Die letzten Tage in´´ México

Ich sitze im Taxi vom Flughafen Bangkok zum Hotel. Und bevor mich dieses Land nun faszinieren darf, will ich die letzten 2 Tage in México noch aufschreiben.


Am Sonntag morgen dachte ich eigentlich, dass ich das erste Mal Squash spielen werde. Aber da alle von der Geburtstagsparty am Tag vorher einen Kater hatten, sind wir nur um ein bisschen zu Laufen in den Sportpark Mexico Citys…

Viel grün, viel Ruhe und da laufen sie, fahren mit dem Rennrad, machen Pilates, spielen Fußball, Beachvolleyball, Basketball…

Angeschlossen sind noch mehrere Gewächshäuser mit der ganzen Flora Mexicos…

Sowie ein Kräutergarten…

Es war still…

… und die Luft gut…


Nach einem kleinen Frühstück ging es dann wieder einmal gefühlt ans andere Ende dieser ewigen Stadt. Teils wird schon versucht, wieder mehr Natur in die Stadt zu bringen in dem sie Wände begrünen…


Und man zahlt wohl mehr Strafe wenn man einen Baum fällt, als wenn man betrunken Auto fährt…

Ivan erzählte mir von einem Freund, den er auf der Party am Abend zuvor getroffen hatte. Er wohnt seit 16 Jahren in der USA, illegal. Aber er hat eine eigene Firma dort, Angestellte und auch Frau und Kinder. Er wurde nun, da illegal in den USA, ausgewiesen. Seine Familie blieb dort. Er hat das Geld, um sich einen Anwalt zu nehmen. Aber wahrscheinlich wird es über ein Jahr dauern, bis er wieder zurück darf. Ich hatte an diesem Tag gerade eine Petition unterschrieben. Denn bei uns in Deutschland sollte ein Vater und eins seiner 4 Kinder abgeschoben werden. Der Rest seiner Familie nicht. Er arbeitet in Deutschland, spricht deutsch, ist voll integriert.

An einer Tankstelle wurde für die geplante Gondelfahrt in Xochimilco eingekauft…


Es war Sonntag, das Wetter warm und sonnig und so hatten viele die Idee. Der Parkplatz war voll. Erst mal noch aufs Klo, eine gute Verdienstquelle für die Anwohner hier…


Und dann wurde um den Preis gefeilscht und schon hatten wir unsere Gondel…

Der Kerl stakte los. Es kamen uns kleinere Boote mit Getränken und Essen entgegen…


…am Rande des Kanals, konnte man anhalten und Bilder mit riesigen Schlangen schießen…


Es ging ca. eine halbe Stunde, dann ging nichts mehr vorwärts oder rückwärts auch nicht seitlich…

Und so steckten wir in diesem bunten Wirrwarr aus Booten, Musik, Lachen, Singen, Tanzen, Bier und Essen…

Als uns das Bier ausging, versuchten wir über 5 andere Gondeln, zum Bier-Boot zu kommen. Das war dann aber schon wieder weiter und so mussten wir uns wieder zurück hangeln, über verschiedenste Boote. Zwischendurch kam noch ein Mariachi Boot vorbei.
Wir landeten schließlich bei 4 Mexikanern auf der Gondel, und hatten sehr viel Spaß. Es wurde Mescal getrunken, auch Pulque durfte ich versuchen. Das ist vergorener Agavensaft, der von den Schamanen oft benutzt wurde, um Visionen zu haben. Es wurde getanzt…


…und gesungen. Und nach ein paar Stunden waren wir dann wieder am Ausgangspunkt zurück.
Ich muss dazu sagen, dass sie mir Xochimilco auf Instagram gezeigt hatten. Dass man da morgens um 4 mit Kajaks ganz ruhig auf Tiersuche durch die Kanäle fährt. Das Programm war einfach mal völlig das Gegenteil und ich war den ganzen Tag nur am Lachen.


Auf dem Weg zum Parkplatz ist ein Rummel. Und dann stand ich plötzlich im Kreis, alle hielten sich an den Händen. Ein Typ hatte eine Bauchtasche dabei und gab jeweils einen Metallgriff rechts und links in den Kreis…

Und dann hat er Strom aufgedreht. Puhh, was für ein Quatsch! Aber die Frau neben mir meinte es ernst. Ich rief, dass sie mich loslassen soll, aber sie hielt krampfhaft lächelnd weiter fest.


Dann trafen wir uns mit Jacky zum Abendessen…


Und um meinen letzten Abend weiter zu feiern, gingen wir gemeinsam noch in einen Club. Die sind unkaputtbar!
Am Montag, 8.12., mussten die 2 zum Zahnarzt, ich ging nochmal klassisch mexikanisch frühstücken. Später mit Ivan und Jessy zum Mittagessen und dann hieß es auch schon Rucksack packen…


Ich ging mich beim Chef und seinem Mitarbeiter verabschieden und schaute dann, wo meine Fahrer blieben…

…Der Sonntag war also doch nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen 😉


Wir kamen entspannt am Flughafen an. Ich gab meinen Rucksack ab und wollte durch die Sicherheitskontrolle, als ich merkte, dass ich mein Handy mit meinem großen Rucksack abgegeben habe. Die 2 waren noch da und lachten sich kaputt, ich wäre schon sehr mexikanisch. Leider wäre ich nur an mein Handy gekommen, wenn man den Flug storniert hätte. So musste ich nun ohne Handy bis Zürich kommen. Ich schrieb Marius noch von Jessys Handy aus, dass er Bescheid wusste und dann verabschiedete ich mich ein letztes Mal von den beiden. Freunde seit so vielen Jahren! Ivan hat in einem sehr sentimentalen Moment erzählt, dass sich für ihn und seine Familie das Leben verändert hat, als wir uns damals kennengelernt hatten…

Ich war die erste die neue Deutsche zu ihm schickte, so freundete er sich mit Tobi an. Der wiederum viele Menschen zu Ivan geschickt hat. Ivan meinte, wenn er mich bzw. uns damals nicht kennengelernt hätte, wäre Deutschland wahrscheinlich immer noch ein schwarzer Fleck auf der Landkarte. Und durch den vielen Kontakt mit Ausländern, sind auch sie aufs Reisen gekommen und haben nun auch schon viel von dieser Welt gesehen. Ja, diese kleinen kurzen Begegnungen verändern Leben.

Es war komisch ohne Handy. Und so hat man doch mal Zeit zu beobachten, wie alle in ihre Handys starren. Aber das Laptop hatte ich ja dabei und so konnte ich auch zu Blanca Kontakt aufnehmen, die natürlich auch immer wissen wollten, ob alles läuft. Und sich sicher Sorgen gemacht hätten, wenn sie so lange nix von mir gehört hätten.

Aber dann ging doch irgendwie alles recht schnell, hab fast den ganzen Flug geschlafen. Und dann war ich wieder zuhause…

México – Tepotzlán

Nach 2 Stunden landete ich in Mexico City und wurde wieder von Jessy und Ivan abgeholt.
Wir fuhren zu ihnen und ich wurde vom Chef und seinem Mitarbeiter ebenfalls herzlich begrüßt…

Und so standen wir 2 h in der Druckerei, tranken Bier…

… und gingen dann um 7 zum Abendessen um die Ecke. Sooo lecker! Das mexikanische Essen ist einfach unschlagbar gut!

Danach kam Jacky dazu, eine Freundin der beiden…

Und auch Tequila. Und die Runde wurde immer lauter und irgendwann verstand ich nicht mehr viel. Ivan redet wie ein Buch und Jacky steht dem in nichts nach.

Ich wollte nicht die ganzen Tage in der Stadt bleiben. Und so fuhr ich am Freitag mit dem Bus nach Tepoztlán. Was für eine Aktion🙈 Die beiden brachten mich zum Busbahnhof Nord, wo es aber keinen Bus dorthin gab. Also setzten sie mich in die Metro, wo ich 30 Minuten zur Endstation an den Busbahnhof Süd gefahren bin. Dann ging es recht schnell, Ticket kaufen, aufs Klo und dann fuhr der Bus auch schon los. Nach gut einer Stunde war ich in Tepoztlán.

Das ging schneller als von der Haustür bis zum Busbahnhof.

Dort wollte ich dann eigentlich zur archäologischen Stätte Tepozteco, um mir die Mayaruine anzusehen. Aber ich war zu spät dran, der Aufstieg dauert eine Stunde und da ließen sie mich um 15 Uhr nicht mehr hoch, weil es um 18 Uhr ja schon dunkel wird. Also erst mal Mittagessen…


Dann hab ich mir ein Taxi zu den Wasserfällen De Los Venaditos genommen. (Hier sehr viel teurer als die Uber in Xela.) Und dann hatte ich auch noch das Pech, dass dort geschlossen war. Also ging es wieder zurück in die Stadt, wo ich noch durch die Straßen…

…und Läden bummelte. Und dann noch einen Weihnachtsumzug anschauen konnte. Schüler liefen tanzend, singend und Bonbonswerfend durch die Straßen…

… um Weihnachten, oder die Ferien einzuläuten. Ich hab da unterschiedliche Infos erhalten. Es hat sich ein bisschen wie Fasching angefühlt.

Am Samstag morgen bin ich von meinem Hotel Calli Sofi Posada (38 Euro) mit dem Minibus in die Stadt gefahren um zum Nationalpark von Teoptztco zu laufen…

Die Straße dorthin ist gepflastert mit Souvenierständen und dahinter Souveniershops. Und dazwischen Streetfood und Restaurants. Ich war aber so früh dran, dass viele erst begannen, aufzubauen…

Dann ging es hoch, über viele Stufen…


…durch Urwald, mit Glück auf Tiergeräusche. Denn es waren doch schon viele unterwegs auf den Berg. Und davon viele, die sowas nicht oft machen. Auch ich musste schnaufen, es ging auf über 2000 Hm. Und da pusteten doch einige…

Nach 40 Minuten war ich verschwitzt oben angekommen…

… Ich wollte gerade Frühstückspause machen, als einer anfing, über die Stätte zu berichten…

Ich war etwas faul an diesem Morgen. Habe es doch sehr genossen, mal nicht alles verstehen zu müssen/wollen. Hab mich berieseln lassen. Es ist so verrückt mit meinem Spanisch. Ich denke manchmal beim deutsch schreiben auf spanisch. Manchmal fallen mir während dem Telefonieren auf deutsch, die Wörter nur auf spanisch ein. Und irgendwie finde ich meine Satzstellungen manchmal komisch. Und ich merke erst jetzt, wo ich allein bin, dass es mich sehr viel Konzentration gekostet hat, dieses intensive Zusammmensein mit so vielen Menschen, die ich verstehen will. Wo nicht nur übers Wetter geredet wird, sondern tiefe Gespräche über die unterschiedlichsten Themen. Ich freue mich, dass das immer noch so gut funktioniert! Aber, es ist anstrengend!

Es ist ein kleiner Rest von einem Tempel…

…und die Anlage nicht sehr groß. Es wurden dann immer mehr Besucher, also bin ich wieder runter…

Hab die gute Luft genossen…


… und durfte dann im Hotel sogar noch duschen. Ich kam rechtzeitig am Busterminal an um noch ein Ticket zu kaufen und dann warteten sie auch schon auf mich und los gings zurück nach Mexico City.

Ich fand alleine zurück, mit der Metro. Die schon auch sehr eindrücklich ist. Die Masse an Menschen und die Schicksale von Menschen…

Abends sind der Papa und ich nochmal um die Ecke, zum Essen. Sowas krieg ich in Deutschland einfach nicht mehr…

Und wer dachte, die Bild Zeitung sei aufreißerisch – hier die Bild aus Mexico City…

Adiós Xela

Du hässliche, wundervolle Stadt

Am 3.12. kam der schwierigste Teil meiner Reise, die Verabschiedung von Familie Reyes Godinez. Blanca, Federico, Sergio und ich frühstückten nochmal zusammen. Es gab wie immer Porridge, Bohnenmus, Eier und Kochbananen. Ich packte meinen Rucksack, was eine Herausforderung war, aber nicht unmöglich. Ging nochmal schnell ins Zentrum…

…Geld abheben und dann war es soweit. Blanca und ich weinten. Sie, fest an meinen Bauch gedrückt, bedankte sich bei mir und sagte mir, wie gern sie mich hat. Alle hatten so viel liebe Worte, Worte der Dankbarkeit, der Zuneigung. Ich konnte einfach nur Danke sagen, hatte keine Worte auf spanisch, für all das was ich fühlte. Und einen zu dicken Kloss im Hals. Norma hat sich sogar aufs Sofa gestellt, damit sie mich auf Augenhöhe umarmen konnte. Sie war es dann schließlich auch, die dem Ganzen ein Ende machte und mit mir das Haus verließ, um auf mein Taxi zu warten. Und dann fuhr ich ein letztes Mal durchs Xelas Straßen. Im Bus telefonierte ich mit Marius, der auch etwas hilflos war, was sollte er denn auch sagen.

Xela ist hässlich, schmutzig, es fahren zu viel Fahrzeuge über holprige Straßen, die die Luft verpesten. Aber gleichzeitig ist sie ein bisschen Heimat für mich. Ich habe da „Familie“…

… Miriam, die Verbindung zwischen Familie und dem Paten Projekt…

… die nicht nur Privates mit mir teilt, sondern auch die Leidenschaft für dieses Projekt, für Mitmenschen, dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Sie aus der traurigen Lebenserfahrung Armut heraus, ich mit der Einfachheit privilegiert aufgewachsen zu sein. Auf Augenhöhe mit dem selben Ziel 🫶

Patenkinder mit ihren Familien ❤️…

…Freunde von vor 20 Jahren…

und neue Freunde…

…mit denen ich Unvergessliches erleben durfte…

Und all die vielen anderen, die mich auf der Straße angesprochen, gegrüßt, angelächelt, offensichtlich oder heimlich angestarrt haben…

Ich habe mich immer völlig willkommen und sicher gefühlt…

Und all diese Erinnerungen, die ich seit 23 Jahren und nun schon zum 6. Mal dort gesammelt habe, machen es mir sooo schwer💔

Es waren 5 h Fahrt bis Guatemala Stadt. Ich habe noch zu Abend gegessen und bin dann zu meinem Hotel „Mariana´´´ s Petit Hotel“ in Zona 13 (24 Euro mit Frühstück und Flughafentransfer), ganz in der Nähe vom Flughafen. Es war ein nettes, kleines Hotel. Endlich mal🙏 Mit Sonnenterasse und Aussicht auf einen Vulkan natürlich😍..

Von einem ehemaligen Army Piloten geführt. Der stur englisch mit mir sprach und ich ihm stur auf spanisch antwortete. Ein Hippie-Ehepaar aus Kanada war noch da. Wir unterhielten uns und ich schaute das Fußballspiel zwischen Xela und Costa Rica alleine in meinem Zimmer an. Ich wusste, was gerade in Xela passierte, es ging um den Meistertitel des Centro America Cup. Jeder hatte seit Tagen davon gesprochen. Xela verlor beim Elfmeter schießen und ich konnte die Enttäuschung von den vielen treuen Fans fast spüren.

Am nächsten Morgen frühstückte ich gemeinsam mit dem Ehepaar und einer deutschen Lehrerin. Wir hatten einen spannenden Austausch über unsere Reisen, wie das so läuft mit meiner Auszeit und ihrem Sabbatjahr. Und auch sie musste ich wohl treffen, denn sie erzählte mir von „Workaway“. Einer Plattform, wo man in über 170 verschiedenen Ländern als Volunteer arbeiten kann😍 Ich recherchierte dann auf dem Flughafen, was das so für Jobs sind. In Thailand kann man da so ziemlich alles machen, von Housesitting, über Elefanten-Pflege, Hundesitting, Sprachaustausch in Schulen, arbeiten auf dem Feld oder in Hotels und Hostels. Mal schauen, ob wir nicht bei unserer langen Reise in Thailand irgendsowas machen🙃 Man hat da eben auch die Möglichkeit, mit den Einheimischen und ihrer Lebensart in Kontakt zu kommen. Das wäre schön! „Nur“ Touri sein ist nicht das Gleiche. Marius und ich hatten schon drüber geredet, dass es für mich in Thailand ganz anders sein wird, wie es jetzt hier in Guatemala war. Ich war mittendrin im Leben, hatte einen Alltag, die Nachbarn haben mich gegrüßt, ich habe dazugehört. Und dann kamen natürlich auch andere Gedanken ins rollen. Ob wir auf diesem Weg vielleicht Unterstützung für Miriam bekommen können🤔 Ich muss das mal durchdenken, mit Miriam darüber reden. Das „Problem“ an der Sache ist, dass eigentlich überall Unterkunft und auch Mahlzeiten dazugehören. Und das weiß ich nicht wie wir das hinbekommen könnten. Mal reifen lassen…

Und dann war ich auch durch die letzten Kontrollen durch…

… und gönnte mir ein Abschiedsbier…

Selbst vom Flugzeug aus ist Guatemala unschlagbar schön 😍…

Hasta pronto 🫶

Zu wenig Zeit – und so viel Abschiede

Dienstag morgen fuhr ich mit dem Chickenbus Richtung Küste. Stieg in einem kleinen Dorf aus…

…um mich mit Lidia und ihrer Familie zu treffen…

Auch sie sind mit ihren 3 Kindern von Anfang an mit dabei…

Das Grundstück gehört inzwischen ihnen…

Sie leben dort mit vielen Tieren, die sie zum Teil verkaufen…

Es sind einfachste Verhältnisse…

…aber fließendes Wasser gibt es.

Auch einen Gemüsegarten…

In der Nachbarschaft auch einen Fischteich…

…und Bananen und Kokosnüsse im Urwald…

Ich bekomme von der ältesten Tochter Jessi Mittagessen gekocht…

Sie macht inzwischen eine Ausbildung zur Buchhalterin (was öffentlich ist und deshalb bezahlbar). Sie wäre gerne Stewardess oder Journalistin geworden (das ist privat, und deshalb keine keine Chance).

Ashley ist super schüchtern…

…und wie ihre große Schwester eine der Klassenbesten. Alex bekommt von uns weiterhin seine Medikamente finanziert. Sie sind sehr dankbar für die Hilfe, die sie bekommen. Und mir wird wieder bewusst, um was es wirklich geht. Jessi muss nun wegen ihrer Ausbildung in die nächste Stadt, was täglich ca. 3 Euro sind. Da reicht unser Betrag gerade mal für einen halben Monat. Deshalb muss sie jetzt auch in den langen Ferien (fast 3 Monate), arbeiten gehen, um ihre Familie zu unterstützen. Heute hatte sie sich frei genommen, um mich zu sehen. Genauso wie der Vater, wir haben uns noch nicht gekannt. Er arbeitet in der Nachbarschaft auf einem Hof…

Und wenn er anderswo Arbeit findet, kümmert sich Lidia um die Tiere. Er verdient im Monat ca. 34 Euro, arbeitet jeden Tag.

Sie begleiten mich zurück zum Bus….

…und ich verspreche, nächstes Mal mehr Zeit mitzubringen, damit sie mir die schöne Umgebung zeigen können.

Zurück in Xela treffe ich mich mit Miriam und Damaris…

Damaris wird im Januar anfangen, mit den Mädchen erstmal über Körperhygiene zu sprechen. Um dann in Themen, wie Periode, wie funktioniert der weibliche Körper und schließlich alles was Sexualität betrifft, einzusteigen. Ich freue mich sooo dass das klappt! Und bin unendlich dankbar, dass ich hier vor Ort so liebe Menschen habe, die das in die Hand nehmen🙏

Danach geht es zu einem neuen Patekind, Zuzely…

Sie hat Trisomie 21 und lebt mit ihrer Mutter im Haus ihrer Großeltern mit…

Die Mutter hält sich mit Nähen von Puppenkleidern über Wasser…

Gerade ist Hochsaison, da das Christkind hier an Weihnachten angezogen wird. Oft kann sie nicht Nähen, da sie kein Geld für die Stoffe hat.

Da die Kosten für den Schulweg so hoch sind, ist sie mit Zuzely zuhause. Es wären täglich 1,12 Euro, das ist der Betrag, den sie nun von uns bekommt. Da auch für behinderte Kinder die Schule erst wieder im Januar losgeht, schauen sie nun nach einem Schulplatz. Denn darauf bestehen wir. Die Mama kann Zuzely nicht alleine lassen und die Großeltern kommen nicht mit ihr zurecht. Deshalb kann sie nicht arbeiten gehen. Ich hatte gehofft, dass sie als Haushaltshilfe bei Blanca beginnt. Aber sie will 150 Euro im Monat für 3 mal 3 Stunden am Tag. Und das kann sich Miriam nicht leisten. Die mit ihrem Vollzeitjob monatlich ca. 300 Euro verdient.

Und weiter ging’s zu Isan und seiner Schwester Hassain…

Er Authist und sie mit Anzeichen derselben Krankheit…

Ich bin schockiert von den Lebensumständen…

Wenn es regnet, dann hilft die Folie, die sie zum Dach ausbessern genommen haben, auch nicht viel…

Wir unterstützen nun beide Kinder. Isan kann wahrscheinlich ab dem übernächsten Jahr integrativ auf eine normale Schule gehen. Dann fallen die Schulgebühren weg. Als wir uns verabschieden, wollen beide Kinder nicht, dass wir gehen.

Ich war völlig erschlagen. Und tief traurig. Als eine Frau auf der Straße, die gerade telefonierte, freundlich lächte und mich grüßte, liefen die Tränen. Miriam hat mich ganz schnell nach Hause geschickt, weil sie meine Tränen nicht ertragen konnte. Also verabschiedeten wir uns bis zum nächsten Mal 💔

Norma führte mich in ihr Lieblingsrestaurant (ein Steakhouse😅) zum Abendessen aus. Wir können so schön zusammen lachen. Aber wir kamen auch auf das Thema Kinder, was bei ihr ein (immer wieder) schmerzhaftes ist. Hatte keine bekommen können und ist dann mit 39 schon in die Wechseljahre gekommen.

Wir liefen noch ein bisschen spazieren. Sie wollte unbedingt dieses Foto machen…

Und dann habe ich mich nochmal mit Willian, Pablo, Luis und Maggi getroffen. Ein lustiger Haufen. Aber auch da blieben die harten Themen nicht aus. Willian hatte sich solange er in Guatemala lebte engagiert, um auf Umweltschutz, das Müllproblem, soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Er ist an einem Tag 7 mal den Vulkan Santa Maria hochgerannt, weil er wollte, dass man einen Nationalpark daraus macht. Hat Müllsammelaktionen am Vulkan gestartet und wurde verhaftet, weil er die vollen Mülltüten vor dem Rathaus abgestellt hat. Er ist von Xela nach Guatemala gejoggt um mediale Aufmerksamkeit für diese Themen zu bekommen und wurde in der Zeitung nur als Verrückter bezeichnet, aber worum es ging, wurde nicht erwähnt. Also hat er aufgehört, es über die Politik zu versuchen. Hat stattdessen zu NGO’s Kontakt aufgenommen und kleinere Projekte gestartet, wie zum Beispiel eine Kinderkrippe für alleinerziehende Mütter, damit diese den ganzen Tag arbeiten können🙏

Es funktioniert!!!

Am Sonntag machte ich mich wieder schick. Ich durfte mit auf die Abschlussfeier meines Patenkindes!

Ich hab mich so gefreut, das miterleben zu dürfen. Unsere Idee mit den Schulpatenschaften funktioniert also! Sie wird nächstes Jahr dann eine Ausbildung beginnen, wahrscheinlich zur Arzthelferin, was hier in Guatemala aber ausschließlich schulisch stattfindet. Sie hatte Mathe verhauen, konnte sich dann aber doch noch verbessern und ist somit nicht durchgefallen. Miriam hatte mir erzählt, dass sie nicht weiter zur Schule gehen möchte, sondern Arbeiten. Miriam hat ihr aber ganz klar gesagt, dass sie damit aus der Patenschaft raus fällt. Als ich mich am Freitag mit Estefany unterhalten habe, war mir schon auch klar, warum sie diesen Gedanken hatte. Sie hat „nur“ eine beste Freundin, das auch erst seit 2 Jahren. Sie hatte mir immer schon erzählt, dass sie eine Einzelgängerin ist. Und diese Freundin ist durchgefallen und wird jetzt arbeiten. Ich hoffe sehr, dass Estefany es durchzieht. Ihre Mutter hat lange bei Blanca und auch Miriam den Haushalt gemacht. Und keiner von der Familie spricht gut über sie. Franzisca, die Mutter, ist sehr fordernd und undankbar. Estefany hat wohl auch schon Nagellack und Schminksachen gestohlen. Auch von Blanca haben schon Ohrringe gefehlt. Sie sei es nicht wert, hat Eric mir gestern gesagt. Aber ich habe doch immer noch die Hoffnung, dass ihr unsere Freundschaft und die Möglichkeit, ein anderes Leben zu führen, als ihre Mutter, sie motiviert. Ich hatte ihr das so auch ganz klar gesagt. Dann kann sie sich Nagellack kaufen und muss ihn nicht stehlen.

Es war eine sehr förmliche Veranstaltung. Erst wurden alle einzeln auf die Bühne geholt, dann wurde die Nationalhymne gesungen…

…danach die Quetzaltenango Hymne. Dann sprach einer vom Ministerium, danach der Pfarrer und es wurde gebetet. Dann wurden die Jahrgangsbesten nochmal auf die Bühne gebeten und dann jedem einzelnen sein Zeugnis übergeben…

Und dann wurde jeder einzelne wieder verabschiedet. Ich war stolz und glücklich…

Für mich ging es dann zum Busterminal und ich fuhr im Chickenbus an den Lago Atitlan, den Vulkansee. Willian hatte mich eingeladen. Er war da mit Freunden, von denen ich auch noch zumindest einen kenne, von vor 23 Jahren. Schon der Busbahnhof ist ein Abenteuer. Ich habe mir was zu Essen gekauft…

…und mich mit der gesprächigen Verkäuferin unterhalten. Wo ich herkomme, wollte sie wissen, und welche Sprache man dort spricht. Und ob Deutsch das Gleiche ist wie Englisch. Ein Anderer hat gefragt, ob Deutschland so ungefähr 3 Stunden weit weg sei von Guatemala.

Die Anfahrt an den Lago Atitlan ist kurvig und wunderschön. In Solola nochmal umsteigen und in Panajachel dann ein Boot nehmen…

Das ist der übliche Transport in all die Dörfer am See mit den 3 Vulkanen…

Ich stieg für einen Euro mehr am Privatsteg aus und war im Paradies…

Lilian gehört dieses Anwesen…

Sie will es vermieten und Yogaretreats anbieten. Wir hatten einen gemütlichen Abend mit Essen…

… es wurde gesungen und natürlich auch noch getanzt. Am nächsten Morgen ging ich erst mal am Fuße des Vulkans San Pedro zum Schwimmen…

…und dann genossen wir den Tag an der Sonne, mit Kajak und SUP…

…in Hängematten und Liegestühlen…

Was für ein Luxus! Mir war es fast arg. Lilian ist die Freundin von Heizer, einer der besten Freunde von Willian. Sie hat ihn noch nicht gekannt. Und Willian hat aber Pablo, seinen besten Freund aus England, und mich mit dazu eingeladen. Ich bin mit leeren Händen gekommen und bin mit offenen Armen empfangen worden. Diese Gastfreundschaft hat mich schon vor 23 Jahren beeindruckt und geprägt.


Auf der anderen Seite dann aber auch wieder die chaotischen Latinos😅 Eigentlich war abgemacht, dass wir Montag Nachmittag mit dem Auto wieder zurück nach Xela fahren. Da aber Handwerker da waren, wollte Lilian noch bleiben. Und Pablo wollte unbedingt noch den Vulkan San Pedro besteigen. Also fuhren Luis, Maggi und ich alleine zurück. Und das natürlich auch etwas chaotisch. Es wurde vermutet🙈, dass von San Pedro aus ein Bus direkt nach Xela fährt. Um halb 6 abends. Also mit dem Boot nach San Pedro…

…wo es natürlich keinen Bus mehr gab. Wahrscheinlich ist der letzte um 11 Uhr morgens gefahren. Wir mussten also irgendwie an die große Hauptstrasse kommen…

Das bedeutete, von einem Dorf zum anderem mit einem Tuktuk, 3 insgesamt. Dann noch ein Minibus und schließlich saßen wir im Chickenbus nach Xela und konnten auch noch zahlen. Luis und Maggi hatten nur 10 Euro dabei. Auf dem Weg kein Bankautomat. Mit nur noch 5 Euro im Geldbeutel kamen wir Montag Abend in Xela an.

Ich aß mit Blanca und Federico zu Abend und machte mich dann auf den Weg in die Bar Tecun. Hatte noch einen Auftrag zu erledigen. Tobi wollte ein Bild von sich mit der ganzen Mannschaft an der „Ahnengalerie“ haben. Das hatte ich ausgedruckt und es bekam einen Ehrenplatz…

Ich war sehr sentimental, diese Bar war vor 23 Jahren Uli’s und meine Stammkneipe. Und ich hatte nur noch einen Tag in Xela. Uli hatte Nachtdienst, und so schrieben wir uns und schwelgten in Erinnerungen…

Ich verabschiedete mich vom ganzen Team. Was meine Stimmung auch nicht aufbesserte. Irgendwie auch ein bisschen „Zuhause“. Alle freuten sich jedes Mal wenn ich kam und freuen sich schon auf’s nächste mal.

Ich wollte mir wieder ein Uber bestellen. Hatte immer schon den Gedanken, mir mal ein Motorrad-Uber zu nehmen. Aber das war nicht nötig, denn einer der Jungs war mit seinem Motorrad da und hat mich heimgefahren. Ohne Helm durch Xelas Straßen😅 Sei vorsichtig, sagten sie mir jedesmal, wenn ich aus dem Haus ging 🤫

Zurück – Mitten im Leben – und kleiner Zeitreise

Mittwoch Abend habe ich mich noch mit Andrea (Baskenland) und weiteren aus der Gruppe wieder getroffen um ein Abschiedsbier zu trinken. Karin war nachmittags schon weiter gereist. Es war ein Spiel von Xelaju gegen eine Mannschaft aus Costa Rica und es gab überall Public Viewing…


Die Stimmung war völlig ausgelassen, Xelaju war kein Favorit und hat 1:1 gespielt. Die Menschen waren außer Rand und Band. In der Bar Tecun hat es Popcorns geregnet als sie den Ausgleich schossen. Ich wollte mir danach ein Uber nehmen, aber die Straßen waren voller Autocorsos. Also blieb ich noch und lief zufällig Willian über den Weg…

Er war damals auch Spanisch- und Salsalehrer und hatte Uli und mich vor ca. 20 Jahren in Deutschland besucht. Er lebt inzwischen in England und ist da sehr erfolgreich mit Salsa-Veranstaltungen und Unterricht.

Am 27.11. hatte Norma…

…ihren 60. Geburtstag. Dafür ging es mit allen in die Messe…


Ich fühlte mich wie ein seltenes Tier. Ich war die einzige Ausländerin, und wenn wir aufstehen mussten, dann war ich einen Kopf größer als alle anderen.
Danach Mittagessen im kleinen Kreis der Familie…


Und dann war der Sauerstoff für Blanca und Federico fast aufgebraucht. Ohne geht es keine Minute bis sie Atemnot bekommen. Und es ist für beide so anstrengend, dass sie im Erdgeschoß Pause machen müssen, bevor sie die Treppen zu ihrem Zimmer hochsteigen können. Das hat mich erschreckt. Zuhause, innerhalb ihrer 4 Wände, vermutet man es nicht, dass sie so fragil sind.
Ich hatte mir einen Schnupfen eingefangen und war doch ziemlich fertig von der Wanderung und ging, von Norma versorgt, mit warmen Socken und Tee früh ins Bett.

Am nächsten Tag hatte ich mich bei einem unserer Patenkinder angemeldet. Jazmin…

…ist von Anfang an dabei, jetzt 14 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter in einem bescheidenen Häuschen.

Die Oma ist sehr krank und kann nicht mehr arbeiten…

Flor, 42, steht immer früh auf, um zu Kochen und dieses Essen dann ab 6.30 Uhr morgens auf dem Markt zu verkaufen. An den Wochenenden begleitet Jazmin sie und bereitet Crepes zu. Wir haben zusammen gegessen…

Und die Oma hat mir viel aus der Bibel erzählt. Zu allem, was ich erzählt habe, hatte sie eine passende Passage aus der Bibel…

Wie auch schon früher, bewundere ich diese Kraft des Glaubens, der diesen Menschen hier Tag für Tag hilft, ihr Leben zu meistern. Und das sollte an dem Tag noch nicht die letzten Botschaften sein.
Mittags habe ich mich mit meinem Patenkind getroffen. Estefany, inzwischen 16. Sie hat am Sonntag ihren Schulabschluss und mich dazu eingeladen. Auf die Frage, was ich ihr Gutes tun kann, sagte sie, dass sie gerne noch Schuhe und ein Kleid hätte für die Feier. Also zogen wir los und kauften Highheels…


… und ein schwarzes, heißes Abendkleid. Ihre Augen leuchteten. Das ist wahrscheinlich so in dem Alter, sie wollen Prinzessinnen sein😍Auch Jazmin hatte am Morgen auf die Frage, was sie denn braucht, geantwortet, dass sie zu ihrem 15. Geburtstag gerne ein Kleid kaufen würde.
Die Kleidverkäuferin war eine junge hübsche Frau, die mich gefragt hat, ob ich an Gott glaube. Als ich das verneinte, fing sie an, mir zu erklären, was Gott ist. Sie wollte sich sogar mehr Zeit nehmen, aber ich lehnte ab. Bei vielem, was sie gesagt hat, bin ich völlig gleicher Meinung, aber für mich hat das eben nicht diesen Namen.

Während wir im Markt waren, gab es ein kleines Erdbeben. Die Lampen wackelten und es fühlte sich ein wenig so an, wie wenn man vom Laufband runtergehen.

Abends habe ich mich mit Milton getroffen…

…auch ein Spanischlehrer von damals. Er ist immer noch Spanischlehrer, macht nun aber am Wochenende eine Technikerschule. Er will endlich mal was anderes arbeiten.


Genauso wie Jorge…

…den ich am Morgen drauf zum Frühstücken getroffen habe. War so schön, in Erinnerungen zu schwelgen! Auch er ist immer noch Spanischlehrer, gelangweilt davon. Aber auch nicht so wirklich eine Idee, was sonst tun im Leben. Es ist schon spannend zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Edy und Willian haben es geschafft, aus diesem Leben auszubrechen und ihren Weg zu gehen. Und die 2 anderen hängen in einer Dauerschleife fest. Fühlen sich verantwortlich für ihre Mütter, bei denen sie beide noch leben. Keiner von ihnen ist verheiratet.

Dann musste ich noch ein paar Einkäufe erledigen und meine neu erworbenen Schuhe putzen lassen…


Ich war nämlich am Abend auf einen 15. Geburtstag eingeladen. Der wird hier, zumindest in katholischen Kreisen, groß gefeiert und Norma und Blanca haben mich fast komplett neu ausgestattet…

Ich hatte mir einen wunderschönen Rock gekauft, und Flip Flops dazu anzuziehen geht hier gar nicht. Die Inigenas laufen mit Sandalen herum. Ich hatte sie ausgelacht, weil ich nicht mal in Deutschland Schuhe in meiner Größe fand. Aber da ja die Secondhand Läden Ware aus der USA haben, fanden wir dann zumindest noch weiße Sneaker.

Und dann ging es mit Erik, dem Enkel von Blanca, und seiner Freundin auf die Party…


Ein Teil der Familie war auch mit dabei…

Es war wie auf einer Hochzeit bei uns. Mit Feuerwerk, Mariachi-Band…


Tanzen und viel Alkohol. Auf jedem Tisch stand eine Flasche Rum + 3 l Colaflaschen und irgendwann lief die Oma vom Geburtstagskind rum und verteilte Tequila. Aus der Flasche direkt in den Rachen…

Andere Länder, andere Sitten!

La Torre (3800 Hm) – Todos Santos Tag 4 + 5

Auch zu 12. in einem Raum war es ruhig zu schlafen gewesen. Und warm. Und nach eine frühen Frühstück ging es mit Diego, dem älteren und wesentlich schüchternen Bruder von Timoteo, los. Timoteo…

…hatte an dem Tag seine Abschlussfeier. Sonst wäre er auch mitgekommen. Die Brüder (14 und 12 Jahre) besteigen den Berg ca. 3 mal die Woche.

Die Luft war frisch, aber dünn, und die letzten 600 Höhenmeter ging es Schritt für Schritt einfach weiter…


Abends fragt man sich, ob man es wohl noch hinbekommt. Aber am nächsten Morgen, mit dem aufgeschnallten Rucksack auf dem Rücken, kommt man ganz schnell wieder in den Flow. Die Stöcke helfen dabei ungemein…

Nach ca. 2 h konnte ich die Spitze erahnen und blickte zurück und japste nach Luft, weil diese Aussicht…

… durch die Bäume zum Teil noch verdeckt, mir Tränen in die Augen trieben. Aber ich habe sofort gemerkt, dass Weinen auf dieser Höhe einem den Atem raubt, also schluckte ich den Kloß runter und ging die letzten paar Meter auf die Anhöhe. Dann konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Karin war schon oben und auch am Weinen. Und so fielen wir uns in die Arme, weinten und lachten gleichzeitig. Es war so schön, diese überwältigenden Gefühle zu teilen.
Es war so ein magisch schöner Ausblick…

… gleichzeitig die ganzen Horrorgeschichten im Hinterkopf. Den höchsten Punkt der Wanderung erreicht zu haben, gleichzeitig der höchste Punkt in meinem Leben. Stolz, es geschafft zu haben, dankbar meinem Körper und mir gegenüber, dass er so fit ist und ich mir die Zeit dafür nehme, ihn fit zu halten.

Wir hatten so ein Glück, mit der ganzen Tour. Die Guides haben vieles zurück gehalten, weil es schon passiert ist, dass der Fluss kein Wasser hatte, dass der Chickenbus nicht da war und sie sich in einen Pickup quetschen mussten. Und auch hier oben ist es schon so gewesen, dass es nur geregnet hat, und sie unter einer Plane Kaffee gekocht haben und dann weiter sind. Auch war es oft nebelig. Wir konnten 2 Stunden lang die Sonne und die Aussicht genießen…

Und das hier ist mein schönster Pinkelplatz ever…


…hat den in Namibia abgelöst.

Und dann ging es auf das Endziel zu, nochmal gute 2 h bergab. Nun durch bemoosten Wald…


und durch ein Flüsschen…


Bis zu diesem Picknick-Platz…


mit Infinitypool…


Diegos Mutter hatte Mittagessen für uns gekocht, Bohnen, Eier und Tortillas.
Unterhalb des Rastplatzes kam noch einmal eine Überraschung, ein leiser, perlender Wasserfall, bzw. viele kleine Wasserfälle in einem…

Unten angekommen mussten wir noch eine Weile auf unser Shuttle warten und dann ging es mit 12 Menschen im 9-Sitzer nach Todos Santos. Wo ich vor 21 Jahren schon mit Uli war. Zu Allerheiligen, wo dort ein verrücktes Pferderennen stattfindet…

Wir durften unser Hotel beziehen und nach einer Dusche und einem verdienten Bier…

…erkundeten wir noch etwas das bunte Dorf…

Abends gab es noch ein gemeinsames Abendessen. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück gingen wir noch kurz auf den Friedhof…

Fast alle Gräber mit USA Farben und Flagge bemalt. Da auch hier fast jeder ein Familienmitglied in den USA hat, und somit etwas „Wohlstand“ eingekehrt ist, wird die USA verehrt.

5 Stunden ging es, im unbequemen Shuttle, zurück nach Xela.

Was für ein Abenteuer, dieser Hike, was für eine tolle Gruppe…


…und neue Freundschaften für weitere Reisen geknüpft…

Noch mehr von allem – Tag 3

Alle waren verwundert wie ruhig die Nacht zu zehnt in einem Raum war. Niemand hat geschnarcht! Nach dem Frühstück um 6 ging es weiter durch die Hochebene mit unendlichen Wacholderbüschen…

Vorbei an einem Friedhof…

…wieder zurück in die Zivilisation…

Und dann ging es bergab durch kleine Dörfchen…

Aus viele Familien arbeitet mindestens einer illegal in den USA. Das sieht man an den schönen Häusern (die werden oft nicht fertig gebaut, denn sobald ein Haus fertig ist, müssen Steuern gezahlt werden) oder den fetten Pickups, denn sie schicken Geld an ihre Familien. Aber das ist riskant, es gibt viele, die einfach „verschwinden“. Sei es, dass sie schon beim illegalen Übergang zur Grenze in der Wüste sterben, oder inhaftiert werden und über Monate ohne wirkliche Anklage festgehalten werden. Mit dem aktuellen Präsidenten ist es nicht leichter geworden.

Und dann wurden wir alle überwältigt durch die Aussicht auf den Fluss, der uns als Platz für die Mittagspause angekündigt wurde…

Wir sind dort im kalten Wasser baden gegangen…

… und haben zu Mittag gegessen. Dann ging es wieder bergauf…

…und war weiterhin einfach wunderschön…

Nach 2 h Aufstieg wurden wir mit was ganz besonderem belohnt. Um zu unserer nächsten Unterkunft zu kommen, mussten wir eine gute Stunde fahren. Und die erste halbe Stunde ging’s durchs Hinterland und wir durften auf einem Chickenbus mitfahren…

Wir hatten so einen Spaß, alle winkten uns zu und wir stellten uns vor, was die Menschen wohl wieder dachten 😅 12 Gringos winkend und glücklich auf einem Chickenbus. Was eigentlich verboten ist. Deshalb mussten wir auch, nach wunderschönen Aussichten auf Landschaft…

… Menschen, bunten Friedhöfen…

…am Rande des Dorfes wieder runter…

In La Ventosa (3400 Hm) hatten wir eine Unterkunft in einer indigenen Familie…

Toilette wieder über der Straße…

…und „Bad“ am Spülbecken an der Straße…

Heute durften wir wieder eine Maya-Sauna genießen. Allerdings sehr viel robuster als die erste…

Und der Eingang war sowas von niedrig, dass unser Jüngster und Größter, Mühe hatte,überhaupt rein zu kommen…

Nach dem Abendessen haben uns die Guides auch die Geschichte vom Hausherren vorgelesen. Die uns alle ziemlich erschlagen hat. Don Geronimos Geschichte: “ Es war 1982, als fünf Männer in unser Dorf La Ventosa kamen. Zwei von ihnen trugen die gleiche Kleidung wie ich und stammten aus Todos Santos. Die anderen waren wie Ladinos gekleidet und kamen aus anderen Teilen Guatemalas. Sie versammelten alle Dorfbewohner und begannen, mit uns zu sprechen. Zunächst erklärten sie, dass sie selbst nicht die Guerillas seien, sondern nur Kontaktpersonen für sie. „Ihr wisst, Leute, dass die Reichen, die in der Nähe der Pazifikküste leben, das gleiche Gemüse anbauen wie ihr. Warum ist es also so, dass sie reich und ihr arm seid? Warum haben sie das Privileg, all ihre Lebensmittel zu exportieren, und wir nicht? Ihr geht 3 oder 4 Monate im Jahr arbeiten und verdient fast nichts. Ihr lebt unter sehr schlechten Bedingungen und verhungert fast. Warum können sie mehr verdienen als wir? Und warum unterstützt die Regierung das?“ – All das war wahr. La Ventosa bekam erst 1993 fließendes Wasser und Strom, und die Straße zum Haus wurde erst 2005 gebaut. Die Frage kam, warum sie uns all das sagten: „Weil wir, meine Freunde, das beenden wollen. Und wir denken, dass wir das können. Wir wollen das Land unter uns neu verteilen, wir wollen mehr Rechte für die Armen, mehr Vorräte, mehr Möglichkeiten… Wir sind hier, um neue Genossen zu finden. Wir bitten euch, uns zu helfen.

Ihr müsst nicht kämpfen, habt keine Angst. Dafür haben wir Profis. Das Einzige, was ihr tun müsst, ist, uns Unterkunft, Essen zu geben und uns beim Sabotieren zu helfen. Ihr könnt nur gewinnen. Ihr werdet nicht sterben. Wenn der Krieg kommt und die Flugzeuge eintreffen, können wir uns in den Höhlen in den Bergen verstecken. Wir kennen die Berge wie sonst niemand, das könnt ihr mir glauben, meine Freunde. Wir bitten euch nur, die Straßen zu blockieren, die Brücken zu sabotieren und alle möglichen Hubschrauberlandeplätze zu verdecken.‘

Wir waren erstaunt, wir standen alle da und unsere Augen waren weit geöffnet… Wir hatten tatsächlich nichts zu verlieren, und wir stimmten zu. Danach erstellten sie eine Liste, in einer Spalte schrieben sie unseren Vornamen auf und in einer anderen Spalte gaben sie jedem von uns einen Codenamen.

In der Nacht des 12. März wachte ich mitten in der Nacht auf. Menschen schrien und riefen auf den Straßen. Meine Frau, die sechs Tage zuvor ein Baby geboren hatte, sagte mir, ich solle drinnen bleiben. Ich öffnete die Tür ein kleines Stück und sah mehrere Fackeln auf der Straße. Das Schreien und Rufen hörte nicht auf, die Soldaten kamen…

‚Öffnet die Tür!‘ – eine laute Stimme auf der anderen Seite der Tür klang sehr bedrohlich. Ich öffnete die Tür und sie forderten mich auf, meine Waffe abzugeben. ‚Aber Sir, ich habe keine Waffe.‘ ‚Wir wissen, dass du den Guerilleros hilfst, ihr Leute habt alle Straßen blockiert und die Brücken sabotiert. Gib deine Waffe ab oder wir werden dich töten!‘ Nach einer Weile glaubten sie mir und nahmen mich mit auf den Platz. Viele junge Männer und ältere Männer und Frauen waren dort versammelt. Ich erkannte meinen Onkel. Die Soldaten hatten eine Liste bei sich, wir haben nie erfahren, wer sie ihnen gegeben hatte. Sie fragten jeden von uns nach unserem Namen. Wenn dein Name auf der Liste stand, warst du ein Guerillero. Drei Menschen aus unserer Gemeinschaft wurden ausgewählt. Die Soldaten zwangen sie, ihre Köpfe auf einen Stein zu legen, und zerschmetterten ihn mit einem anderen Stein. Sie starben sofort. Eine Frau bekam solche Angst, dass sie versuchte wegzurennen; die Kugel traf sie in den Kopf und ihr Baby fiel zu Boden. ‚Das ist ein Beispiel für all jene, die nicht gehorchen‘. Danach holten sie meinen Onkel heraus (der unschuldig war), weil er eine Narbe über seinem linken Auge hatte (von einem Unfall in der Kindheit). Sie beschuldigten ihn, der Anführer der Guerilleros zu sein, wegen dieser Narbe. Sie sagten ihm, wenn er nicht die Informationen geben würde, die sie wollten, würden sie ihm die Zunge herausreißen…10 Minuten später weinten alle Menschen und mein Onkel wusste nicht, wovon sie redeten. Sie rissen ihm die Zunge heraus, Zentimeter für Zentimeter. Nach einer Weile stachen sie ihm mit einem Gewehr in den Bauch, mein Onkel fiel zu Boden. Sie fesselten seine Hände hinter seinem Rücken und banden ihn an eine Holzstange. Sie schlugen ihn weiter, bis er nicht mehr reagierte und tot zu sein schien. Um zu prüfen, ob er wirklich tot war, verbrannten sie die Ohrläppchen und stachen ihn in den Rücken mit einem Messer. Er reagierte nicht. Danach wickelten sie ein Seil um seinen Hals und erwürgten ihn.

Nach dieser Folter verließ uns die Armee und warnte uns, uns nicht mehr mit den Rebellen zu verbünden, sonst würden sie zurückkommen und uns bestrafen. Nachdem sie gegangen waren, nahm ich meinen Onkel zu mir nach Hause und setzte ihn neben das Feuer. Wir lösten das Seil um seinen Hals und begannen, seine Wunden zu säubern. Plötzlich begann er langsam zu atmen. Nach etwa einer Stunde sprach er schließlich und sagte: ‚Ich bin immer noch am Leben.‘ Er wurde im Laufe des nächsten Tages stärker, obwohl wir immer noch Angst hatten, dass er sterben würde. Er litt große Schmerzen, aber es gab kein Krankenhaus oder keinen Arzt, zu dem wir ihn hätten bringen können. Wunderbarer Weise lebt er bis heute. Er ist jetzt 73 Jahre alt (2013). Obwohl mein Onkel überlebte, wurden in dieser Nacht viele Menschen getötet. In Todos Santos konnten sich die Menschen in den Bergen verstecken, aber die Armee ging in die Stadt und brannte das ganze Stadtzentrum nieder… Es war eine Nacht des Terrors. Wir hatten Glück, dass wir noch leben, und das war die einzige schreckliche Erfahrung, die wir hatten. In den umliegenden Dörfern und in Nebaj war es viel schlimmer.

Am nächsten Tag ging die Armee zurück nach Todos Santos und verhaftete viele Menschen. Sie wurden in das Kirchengebäude und ins Gefängnis gebracht. Niemand wusste, was mit ihnen geschehen sollte. Doch in der Nacht gibt es eine Rede von General Ríos Mont im Radio. Er hat gerade in Guatemala-Stadt die Macht übernommen und ist der neue Präsident. Er befahl allen Soldaten, in ihre Stützpunkte zurückzukehren und die Zivilisten unversehrt zu lassen. So verlässt die Armee Todos Santos und lässt die Gefangenen frei. (Aus diesem Grund mögen die Menschen in dieser Gegend Ríos Mont tatsächlich.) Am nächsten Tag kehren die Guerilleros nach La Ventosa zurück und beginnen, die Menschen zu befragen. Sie wollen herausfinden, wer die Liste an die Armee weitergegeben hat. Sie beschuldigen einen unschuldigen Menschen und töten ihn. In den darauffolgenden Nächten verschwinden weitere acht Menschen aus ihren Häusern und werden tot aufgefunden. Während seiner Herrschaft richtet Ríos Mont die Zivilpatrouillen (EX-GAP) ein. Für die nächsten 14 Jahre und 7 Monate muss Geronimo diese Arbeit verrichten; sie werden nicht bezahlt, sie erhalten keine medizinische Versorgung und müssen sehr hart arbeiten. Jede zweite Nacht müssen sie auf Patrouille gehen, um einzugreifen, damit die Einheimischen keinen Kontakt zur EGP aufnehmen können. 1995 trifft die UN ein, um die Friedensgespräche voranzubringen. Sie geben Geronimo einen Job als Wächter des Funkturms auf La Torre. Am 29. Dezember 1996 hört Geronimo die Unterzeichnung des Friedensabkommens im Radio, während er sich oben auf La Torre befindet. Er weint vor Freude. Die Versprechen des Friedensabkommens wurden jedoch nicht eingelöst. Es gab Versprechen zur Verbesserung der Bildung, der Sozialfürsorge, der Altenpflege, des Transportwesens usw., und keines davon wurde umgesetzt. Viele Spenden aus Europa und den USA gingen in der korrupten Regierung von Guatemala-Stadt verloren.

Geronimo wohnt in diesem Haus das einem seiner Söhne gehört, der illegal in den USA arbeitet. Er arbeitet dort seit neun Jahren ohne Visum oder Pass. Sie haben nur selten Kontakt, und er weiß nicht, ob er jemals zurückkommen wird. Geronimo nahm 2002 Kontakt mit den Quetzaltrekkers auf und freut sich sehr über das zusätzliche Einkommen, und empfängt gerne Ausländer in seinem Haus. Er möchte uns eine letzte Botschaft mitgeben:

1. Zunächst möchte er Gott danken. Geronimo ist ein sehr gläubiger Mensch.

2. Er dankt uns allen, dass wir nach Guatemala gekommen sind und uns für seine Geschichte interessiert haben. Guatemalteken sprechen im Allgemeinen nicht gerne über dieses Thema, aber er hält es für sehr wichtig.

3. Er bittet uns, nichts als selbstverständlich anzusehen. Wir Westler haben viele Möglichkeiten, und wir sollten das Beste daraus machen. Er will nicht unser Mitleid, sondern möchte, dass wir das, was wir haben, wertschätzen

4. Schließlich möchte er uns klarmachen, dass die indigenen Völker immer noch kämpfen. Es herrscht immer noch ein Klassenkampf in Guatemala

Bilderbuch und Horrorgeschichte – Wanderung Tag 2

Am nächsten Morgen ging es gut ausgeruht, nach einem Frühstück weiter. Erst noch relativ gemütlich…

…ins nächste Dorf…

… mit „Tankstelle“…

Dann steil bergauf…

Andere hatten auch Spaß…

Und für wieder andere war es harte Arbeit…

…Alltag…

Nach ungefähr 3 h haben wir dann die Hochebene erreicht…

…und wurden von den Guides mit Essen versorgt…

Das Essen war zum Transport zwischen uns allen aufgeteilt worden. (Es hat sich zum Schluss rausgestellt, dass die Frühstückszutaten zu schleppen, die schlechteste Wahl war, die schleppt man nämlich bis zum letzten Tag 🤷‍♀️, wie ich die Erdnussbutter)

Und dann ging es über die Hochebene weiter…

Es war wunderschön anzusehen, die Luft duftete herrlich nach Pinien und man hat jeden Vogel gehört, so still war es.

Aber die Gedanken an das was hier passiert ist, begleiteten mich und wogen teils schwerer als mein Rucksack. In diesem Bürgerkrieg starben über 200.000 Indigenas. Für 97% war das Militär, also die Regierung, verantwortlich. Die restlichen 3% starben durch die Guerillas. Die schlimmste Zeit war von 1982-83. Der Präsident damals hat die meisten Menschen töten lassen. Rote Erde hinterlassen, und das auf grausamste Weise. Morgens sind die Männer auf die Felder. Als sie abends heimgekommen sind, waren alle Frauen, Kinder und Alten weg. Sie fanden sie ertränkt im Wasserspeicher. In einem anderen Dorf wurden alle Männer auf dem Dorfplatz zusammengetrieben und hingerichtet. Danach wurden die Frauen gezwungen, über die Leichname ihrer Männer zu laufen. Unvorstellbar…

Und auf dieser Anhöhe gab es ein Massegrab, vermutlich von dem Dorf, durch das wir kamen…

…Völlig abgeschieden. Damals für die Guerillas der Platz, um sich vor dem Militär zu verstecken. Welches auch die ganzen Pinienwälder abgebrannt hat, um den Guerillas keinen Zufluchtsort zu lassen.

Quetzaltrekkers, mit denen ich die Tour unternommen habe, geben nicht nur alles Geld, was übrig bleibt nach Kost und Logis, an Projekte für Straßenkinder ab. Sie haben diesem Dorf Solarpanele gesponsert für die öffentlichen Gebäude…

…dass sie wenigstens dort Strom haben. Leider findet Schule trotzdem nur selten statt, da die Lehrerin aus Nebaj kommt, den ganzen Weg mindestens 1 mal in der Woche auf sich nehmen muss, keinen Komfort hat und die Bedingungen zu unterrichten schwierig sind. Es fehlt an Material, die Schüler sind zwischen 6 und 16 Jahren in einer Klasse, und wenn Hilfe bei der Ernte gebraucht wird, dann kommt auch keiner. Auch die Bezahlung ist schlecht, also gibt es oft einfach keine Schule.

Wir kamen nachmittags in Chortiz an (3200 Hm)…

Unsere Unterkunft war ein Gebäude der Gemeinde…

Es gab nur ein Klo auf der gegenüberliegenden Seite der Straße und keine Dusche.

Irgendwann kamen die Wolken…

Nach dem Abendessen gab es noch Marshmallows überm Lagerfeuer in einer Wellblechhütte. So wurde unser Körpergeruch vom Rauch überdeckt und da es weiters nichts zu tun gab, wir hatten schon mehrere Runden Karten gespielt, und fast alle erledigt waren, ging es um halb 8 ins Bett. Unser Jüngster (24 Jahre), völlig entsetzt…

Ich hatte inzwischen in Karin aus Deutschland nicht nur eine gute Bettnachbarin gefunden🙏

Wanderung Nebaj – Todos Santos

Am Samstag Morgen um 5 gab’s Frühstück im Büro der Quetzaltrekkers. Um 6 Abfahrt nach Nebaj, ca. 5 h auf kurvigen Straßen mit teils fehlendem Belag. Wenig Platz…

…und die Rückenlehne endete Mitte Schulterblatt. Also keine Möglichkeit, Schlaf nachzuholen.

In Nebaj (1900Hm) gab es dann ein schmackhaftes traditionelles Mittagessen…

Und dann kam noch ein Mädchenchor vorbei, die gehört hatten, dass eine Gruppe Touristen kommt, und uns ihre Lieder vortrugen😍…

„This land is your land, this land is my land“ sogar auf englisch, spanisch und Ixil. Die Sprache der Indigenas dort. (Es gibt ca. 22 Sprachen der Indigenas in Guatemala, die sind so verschieden, dass die unterschiedlichen Gruppen spanisch miteinander sprechen)

Und dann ging der Schaulauf los. 12 Gringos mit Rucksack und Wanderstöcken😆…

…Ich hätte gerne gewusst, was die sich gedacht haben.

Wir liefen ca. 3 h…

…bis Acul (2300Hm), wo wir die erste Nacht in der Unterkunft von Doña Magdalena schliefen…

Sie hat uns auch bekocht…

Wir spazierten noch zu einer Käserei (von Schweizern geführt)…

…wo unsere 2 Guides Käse für die nächsten Tage kauften.

Und dann gab es das große Highlight, eine Maya-Sauna. Dort wird in einer kleinen Hütte Wasser über Feuer erhitzt und damit wäscht man sich dann. Dampf gibt es keinen. Wie herrlich!

Danach gab es die ersten Einblicke in die Geschichte dieser Region während dem 36jährigen Bürgerkrieg von 1960 bis 1996.

Der Präsident hat zu Beginn die Bauern enteignet (wiedereinmal) und das Land zwei großen Konzernen gegeben, die das Obst und Gemüse ins Ausland exportierten und den Arbeitern wenig Gehalt bezahlten. Daraufhin hat der Mittelstand eine Rebellion begonnen. Sie haben sich als Guerillas in den Bergen und Wäldern dieser Region versteckt und gegen das Militär gekämpft. Wer dabei ins Kreuzfeuer gekommen ist, waren die Indigenas, die dort lebten. Und die Geschichte von Doña Magdalena ist folgende: „Ich wurde in Acul geboren, ebenso wie meine Eltern. Ich lebe jetzt dort mit meiner großen Familie und betreibe das Hostal y Comedor Magdalena. Mein Mann arbeitet für die San Antonio Hacienda (Milchviehbetrieb). 1982, während des bewaffneten Konflikts, musste ich Acul wegen Gewaltandrohungen verlassen. Ich ging mit meinem ein Monate alten Baby und meiner Schwiegermutter zu einem sehr abgelegenen Haus in den Bergen. Wir bauten Mais an und hielten Hühner. Ich dachte, ich wäre dort sicher, weil es so weit entfernt war.Wir blieben etwa sechs Monate, aber eines Tages umzingelte die Regierungsarmee das Haus und sagte uns, wir hätten zwei Wochen Zeit zu fliehen, bevor weitere Soldaten kommen und alles zerstören würden. Die Armee bot uns an, uns mit einem Hubschrauber nach Nebaj zu fliegen, also gingen wir, obwohl wir das nicht wollten. Ich fühlte, dass ich keine Wahl hatte, und hatte große Angst. In Nebaj wohnten wir in einem Zimmer im Haus einer Frau, hatten aber nichts. Ich war frustriert, weil ich keine meiner Habseligkeiten hatte und keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Schließlich fand ich Arbeit als Haushaltshilfe, und meine Schwiegermutter half in einer örtlichen Bäckerei. Es war sehr hart. 1983 beschloss mein Mann, mit der Molkerei auf eine Farm in der Nähe von Guatemala-Stadt zu gehen, wo wir Land angeboten bekamen, um weiter Landwirtschaft zu betreiben und Käse herzustellen. Ich ging mit ihm, und wir blieben dort elf Jahre. In dieser Zeit kauften wir zwei Kälber, die wir am Ende für 2500 Quetzales pro Stück verkauften und das Geld als Ersparnis behielten. 1994 kehrten wir nach Acul zurück und lebten in einem Zimmer auf der Hacienda mit unseren drei Kindern. Der Besitzer dieses Hauses bot uns dann an, es zu kaufen. Er dachte, wir müssten Geld haben, da wir in der Hauptstadt gelebt hatten. So kauften wir dieses Haus 1996 für Q5000. Ein paar Jahre später liefen einige Touristen durch Acul und fragten, ob es einen Ort zum Übernachten gäbe. Das brachte mich auf die Idee, ein Hostel einzurichten. Im Jahr 2002 unterstützte eine europäische Institution lokale Familien und half uns, Betten, Tische und Bänke zu kaufen, um das Hostel aufzubauen. Seitdem betreibe ich mein Hostel. Der Comedor (Speiseraum) wurde vor 5 Jahren gebaut, und die kleine Hütte wurde vor 3 Jahren hinzugefügt.“