier oben, direkt auf den Steinen Pizza backen. Inzwischen funktioniert das nicht mehr. Da das Gas für den Ofen hochgeschleppt werden muss, kostet die Pizza inzwischen 40 Euro.

Bei gutem Wetter sieht man von oben über ganz Guatemala City…

Ein Kratersee und dahinter die Hauptstadt unter Wolken begraben.

Wir kauften im Lavashop noch ein und dann ging es schon wieder nach unten.

Zurück in Antigua ging es unter die Dusche und dann haben wir uns mit Edy, unser beider Spanischlehrer, getroffen und den Rest des Tages miteinander verbracht. Vor 23 bzw. 22 Jahren hat er uns Spanisch beigebracht…

Den Abend haben wir mit einem guten Tequila beendet…

Mein Shuttle nach Xela ging am Montag erst um 14 Uhr. Ich hatte die Möglichkeit, durch die Stadt zu stolpern – auf den Straßen und Gehwegen ist es furchtbar zu laufen…

…oder mit Tobi und einer Freundin zum Wasserfall La Rinconada zu wandern.
Ich hatte Bedenken, dass wir nicht rechtzeitig wieder zurück sein würden, aber die Aussicht auf einen Wasserfall und frische Luft hat mich dann doch wieder früh aus dem Bett gelockt. Die Luft in den Städten ist abgasgeschwängert von den vielen nicht TÜV fähigen Fahrzeugen…

Yesenia ist Köchin und hat ihr eigenes Restaurant in Antigua. Sie kocht mit ganz viel Liebe und hat Spaß an ihrer Arbeit und an ihrem Leben. Was für ein schöner Vormittag…

Ab in den Urwald…

Mit ganz vielen Schmetterlingen.

Was für ein magischer Ort…

…nicht nur für mich, auch die Indigenas machen hier wohl Mayazeremonien…

Überpünktlich waren wir wieder zurück und konnten so noch das letzte Bier zusammen trinken…

Yecenia steht auf der Fußstütze des Barhockers 😆

Gute Reise Tobi, hat Spaß gemacht mit dir…

Paten-Projekt

Isan, ein 4 jähriger Autist 🥰

Am Freitag hat Miriam ein Treffen mit allen Patenkinder und ihren Müttern organisiert. Ich war so neugierig auf die Kinder. Gespannt auf die, die ich noch nicht persönlich kannte…

Arsenia, eins der neuen „Kinder“. Sie ist 29, geistig behindert. Und ja, sie sind wirklich so klein 😍

Wir haben 15 Patenschaften seit 3 Jahren. 12 davon sind Schulpatenschaften, 3 zur medikamentösen Unterstützung. Da es bei 2 Kindern Probleme gab, eine hat ihre Ausbildung abgebrochen und der eine sich nicht genügend angestrengt in der Schule, haben wir die Patenschaft an andere Kinder gegeben. Die Idee dieses Projektes ist, dass wir den Kindern eine Ausbildung ermöglichen, damit sie später gute Arbeit finden um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Da es so viele Kinder gibt, die bitterarm sind, müssen die Noten und die Bereitschaft passen…


Es wurde eine große Tafel aufgebaut und wir haben zusammen mittaggegessen…

Davor gab es noch eine Ansprache von den Verantwortlichen der Klinik, dann von Miriam. Sie haben sich bei mir bedankt, dass ich in Deutschland und Österreich Menschen gefunden habe, die diese Kinder hier in Guatemala unterstützen. Dass ich wieder gekommen bin und ihre Dankbarkeit an die Paten weitergeben kann, dass ich ein Engel bin… ich war völlig überfordert mit dieser Situation, hatte einen riesigen Kloss im Hals und wäre am liebsten unsichtbar geworden…

Ich hatte ja auch schon bei der Begrüßung der Kinder, und vor allem der Mütter, diese Wucht an Dankbarkeit erlebt. Und das ist ganz schwer auszuhalten. Ich musste dann auch noch was sagen, war völlig unvorbereitet…

Ich hatte von dem Begründer von Viva con Aqua mal diesen sehr wahren Satz gehört: „Wenn man ein Privileg teilt, verliert man nichts“. Und das habe ich versucht rüber zu bringen. Dass ich das Glück hatte, in Deutschland auf die Welt zu kommen. Dass wir es so viel einfacher haben. Und dass ich mir wünsche, dass die Kinder ihre Chance nutzen um später Arbeit zu finden und das Leben etwas leichter wird für sie.
Auch die neuen Kinder haben sich vorgestellt, ganz mutig vor der ganzen Gruppe, und mein Patenkind Estefany hat sich vor allen bei mir bedankt und mir gesagt, wie lieb sie mich hat. Es war herzzerreißend. Ich habe versucht, mit allen Kindern Videos für ihre Paten zu machen…

…hab versucht, mit allen zu reden. Hab ganz viele Einladungen bekommen und hoffe, dass ich alle noch besuchen kann.
Zu Essen gab es Hühnchen, Reis, Tortillas und Salat. Als Lidia, die Mama von 3 Patenkindern, mir Hühnchen hingestellt hat, habe ich gesagt, dass ich das nicht esse. Sie hat sehr enttäuscht gewirkt und wieder kam am Tisch die Frage auf, warum nicht. Für diese Menschen hier unvorstellbar. Ich habe versucht es zu erklären, da ich ja unterschiedliche Gründe habe…

Auch, dass ich ab und zu Fleisch esse, wenn ich weiß wo es her kommt und dass die Tiere ein gutes Leben hatten. Und meinte zu Lidia, so wie zum Beispiel ihre Hühner. Ich war vor 3 Jahren bei ihr, diese Hühner laufen frei herum und werden von ihr geschlachtet. Da schaute sie mich mit großen Augen an, und sagte, dass es ein Huhn von ihr sei und sie es extra für mich mitgebracht hat. Ich hätte mich ohrfeigen können. Es war noch was da, und dann habe ich es dankend gegessen. Auch Maria Pu, eine alte Frau, die alleine lebt und ihr Geld mit dem Verkauf von Kaugummis an einer Ampel verdient, von uns mit Medikamenten unterstützt wird, wollte mir was aus ihrem Verkaufskorb geben. Ich wollte es bezahlen und hab sie damit wahrscheinlich auch beleidigt „Ich möchte es Ihnen schenken“ hat sie gesagt, und meine Münzen weggeschoben. Ich bekam von anderen auch noch Geschenke…

…und habe es fast nicht ausgehalten. Aber ich habe wieder verstanden, wie wichtig es ihnen allen ist, mir und damit stellvertretend den Paten, ihre Dankbarkeit zu zeigen.

Ich habe noch gewartet bis alle weg waren. Miriam hat mir noch einiges über die Familien erzählt, die Schicksale und eben auch, wie es ihr und ihrer Familie geht. Wie schwierig alles ist, da die medizinische Versorgung so viel Geld kostet. Miriam arbeitet den ganzen Tag in der Apotheke der Klinik, versorgt abends ihre Eltern, und studiert nachts noch online Pharmakologie (mit 61!). Norma hat als Physiotherapeutin auch nicht viel Arbeit, da sich die Menschen keine Therapie leisten können. Sie hat mich dann gebeten, das Abendessen für ihre Eltern mitzunehmen und ihnen auch warm zu machen, und alles für die Nacht vorzubereiten. Norma hat freitags ihren freien Abend um ihren Ehemann zu sehen. Dann übernimmt Miriam. Sie war aber einfach nur erschöpft von der Woche und wäre gerne heim.

Norma war noch da und hat mich gefragt wie es war. Und dann liefen bei mir die Tränen. Es war die Überforderung, mit dieser Dankbarkeit umzugehen, diese machtlose Traurigkeit über so viel Armut, Wut über das System – mein Weltschmerz 💔 Norma hat mich in die Arme genommen, traurig gelächelt und gesagt: „So ist das Leben in einem 3. Welt Land“ (85,61 % der Weltbevölkerung zählt dazu).

Ich habe mit Blanca und Federico zu Abend gegessen. Zum Nachtisch gab es Marmeladebrot. Da haben sich die 2 gefreut. Norma ist wohl streng, was Zucker angeht. Und deshalb hat sich Federico gewünscht, dass ich öfter Abendessen mache😉

Tobis letzter Abend in Xela wurde im Tecun gefeiert, und so habe ich noch ein paar Freunde von ihm kennengelernt. Zum einen Damaris. Und das war Fügung, dass wir uns begegneten. Tobi hat ihr von meinem Projekt erzählt und sie wollte wissen wie mein Treffen war. Ich erzählte ihr unter anderem, dass die Mädels nun fast alle Teenies sind und ich mit Miriam schon mal darüber gesprochen hatte, die Mädchen aufzuklären. Denn als ich mit Estefany an ihrem Geburtstag am schreiben war, hat sie mir erzählt, dass sie weder in der Schule noch mit ihrer Mutter darüber sprechen. Damaris ist Religionslehrerin und hat mir das bestätigt. Und mir erzählt, dass die Mädchen oft nicht wissen wie man schwanger wird, bis sie es dann sind, oder selbst dann noch nicht. Und dass sie mit ihren Schülern darüber redet und auch Workshops macht. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Da hab ich sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, einen Workshop für „meine“ Mädchen zu machen. Und sie hat zugesagt! Darüber freue ich mich sehr. Denn sie ist unabhängig von der Gemeinde für die Miriam arbeitet. Miriam ist dem Thema total offen gegenüber, aber hatte damals angemerkt, dass die katholische Kirche in Guatemala noch sehr mittelalterlich ist und sie nicht weiß, wie gerne das gesehen wird, bzw. wie weit man ins Detail gehen kann.

Und dann war da noch Maurice, der auch gerne mal als La Maura, als Frau, unterwegs ist. Er hat vor 20 Jahren die erste Schwulenkneipe in Xela eröffnet und ist dafür oft angegriffen worden. Sie haben seine Bar ausgeraubt, angezündet und ihn fast tot geprügelt. Er hat es nur mit viel Glück überlebt. Er hatte schwere Kopfverletzungen und ihm fehlt ein Teil der Schädeldecke, was einen tiefen Krater über seinem rechten Auge bildet. Er will sich aber kein Plastik einsetzen lassen, trägt es mit Würde und feiert seine 2. Chance. Er hat trotzdem weiter gemacht, sich nicht versteckt, und inzwischen sind die Menschen Homosexuellen gegenüber sehr viel offener und er wird oft auf der Straße angesprochen, gegrüßt und gefeiert. So wie an diesem Abend auch. Er ist tanzend die Treppe runter, einmal durch die Kneipe, weiter auf dem Tisch und die Menschen haben wegen ihm und/oder mit ihm getanzt…

Es hat so viel Spaß gemacht! Und ich freue mich riesig, dass das Leben ihn nicht gebrochen hat, sondern dass er weiter mutig das lebt, was er ist und es dadurch geschafft hat, zumindest in Xela, das Leben für die Homosexuellen lebbar zu machen.

Quetzaltenango – Xela

Am nächsten Morgen haben wir zusammen mit Sergio, Normas Bruder, gefrühstückt. Er kommt jeden Morgen und hilft seinen Eltern bei der Körperpflege, mit den Medikamenten und Stützstrümpfen. Es ist wahnsinnig anstrengend, nur Spanisch zu reden. Ich bin selber überrascht, wie gut es noch geht, und denke teilweise schon auf Spanisch. Aber ich muss mich schon sehr konzentrieren. Mit 4 Personen am Tisch, und man unterhält sich ja nicht nur übers Wetter😅 Aber es ist immer wieder spannend, die unterschiedlichen Welten aufeinander treffen zu lassen. So Themen wie Eisbaden, Dauerbrenner kein Fleisch essen, Pflegeversicherung und die Dauer und Kosten der Reise von meinem Zuhause in Deutschland, bis in mein Zuhause in Xela.

Dann bin ich mit Reisepass ausgestattet los und habe mir endlich eine SIM-Karte geholt. Und mich dann mit Tobi getroffen, um auf den Friedhof zu gehen. Obwohl sich vieles verändert hat, ist es doch immer wieder eine kleine Zeitreise durch Xelas Straßen zu laufen. Wir kamen an dem Markt vorbei, wo Uli und ich immer eingekauft haben. Und auch auf dem Friedhof war ich schon…

…damals mit der Sprachschule gab es eine Führung.
Wir haben das Grab von Tobis Gastmama gesucht, er meinte zu wissen wo. 45 Minuten sind wir zwischen den Gräbern umhergestreift…

…bis wir es dann schließlich gefunden haben. Der Friedhof ist so eine viel buntere Variante als in Deutschland…

Zum Mittagessen noch schnell reife Avocados 🥰 auf dem Markt für wenig Geld geholt.

Abends habe ich mich mit Tobi getroffen, Fußball schauen. Er hatte sich mit Milton, einem Spanischlehrer von uns damals, verabredet. Er ist immer noch Spanischlehrer…

hier beim Nationalhymne singen

…und hat seine Sprachschüler eingeladen. Und so hat eine bunt gemischte Gruppe aus der ganzen Welt das Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaften zwischen Panama und Guatemala verfolgt. Große Freude bei den beiden Toren, aber zum Schluss hat es leider nicht gereicht. Es war das erste Mal seit 3 Jahren, dass Guatemala überhaupt wieder teilnehmen durfte an den Qualifikationen. Die FIFA hatte sie immer suspendiert, da bei den Spielen betrogen wurde.

Danach sind wir noch in die Bar Tecun. Eine der wenigen Dinge, die immer noch so sind, wie vor 23 Jahren. Tobi kennt die ganze Mannschaft an Angestellten und wir hatten einen sehr lustigen Abend…

Con brazos abiertos – Mit offenen Armen

Abends um 9 landete mein Flieger in Guatemala City. Mit dem Taxi gings zum AirBnB. So wirklich Glück hatte ich mit den Zimmern in der Hauptstadt noch nie… aber gut, eine Nacht ging das schon.
Ich war früh wach, machte Sport, was unglaublich mühsam war (hab erst später realisiert, dass ich ein leichtes Höhentraining absolviert habe, 1500 Hm). Und dann wollte ich ganz schnell los.
Alle Busse und Taxis die an mir vorbei fuhren, ignorierten mich. Also fragte ich bei einem Fahrradhändler nach, wo ich mich denn hinstellen muss, um zum Busterminal zu kommen. Er hat einen Busfahrer, der mich abgewiesen hat, bequatscht, und schon stand ich im Chicken Bus. Einen Kopf größer als alle und so was von Touri. Ich erntete viele Lächeln und neugierige Blicke. Und ob ich nun dort hin komme wo ich wollte, war eine Überraschung. Der Kassierer versicherte mir, dass er mir Bescheid gibt. Und das tat er auch und wollte nicht mal Geld für den Transport.

Nachdem ich die Busfahrkarte gekauft hatte, musste ich erst mal was frühstücken, und das tat ich dann ganz klassisch, auf der Straße. Als ich fragte, ob sie auch was ohne Fleisch haben, hat der Opa mir ein Schinkenbrötchen vorgeschlagen. Die Tochter hat mir dann Eier, Bohnen und Kochbananen zubereitet…

Der Opa vom Opa war wohl Deutscher und sie haben mich herzlich Willkommen geheißen in ihrem Land.

Nach 3 h Fahrt mit Xelabus (13 Euro), mega bequeme Sitze, wurde ich in Xela von Tobi empfangen. Ein Freund aus der Heimat, der alle ein Jahr weniger lang kennt wie ich, da er nach Uli und mir auch zuerst in Xela Spanisch gelernt hat und dann in Zipolite arbeiten wollte. Er ist seit über 20 Jahren fest mit Ivan befreundet und besucht Mexico und Guatemala fast jährlich.
Wir liefen zu Blancas Haus, und da war die Freude groß…

Ich hatte 2022 nicht gedacht, die beiden nochmal zu sehen. Blanca ist 84, Federico 86 inzwischen und beide leider sehr krank.

Als erstes gab es eine Schokobanane, weil ich die so liebe 😍 und dann Mittagessen. Da gab es erst mal eine kleine Ansprache von Norma (die Tochter von Blanca), die mir Tränen in die Augen getrieben hat. Sie sind mir so dankbar für Alles, was ich für sie schon gemacht habe, für die Zuneigung die ich ihnen zukommen lasse und dass ich über die vielen Jahre immer wieder gekommen bin und sie nicht vergessen habe. Blanca hatte viele Spanischschüler in ihrem Leben beherbergt, aber ich bin die Einzige, die immer noch Kontakt hält. Ich habe hier jederzeit ein Zuhause.
Was soll ich sagen, es fühlt sich tatsächlich wie meine guatemaltekische Familie an. Sie sind jeden Tag in meinen Gedanken, weil zuhause auch überall irgendwo was von ihnen hängt oder liegt. Ich bin hier von Anfang an mit so viel Liebe aufgenommen worden und habe hier zum ersten Mal diese Gastfreundschaft erlebt, die in diesem (und in vielen anderen armen Ländern) so selbstverständlich und warm ist. Und das hat mich geprägt, als damals 22jährige.

Ich bin dann in die Stadt, um mir eine SIM-Karte zu besorgen. Als ich vor dem Laden stand, fiel mir wieder ein, dass ich letztes Mal meinen Reisepass auch nicht dabei hatte, und dass ich ihn dieses Mal wieder vergessen hatte. Also morgen wieder.
Dann bin ich in der „Klinik“ vorbei, wo Miriam (die älteste Tochter von Blanca) arbeitet. Ach wie schön, auch diese tolle Frau wiederzusehen. Die Schwägerin stieß auch noch dazu und nach Feierabend sind wir erst mal was Essen gegangen…

…und haben für die Eltern auch gleich noch was einpacken lassen.

Zuhause zögerte Miriam nicht lange. Ich hatte ihr erzählt, dass Norma, die zuhause die Eltern hauptsächlich versorgt, mich immer verwöhnen will und ich ihr kaum helfen darf, was mir gar nicht recht ist. Und so hat mir Miriam gleich mal die Tabletten für Blanca in die Hand gedrückt und mir gezeigt, was abends alles zu machen ist bei den Zweien. Da es nachts so kalt wird und die Häuser weder dicht sind noch eine Heizung haben, werden Styroporplatten vor die Fenster gelegt und Wolldecken an die Tür gehängt. Wir blieben noch bei ihnen, bis sie gegessen hatten.
Da Miriam dann nochmal an die Klinik musste und sie meine Hilfe gebrauchen konnte bin ich mit. Es kam eine Lieferung Gemüse und Obst von der „Welt-Lebensmittel-Bank“.

Diese bekommt von den Supermärkten was nicht mehr verkauft werden kann und verteilen es an soziale Einrichtungen, die diese Lebensmittel dann für wenig Geld an die armen Menschen verkaufen. So hat Miriam eine Lieferung in einem Gesamtwert von 600 Euro erhalten und muss dieser Bank „nur“ 200 Euro dafür zahlen. Leider gibt es in Guatemala kaum Menschen, die so etwas ehrenamtlich machen (können). Jeder muss sehen wie er über die Runden kommt. Und auch Miriam muss es zu einem etwas höheren Preis weiterverkaufen, weil auch ihr Arbeitgeber es nicht verschenken kann.

Und schon bin ich wieder mittendrin in der Armut…

…die von der Korruption genährt wird. Diese Menschen kämpfen hier jeden Tag. Selbst Blanca und Federicos Familie, die zum „Mittelstand“ gehören. Beide haben dauerhaft Sauerstoff über 2 Generatoren, die am Strom hängen. Deshalb wird Wasser am Gasherd warm gemacht und die Wäsche von Hand gewaschen, damit sie keinen Strom für Wasserkocher und Waschmaschine brauchen. Der Strom ist aber auch immer wieder weg, inzwischen wohl viel öfter als früher und teilweise über Stunden. Deshalb mussten sie sich teure Sauerstoffflaschen zulegen. Was nur von der gesamten Familie getragen werden kann. Es gibt zwar so etwas wie Rente. Da kommt aber jemand vorbei und schaut, ob Bedarf besteht. Gezahlt wird aber nur den Ärmsten. Und das sei auch nicht viel.

Mexico City

Am nächsten Morgen bin ich erst mal zur Druckerei gelaufen. Dort arbeitet die ganze Familie, einschließlich der 74 jährige Papa. Da sie aber unterwegs waren, bin ich los, einen Bankautomaten und Internet suchen. Als großer Mensch kann es schon mal sein, dass man aufpassen muss, sich nicht an einer Stromleitung zu stoßen…

Später fuhr ich mit Jessi und Ivan zum Frühstücken. Beide sind schon viel gereist und lieben es, Ausländer kennen zu lernen. Und trotz allem gibt es Themen, wo Welten aufeinander prallen. Schon am Abend vorher sind wir auf das Thema „Im Sitzen pinkeln“ gekommen. Was haben wir gelacht…


…Jessi will nun eine Revolution starten, Aufkleber drucken und auf den Toiletten in ganz Mexico City verteilen🤣
Wir mussten zum Frühstück fahren, da ich Vegetarierin bin. Und das ist nicht so einfach hier in Lateinamerika. Wir haben über glückliche Hühner geredet und jeder der es hören wollte oder auch nicht, wurde von Ivan informiert, dass ich kein Fleisch esse. Auch wenn die wenigsten eine Idee haben, vegetarisches Essen anzubieten, sind sie doch recht flexibel in der Zubereitung und tauschen Hühnchenfleisch gegen Eier aus und es schmeckt einfach wunderbar.
Danach sind Jessi und ich in einen Park. Dort hat ein früherer Bürgermeister von einem Franzosen ein Bauwerk aufstellen lassen…

Da es aber leider nur 12 Grad hatte (ein Hurrikan hat vor Veracruz kalte Luft ins Land getrieben), hat es nicht wirklich Spaß gemacht. Und nach einer heißen Schokolade sind wir mit dem gemütlichsten Taxifahrer aller Zeiten…

…in seinem gerade noch funktionierenden Taxi zurück gefahren…

Nachmittags haben wir das Wahrzeichen der mexikanischen Revolution besucht…

Auch das hat dieser Bürgermeister von Franzosen konstruieren lassen. Es gab auch eine Führung wo es eben um jene Revolution ging. Aber da bin ich mit meinem Spanisch an meine Grenzen gekommen. Trotz allem, war es interessant und die Bilder und Filme sprechen für sich…

Ivan wollte dann noch zum Zocalo, dem großen Platz im Zentrum. Aber wir kamen in den Feierabendverkehr, der wegen einer Demonstration der Bauern auch noch umgeleitet werden musste. Und so standen wir in einer 22 Millionen Stadt im Stau. Die Straße war 4-spurig und von beiden Seiten kamen immer wieder 3-spurige Straßen dazu. Es ging aber erstaunlich entspannt zu. Ivan hat gelacht und meinte, bringt ja nichts, deswegen kommt man ja nicht schneller voran. Und wenn einer wirklich mal drängelt, dann lässt man ihn vor, weil er bestimmt einen Grund hat. Seit Corona ist es wohl schlimmer geworden mit dem Verkehr. Da sich viele ein Auto gekauft haben, weil sie die Öffentlichen nicht mehr nutzen wollten, und die haben natürlich ihre Autos behalten.
Fun Fact: In Mexico muss man keine Führerscheinprüfung machen. Man bezahlt ca. 125 Euro und hat somit bestanden. Hintergrund ist der, dass es so viel Korruption gab, da die Menschen den Prüfer bestochen haben. Da hat sich die Regierung gedacht, diese Korruption unterbinden wir, in dem wir die Prüfungen einfach abschaffen.

Abends sind wir alle zusammen Essen gegangen…

Es gab Pozole, Maissuppe mit Gemüse und einen Quesadilla, ein Maistortilla gefüllt mit Käse und Pilzen…

Wieder war das Thema kein Fleisch essen, ein Riesiges. Auch der Papa wollte wissen wieso ich so lebe und ob es mir deshalb besser gehe. Und als ich erwähnte, dass Schmerzen weniger werden, hat er große Augen bekommen. Die hat er aber auch bekommen, als er mich fragte, wie viele Menschen in meiner Stadt wohnen. Als ich 250 sagte, fragte er: „250 Tausend oder was“. Nein, 250. Er schaute zu seinen Kindern um sich zu vergewissern, ob ich ihn schon richtig verstanden habe. Die waren ja schon bei mir und nickten lachend. Das Landei in der -9. größten Stadt der Welt 😆

Am nächsten Tag ging es wieder zum Frühstücken in ein Café die sogar extra vegetarisches Essen anbieten. Sehr lecker, mit Kochbanane und Bohnen gefüllte Tortillas in einer Mole Soße (ein Mischung aus vielen verschiedenen Gewürzen, wichtiger Bestandteil ist Chili und Schokolade)…

Dann setzten sie mich am Museum für Anthropologie ab…

Es ist ein riesiges Museum, in dem sich viele Funde aus den ganzen Mayastätten befinden…

Auch das Leben der Indigenen Bevölkerung wird in allen Facetten dargestellt…

Es ist beeindruckend und erschlagend zugleich.
Und es machte mich auch etwas wütend. Denn diese Gruppe Menschen sind die Ärmsten der Armen. Wie in vielen anderen Ländern auch. Sie sind die Ureinwohner, und als Kolumbus vor über 500 Jahren auf diesem Kontinent aufschlug, ging ihr Untergang los. Sie wurden vertrieben, ermordet und unterdrückt. Sind seit damals Menschen 2. Klasse. Das zeigt dieses Museum nicht. Sie haben aus ganz Mexico die schönsten Funde eingesammelt und sind stolz auf ihre Geschichte. Aber das ist die Geschichte der Ureinwohner.

Draußen gab es dann noch eine Vorführung der Indigenas aus Veracruz…

Dazu habe ich Aqua de Horchata (Reis- und Kokosmilch) und eine Mango genossen. Ach, die schmeckt hier außerhalb der Saison immer noch besser, wie die, die wir zuhause kaufen können.

Und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.

Gracias amigos lindos y locos 🫶

Weiter geht’s nach Guatemala.

Guatemala 2025 – Allein reisen

Ich war knapp 2 Wochen zuhause. Wäre es nach mir gegangen, dann wäre es nur gut 1 Woche gewesen. Ich habe das völlig unterschätzt. Alleine alles wieder auf Vordermann zu bringen, Bus und Zuhause, hat 2 Tage gedauert. Und dann waren all die lieben Menschen angesagt, die ich zwischen den 2 Reisen sehen wollte. Am Mittwoch meine Eltern, Donnerstag mit Simone laufen, abends dann Binci in ihrer neuen Wohnung besuchen. Freitag ging es mit den Mädels zur Halloweenparty wo wir Uli’s Geburtstag nachfeierten. Samstag hab ich mich von Müller’s lecker bekochen lassen und alle beim Pokern abgezockt. Am 2.11. haben wir die Eisbadesaison in alter Besetzung eröffnet. Und nebenher musste ich mich noch um den Unterricht kümmern, der anstand. Eine Woche Schmerzkurs, außerdem Unterricht in der Pflegeschule. Abends haben wir uns dann erst bei Schwiegermutti zum Essen eingeladen und den Tag drauf bei meinen Eltern. Und am Samstag waren wir mit den Kids im Kino bei Pumuckel🧡
Was für 2 Wochen!!! Klar habe ich wieder mal in meiner Bestform prokrastiniert. Den Unterricht wollte ich schon in Albanien vorbereiten. Gepackt habe ich 8 h bevor es auf die Reise ging. Ich habe diese letzte Woche Vollzeit gearbeitet was ich so ja auch nicht mehr kenne. Aber all das war völlig okay.


Ich habe eher mit der Tatsache zu kämpfen gehabt, dass ich nicht genügend Zeit für all die lieben Menschen hatte. Und, dass ich durch das viele Reisen, auch ganz viel Zeit mit diesen Menschen verliere. So hat es sich zumindest angefühlt, nach Verlust. Wir Mädels haben versucht, für nächstes Jahr unseren Hamburg Ausflug zu planen. Und ja, da stehen mir jetzt halt nur noch 6 Monate zur Verfügung.
Außerdem ist November, oder war es nur ein Zufall, dass es vielen gerade nicht so gut geht. Auch da hab ich mich schlecht gefühlt. Dass ich einfach abhaue, und meine Lieblingsmenschen damit allein lasse. Natürlich ist es heutzutage kein Problem, regelmäßig zu telefonieren, sich dabei sogar live zu sehen. Aber es ersetzt keine Umarmung, kein Gespräch mit Blickkontakt. Und wenn der Empfang schlecht ist, dann fühlt sich das Gespräch nicht komplett an und ich habe (manchmal) das Gefühl, nicht richtig da zu sein…für diejenige.

Ein Aspekt, den ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Und der schmerzhaft ist. Es ist unfassbar schön, wie sich alle für mich, für uns freuen. Und ich weiß auch, dass es Beziehungen sind, die das aushalten. Aber so ist das mit dieser Selbstverständlichkeit. Es wird einem leider oft erst bewusst, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist.
Ich hab alle irgendwie dabei…


… in irgendeiner Form. Und vielleicht fühlt es sich dieses Mal auch so an, weil ich alleine reise. Ist ja nicht das erste Mal, aber nicht meine liebste Art zu reisen. Ich bin in 4 Wochen auch wieder für 4 Wochen zuhause, kann alle wieder sehen. Dann aber wieder für 10 Wochen weg.
Wenn alles so läuft wie geplant, dann machen wir das nächstes Jahr wieder so 🙏 Und dann werden wir bis auf die Zeit über Weihnachten, am Stück weg sein. Mein Herz hüpft vor Freude, während ich das schreibe, so viele Ideen, was wir machen könnten. Aber da ist auch dieser Stachel, so ein bisschen wie Liebeskummer. Aber alles hat 2 Seiten, ach, manchmal auch ganz viele. Es ist eben auch ein schönes Gefühl, dass es diese Menschen gibt. Dass ich jemanden hab, den ich vermissen darf, der sich freut, wenn ich wieder da bin. Der sich mit mir freut, sich meine Gedanken anhört und mich an seinem Leben teilhaben lässt. Meine Reise hat längst begonnen, und ich weiß, dass alle diese Menschen weiter mit mir reisen werden, nicht vorher aussteigen, wenn der Zug hält. Das ist ein wunderbares Gefühl und dafür bin ich unendlich dankbar❤️

Und dann gibt es ja auch diese Menschen auf dem anderen Kontinent, die sich freuen, dass ich komme, und auf die ich mich so arg freue, sie wieder zu sehen. Auch das sind Beziehungen, die so standhaft sind. Mit so viel Gastfreundschaft und cariño (Zuneigung)…

Und all die anderen Menschen, die ich auf dieser Reise kennen lernen werde. Wenn auch vieles nur kurze Begegnungen sein werden…

…ist es doch auch so wertvoll, so lebendig, eröffnet neue Sichtweisen und lässt einen das Leben spüren. Auf Reisen ist es so viel einfacher für mich, ganz im Hier und Jetzt zu sein.

Vor allem wenn man alleine reist. Mein Mantra für die nächsten Wochen ist :“Handy, Geldbeutel, Reisepass“. So habe ich mich am 9.11. von Marius am Busbahnhof in Ravensburg verabschiedet…

Und los ging die Reise, mit fast allen Verkehrsmitteln, die mir zur Verfügung standen. Mit dem Auto nach Ravensburg. Weiter mit dem Bus nach Konstanz, der auch die Fähre genommen hat…


…dann in den Zug bis Zürich Hauptbahnhof und von dort mit dem Flieger erst nach Frankfurt. Wie herrlich, ich hatte eine 3er Sitzreihe für mich alleine. Wenn das doch nur beim langen Flug von Frankfurt nach Mexico City auch so gewesen wäre. Da saß ich aber in einer 4er Reihe zu viert… es macht keinen Spaß! Auch wenn ich gute Filme geschaut habe, das Essen echt in Ordnung war, der Gin Tonic davor ein richtig schönes Gefühl hinterlassen hat und ich auch ein paar Stunden schlafen konnte.

Glücklich bin ich in Mexico City gelandet. Und mein Rucksack mit mir! Bei 1h 10 Minuten Umstieg in Frankfurt weiß man ja nicht sicher, ob die das so schnell hinbekommen.
Und dann wurde ich auch schon von Ivan und Jessi abgeholt. Und direkt in ein Irish Pub chauffiert, um auf unser Wiedersehen anzustoßen…

Und das funktioniert in Mexico nur mit viel Bier…

… aber Karotten-Sticks für mich.

Nach über 24 h bin ich nachts um 1 ins Bett. Und habe bis am nächsten Morgen um 7 geschlafen wie ein Baby. Und damit war der Jetlag schon (fast) besiegt!

Heimkommen

Auch der nächste Tag an Bord ging doch irgendwie vorbei. Die Bar war eine große Chill-Eck, jeder packte sein mitgebrachtes Essen aus, dann gab es einen Mittagschlaf. Manche spielten Karten, andere schauten Serien. Auf dem obersten Deck fand ich eine windgeschützte Stelle und machte ein bisschen Yoga. Was für eine Aussicht dabei…

Pünktlich, 26.10. 17 Uhr liefen wir in Ancona ein. Ein letzter wunderschöner Sonnenuntergang, der Schönste eigentlich…


Es waren, laut Plan, 25 Stunden Fahrt. Allerdings war es alles ein bisschen verwirrend. Und ich habe mir nicht die Mühe gemacht, es nachzurechnen 😅Denn, von Albanien nach Griechenland ist eine Stunde Zeitverschiebung. Also in Griechenland ist es eine Stunde später, da haben wir uns bei der Einreise eine Stunde geklaut, dafür war´s länger hell. Also war beim Zurück mit der Fähre ja wieder ne Stunde zurück. Und dann kam aber ja auch noch die Uhrumstellung dazu. Ich bekam von Antonia, die auch gerade in Griechenland waren, eine WhatsApp um mich auf die Zeitverschiebung hinzuweisen. Nachts, nach Wein und 2 Ouzo kam nochmal eine WhatsApp, dass sie da wohl was Falschrum erklärt hätte, aber das nun auch nicht mehr erklärt bekommt🤣

Wir fuhren dann noch 1,5 Stunden Richtung Bologna. Wo wir in Castel San Pietro Terme lecker Pizza gegessen haben. Und die Stadt hat einen kostenlosen Womo-Stellplatz mit Grauwasserentsorgung. Wie nobel ist das denn!

Nach einer ruhigen Nacht ging es weiter nach Hause. Das Wetter war bis zum Bernadino sonnig. Da in den Bergen hingen dann aber die Wolken und ganz oben schneite es bei 0 Grad. Und zuhause wurden wir von Wind und Regen und bunten Blättern die vor Freude tanzen begrüßt (so hat Simone mir das schön geredet🫶)

Ein bisschen Spannung war auch mit dabei, als wir die Haustüre aufschlossen. Wir hatten für eine Woche das Haus vermietet an eine 4-köpfige Familie. Wussten schon von der Nachbarin, dass sie das Haus tip top verlassen hatten. Und so war es auch. Als ob keiner da gewesen wäre.

Während ich nun schon seit 3 Stunden durchs Haus wusle, merke ich, wie mir alles zu dicht ist. Nach 3,5 Wochen im Bus unterwegs, ist so ein Haus echt undurchlässig. Natürlich gut so bei 6 Grad draußen. Aber ich habe immer das Bedürfnis, das Fenster aufzumachen.

Und das Schlimmste am Heim kommen, das mich/uns immer wieder beschäftigt hat, ist in dieses leere Haus zurück zu kommen. Nach Filous Tod, war mein Trost, dass wir ihn nicht allein hier lassen müssen, wenn wir nun so viel auf Reisen sind. Ich habe immer zu Marius gesagt, dass wir bestimmt froh sein werden, wenn wir dann los ziehen, dass wir wegen ihm kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen. Das war auch so, ganz kurz. Aber dann kommt der Egoismus wieder und es tut so sehr weh, dass er nicht mehr da ist. Nicht mehr auf meinen Schoß drängelt, wenn ich mich aufs Sofa lege. Nicht mehr Leckerlis bettelt. Jetzt auf der Tastatur rum tapsen würde, wenn ich am Laptop sitze. Er fehlt so sehr.
Aber in knapp 2 Wochen bin ich wieder für 4 Wochen weg. Und im Januar sind wir beide 10 Wochen weg. Wie egoistisch sich da den alten anhänglichen Schmusetiger zu wünschen. Er war genau zur richtigen Zeit bei uns, für uns da.

Wir sind knapp 4000 km gefahren (leider hab ich die Anfangskilometer verschlampert). Und das meiste Geld auch dafür ausgegeben…


Wir sind dankbar, dass Fordinand nach all den Problemen mit den Injektoren und der Differenzialsperre dieses Jahr schon, so einwandfrei gelaufen ist, dass wir all das zusammen erleben durften und gesund und ganz wieder zurück sind🙏

Griechenland

Nach dem Frühstück verließen wir unseren einsamen Stellplatz (P4N). Das Wasser war dort zu niedrig um zu baden und es gab auch keinen schönen Einstieg…

Der Tag versprach, der Wärmste unseres ganzen Urlaubs zu werden. Also, auf nach Griechenland, Igoumenitsa, wo am Samstag unsere Fähre nach Ancona startet.
Wir tauschten für einen fairen Kurs die übrigen Albanische Lek wieder in Euro.

Auf dem Weg lag dann noch eine Besonderheit, ich hatte es gar nicht auf dem Schirm. Im Reiseführer unter „5 Dinge die es nur in Albanien gibt“ aber davon gelesen. Eine selbstgebaute Fähre die den Vivari- Kanal überquert. 14 Euro kostet die ca. 1 minütige Überfahrt. Vielleicht 50 m…

Wir hatten noch etwas Butter und Käse, der Joghurt war schon zu Müslis verarbeitet. So sollte das an der Grenze doch gehen. Da war einer aber ganz genau. Untersuchte jedes Auto. Schnaps wurde von dem, der erwischt wurde, dem der auf der Nebenspur gerade einreiste, geschenkt😆 Wir mussten auch die Hecktüren öffnen.

Und dann hieß es, tschüss Albanien!!! Wir sehen uns wieder, sind noch nicht mit dir fertig 😍 Du bist ein krasses Land, mit unglaublich netten Menschen, traumhaften Landschaften, leckerem Essen, großen (Camper)Freiheiten – Marius bezeichnete es als „Abenteurerland“. Aber der viele Müll, die vielen kaputten Gebäude, die Armut, der Umgang mit den Tieren, und auch mit den Frauen. Ich als Touristin wurde nie schlecht behandelt. Aber nicht beachtet. Ich habe bezahlt, Marius bekam das Rückgeld, ich habe was gefragt, man hat Marius geantwortet. Irgendwann hab ich einfach Marius alles machen lassen🤷‍♀️

Und dann passierte es wieder mal, dass wir eine Grenze passierten, und sofort fühlte es sich anders an, sah es anders aus. Marius sagte: „Alles so schön hier“. Und das fiel sofort ins Auge, die Mülltonnen waren geleert, es lag so viel weniger Müll rum. Die Häuser waren gepflegt. Es gibt in Albanien auch viele gepflegte Häuser, aber mindestens ein Stockwerk oder das Steinhaus mit auf dem Grundstück zerfällt oder ist nie fertig gestellt worden.

Ab der Grenze war Obstanbaugebiet. Und die Menschen waren gerade an der Mandarinen Ernte. Marius inhaliert, seit wir im Balkan sind, Mandarinen. Sie schmecken hier so lecker. Er meinte sogar, er wird die Mandarinen bei uns boykottieren, weil er eh nur enttäuscht werden wird.
Wir fuhren durch Igoumenitsa – was für eine kleine, gemütliche Hafenstadt. Ich wollte am heißesten Tag des Urlaubs natürlich ein Eis essen. Und schon die erste Begegnung mit den Griechen war herrlich. Der Kioskverkäufer ein bisschen verrückt, aber ganz viel Herz. Beim Vorgänger simsalabimelte er über dem Kartezahlgerät rum, bis der Beleg kam. Wir zwei waren am Lachen, obwohl wir uns nicht unterhalten konnten. Er gab mir High 5 als ich bar bezahlte und ich bekam einen Luftkuss.

Am Camping Kalami (28 Euro ohne Strom) bekamen wir einen Platz mit Meerblick und der Platzeinweiser sagte mir, dass er mich liebt, weil ich so unkompliziert bin (was bei einem Platz mit Meerblick auch nicht schwer ist🤷‍♀️).

Wir gingen baden, die Sonne am Strand in uns aufsaugen.

Wir mussten den Platz am nächsten Tag um 11 Uhr verlassen…

…hätten für 14 Euro bis 18 Uhr verlängern können. Aber wir parkten oben an der Straße und gingen über den öffentlichen Weg noch ein paar Stunden an den Strand. Duschten uns dann aber trotzdem auf dem Campinggelände noch das Meerwasser ab 🤫

Dann gingen wir in Igoumenitsa Mittagessen. Richtig lecker, so viel Einheimische wie hier waren, kann es auch nicht schlecht sein. Ich holte mir nochmal das leckere Eis vom Vortag und Marius googelte DAS typische Gebäck in Nordgriechenland. Also gab es für Marius Grießpudding in Yufkateig mit Puderzucker und Zimt. Fürs Abendessen auf der Fähre gab’s Burek.
Beim Obsthändler deckten wir uns natürlich nochmal mit Mandarinen ein (leider sind wir gestern am Straßenverkauf am Feld vorbeigefahren. Man denkt immer, da kommt noch mal einer. Und seit Jahren wissen wir, anhalten, sobald man was sieht, denn die Erfahrung hat eigentlich gezeigt, das meist nix mehr kommt.) Vom Obsthändler bekam ich ein Gebäck geschenkt. Sooo lecker, als er sah, dass ich nicht teilen werde, gab er mir mit einem schiefen Lächeln und Handzeichen zu verstehen, dass ich meinem Mann auch was geben soll 😅

Dann fuhren wir nochmal Tanken. 1,44 Euro der Liter Diesel, billiger wird’s in Italien nicht sein. Und von der wunderschönen Frau, die uns an der Tankstelle bediente, bekam ich einen Zweig Mandarinen geschenkt. Was sind das hier für tolle Menschen🫶

Es war noch Zeit bis zur Fähre. Die wir nutzten, um Essen vorzubereiten für die Fahrt. Und zu packen. Wir brauchten die komplette Schlafausrüstung. Wir hatten keine Kabinen gebucht. Ich bekomm da schon Beklemmungen, wenn ich nur die Bilder sehe. Vielleicht könnte ich mich noch auf die Kabinen einlassen die ein Fenster haben, das man zwar nicht öffnen kann. Das ist ja wie im Flugzeug. (Auf der Fähre bin ich dann durch die Gänge dieser Kabinen gelaufen, und schon da bekam ich Platzangst…)

Und dann ging doch irgendwie alles recht schnell. Wir mussten die Tickets am Schalter holen. Marius durch die Passkontrolle, ich mit dem Auto hintenrum. Musste alle Türen aufmachen, sie ist sogar ins Auto gestiegen. Dann holte ich Marius am Hauptgebäude wieder ab und wir fuhren quasi direkt auf die Fähre. Ganz nach oben, über Deck. Kurz hatten wir die Hoffnung, dass wir uns dann ja wenn es dunkel wird, wieder in Fordinand schleichen könnten. Ich hatte die Idee, gar nicht erst auszusteigen. Aber wir haben uns an die Regeln gehalten. Naja fast. In der Bar hingen an den ganzen Wänden Schilder…

… das hat aber keinen interessiert, manche haben sogar ihr eigenes Bett mitgebracht…


Und auch die Standardsitze, die man für 10 Euro mehr hätte buchen können, wurden uns sofort angeboten.
Ich habe natürlich schon noch mal versucht, ob der Weg zu Fordinand frei ist, da von oben die Tür zu diesem Deck offen stand. Aber als ich dann auf die Tür zugelaufen bin, stand da schon einer und auf der Tür „Restricted Area“. Also bezogen wir unser Eck in der Bar und nachdem die ersten dann schon schliefen und keiner kam und sich beschwert hat, haben wir uns was zum Schlafen eingeworfen und tatsächlich ganz gut geschlafen…