Der Süden

Für Donnerstag war Regen angesagt. Wir beschlossen, an diesem schönen Fleckchen Erde zu bleiben und faul zu sein.
Wir halten es so gut aus in unserem Fordinand, es ist genug Platz um sich da einen Tag drin aufzuhalten.
Aber das Wetter war wieder besser als angekündigt. Es tröpfelte nur ab und an, sogar die Sonne kam mal raus. Das nutzten wir, um unsere Außendusche zu benutzen. Nur der Wind, der vom Meer her kam, war kühl.
So wie in Himara schon viel mehr Womos unterwegs waren, kamen den ganzen Tag Touristen vorbeigewandert, hielten sich am Strand auf. Und brachten ihre ganzen Gerüche mit. Wenn man sich so viel in der freien Natur aufhält, ist es ein – nicht immer schönes Sinneserlebnis – wenn plötzlich wieder so viele Menschen um einen herum sind. Selbst im Fordinand, mit geöffneter Tür, roch ich die verschiedenen Parfums. Das eine Pärchen roch auch noch, als beide im Wasser waren. Das Angenehmste waren die, die nur nach frischer Wäsche rochen.

Das Ausmaß an Campern war Gesprächsstoff, wie schon so oft. Erst dieses Jahr wurde das Wildcampen in Griechenland verboten. Und wenn ich mir anschaue, wie sich alles selbst an 4×4 Spots ballt, bin ich gespannt, wie lange die Albaner das noch so dulden. Momentan scheint es den meisten völlig egal zu sein. Es wird gewunken, man wird herzlich Willkommen geheißen. Wir genießen es, da zu bleiben, wo es uns gefällt. Wir versuchen auch, uns so zu verhalten, dass es niemanden stört. Und danach keiner merkt dass wir da waren…

In vielen Ländern war das ja das Problem, der hinterlassene Müll (wobei ich mir in vielen Ländern sicher war, dass das wenigste von Campern war) und, vor allem die „großen“ Hinterlassenschaften. Wenn die Einheimischen aufpassen müssen, wenn sie vom Parkplatz ans Meer laufen in keine „Tretminen“ zu stehen, dann wird man wütend.

Wir unterhielten uns noch viel über die Tiere, denn auch Schafe zogen an uns vorbei. Was für ein Leben, könnte man meinen. Auch die Hühner laufen in Albanien frei umher, auf den Straßen stehen gemütlich vor sich hin malmende Kühe. Abends sieht man, meist die Frauen, die ihre Ziegen, Schafe, Kühe wieder einsammeln und nach Hause bringen. Aber dann wird auch mal mit Ruten draufgehauen. Ein Esel hat uns beiden das Herz gebrochen. Er war angeleint, starrte vor sich hin. Und, seine Vorderläufe waren zusammen gebunden. Auch Pferde standen einzeln angebunden an Straßenrändern, standen da halt. Wir diskutierten, ob die Straßenhunde nicht vielleicht doch besser dran waren… Die konnten sich wenigsten frei bewegen, den Menschen aus dem Weg gehen. Katzen können sich eh selbst versorgen. Die angebundenen Nutztiere haben wahrscheinlich weniger Hunger, aber von artgerechter Haltung ist das was wir gesehen haben, weit entfernt. Arme, schutzlose Tiere😪

Und dann gab es viel Redebedarf übers Wetter. Es war vor unserer Abreise kein Regen angesagt, immer Sonne und über 20 Grad. So war es ja nun nicht immer. Aber, wir wollen uns gar nicht beschweren, letztendlich, immer besser als angesagt. Um 18 Uhr ist es hier in Albanien schon dunkel, so dass wir nur an den wenigen Abenden mit Lagerfeuer, länger draußen gesessen sind. Wenn wir nächsten Herbst länger losziehen wollen, bis in den Dezember rein, wo können wir dann mit Fordinand hin? Den Sommer in Europa bis in den Dezember rein zu verlängern, das haben wir nun realisiert, wird nicht möglich sein. Um das Camper Leben zu führen, wie wir uns das vorstellen, reichen ja auch die 20 Grad Plus/Minus. Die Länder, wo Wild Campen erlaubt ist, sind um diese Jahreszeit aber auch schon eher herbstlich. Spanien, Portugal, Marokko ist eine Möglichkeit. Griechenland, Türkei und Georgien… Wir werden das nun beobachten… Aber der Balkan, Rumänien, Bulgarien wird schwierig.

Und dann hat uns der Freitag mit Sonnenschein und ruhiger See begrüßt. Das hieß, aus dem Bett fallen, schwimmen gehen…

…Frühstücken, nochmal Schwimmen. Bis dahin hatten wir die Bucht für uns allein. Dann, gefühlt, fielen die anderen Touris wie Heuschrecken ein.


Es ging weiter Richtung Süden. Wir hatten nämlich beschlossen, mit der Fähre heimzureisen. Es war eine schwierige Entscheidung, weil wir uns nicht einig waren. Also gab es eine Pro/Contra-Liste, die auch kein eindeutiges Ergebnis lieferte…
Ich setzte mich durch und hoffe nun, dass wir es nicht bereuen.

Die Fahrt zurück in die Zivilisation war gut machbar, obwohl es nachts geregnet hatte…

Aber unser Fordinand meistert diese Strecken wunderbar 💪 Auf ihn ist Verlass, schraubt sich bisher über jedes Hindernis.

Wir wollten uns auf dem Weg eigentlich noch das Bergdorf Lukova anschauen, haben dann aber vor lauter Straßenhunde füttern…

wir mussten die Tüte leer machen, da man in die EU ja keine tierischen Erzeugnisse mitnehmen darf

… die Abzweigung verpasst. Also Planänderung, Mittagessen in Saranda, da ich ein Fischrestaurant gefunden habe, wo hauptsächlich Einheimische Essen gehen. Es war super lecker, es gab auch nicht jeden Fisch auf der Karte, sondern das, was die Fischer gefangen hatten. Wir gönnten uns als Dessert Shëndetlie (Walnuss-Honig-Kuchen), DER albanische Nachtisch. Das gab es dann vom Haus geschenkt 🙌

Dann sind wir noch zum Einkaufen, um die restlichen Tage gut verbringen zu können und haben uns bei Ksamil ein Plätzchen für die Nacht gesucht. Gar nicht so einfach. Es ist so mega touristisch (Marius fühlte sich an Mallorca erinnert), und jeder Fleck am Meer ist Privatgrundstück. Der 3. Anlauf hat dann funktioniert. Obwohl die Anfahrt nicht ganz einfach war, da die Olivenbaum-Allee doch sehr niedrig für unseren 3 m Bus war…

Mit ein paar Kratzern mehr haben wir dann aber unseren Platz am Meer gefunden. Und unser Holz aus Montenegro kam hier dann noch zum Einsatz für ein letztes Lagerfeuer, nachdem der Himmel aufgehört hat zu brennen…

Weiter auf uralten Wegen

Die Sonne schien, allerdings waren wir auf der Schattenseite am Berg. Also starteten wir erst mal los um einen schönen Frühstücksplatz in der Sonne zu finden.

Kurz nach Amantia ging die Piste los. Wir konnten es nicht fassen, dass das bis vor ein paar Jahren noch die Hauptroute war…

Es gab immer wieder kleine Buchten, falls Gegenverkehr kommt. Wir waren froh, dass keiner kam. Es waren große Absätze drin und der erste Gang ganz oft noch viel zu groß. Es holperte und wackelte. Was weder auf Bildern noch auf Videos festgehalten werden kann.

Es war wieder mal ein tolles Panorama, man sah die meiste Zeit auf den Fluss Vjosa und sein großzügiges Flussbett…

Immer wieder waren Hunde auf der Strecke, die unser Auto laut und bedrohlich anbellten. Es waren alles Hütehunde, die Schaf- und Ziegenherden bewachten. Sie hatten alle kupierte Ohren. Und manche sehr seelenlose Augen. Das machte es uns an einigen Plätzen unmöglich, Pause zu machen. An einer anderen Stelle, wo genügend Platz, eine schöne Aussicht und ein Denkmal stand, stiegen wir aus. Und schon hörten wir ein zerfleischendes Bellen. Wir waren sehr schnell wieder im Auto 😅 Und schon stand so ein Hund, der ja nur seine Arbeit macht, am Denkmal und hat sich nicht mehr beruhigt. Wir hatten inzwischen echt Hunger, aber als dann auch der Hirte kam und der Hund sich nicht beruhigte, sind wir doch weiter gefahren.
Schließlich kam eine passende Stelle. In einer zerfallenen Steinhütte lag dann aber doch schon wieder ein Hund, der sich aber sehr gemütlich kratzte, kurz aufschaute und sich dann wieder um sich selbst kümmerte. Ausgestiegen sind wir trotzdem nicht😅. Haben dann im Bus gefrühstückt. Bis der Hirte des Hundes vorbei kam. Ein kleiner, älterer Mann, dem wir einen Kaffee angeboten haben. Den hat er gern angenommen. Ich konnte auch aussteigen, sein Hund war wirklich sehr gemütlich. Ich hab ihm was vom Hundefutter gegeben, was er kurz beschnupperte und dann wieder ging. Aus den Zeichen des Hirten deutete ich, dass er solches Futter nicht gewohnt war. Wir unterhielten uns so gut es ging. Deutschland fand er super, die Türkei auch. Ob wir Bambinis haben. Er hat kein Haus. Im Reiseführer habe ich dann gelesen, dass gerade in Südalbanien noch viele Hirten als Nomaden leben. Bis auf wenige Wochen im Winter, das ganze Jahr mit ihren Tieren in den Bergen verbringen. Er bedankte sich, fasste sich ans Herz und folgte dann seinen Schafen. Währenddessen fing es an zu Schmatzen neben dem Auto. Sein Hund hat sich doch noch über das Futter hergemacht…

Kurz danach kam ein junger, miauender Kater an, der das Hundefutter nicht kauen konnte. Er bekam etwas Joghurt und dann waren wir Freunde 😻 Ich durfte ihn streicheln und er schnurrte in einer Tour, bis er eine Maus fing und mit ihr unterm Auto spielte.


Weiter ging es auf, zum Teil noch gut erhaltenen Pflastersteinen, die die Römer hier verlegt hatten. Irre! Wer diesen Weg wohl schon alles gegangen ist? Mit welchen Fahrzeugen? Da hat sich beim Bauen wohl auch niemand Gedanken gemacht, dass da irgendwann, ein paar hundert Jahre später, Menschen zum Spaß drüberfahren…


Ich bin auch einen Teil der Strecke gefahren. Das haben ein paar alte Männer bei ihrem Spaziergang mit Freudenrufen quittiert.
Kurz vor Tepelena kamen wir an einer Schule vorbei. Die Kinder sahen uns schon von weitem und standen winkend an der Straße. Wir hielten und sie wollten wissen wo wir herkommen. Die Jungs haben Witze gemacht und sich kaputt gelacht. Und die Kleinste von allen, Margareta, hat mit ihren 7 Jahren und ihrem wenigen Englisch, ganz ernst versucht, sich mit uns zu unterhalten🫶 Ein älterer Junge verscheuchte die Jungs, die sich ans Auto lehnten. Und fragte dann, mit dementsprechendem Handzeichen, nach Geld. Grinste frech, als ich verneinte.


Wieder auf Teer ging es bei Tepelena an einem Aquädukt vorbei…

…und schließlich hatten wir noch einen atemberaubenden Blick auf den Niviça Canyon…

Unser Ziel war wieder das Meer, und die Straße runter war sehr neu. Leider haben sie die ganzen Hänge terrassiert. Da wächst nun gar nichts mehr. Also war es mit der tollen Natur vorbei.
In Himara machten wir am Strand Mittagspause. 8 Wohnmobile standen auf diesem P4N-Platz. So viele hatten wir seit Shkodra nicht mehr gesehen. Eine Katze lief alle Womos miauend ab, bekam bei uns etwas Futter, was sie nicht ganz gefressen hat. Aber dann, am nächsten Womo miauend an der offenen Tür weiter bettelte.


Für uns ging es noch ein kurzes, herausforderndes Stück weiter, an einen 4×4 P4N-Spot. Da standen aber schon 4 Autos an dieser Minibucht. Wir bekamen dann aber doch noch einen Platz direkt am Strand. Und von einem jungen Dresdner die Empfehlung, Georgien mal auf unsere Reiseliste zu setzen. Spannend, hatten wir noch gar nicht auf dem Radar🤔
Der Wind trieb uns dann aber doch am Abend wieder ins Womo. Aber was für ein Privileg, so stehen zu dürfen…

Ins Hinterland – auf uralten Spuren

Nachdem wir an einer Moschee Wasser aufgefüllt haben, bei einer Frau vor ihrem Grundstück Obst/Gemüse und endlich mal Eier von glücklichen Hühner gekauft haben, (es gab als Geschenk noch 2 Wassermelonen obendrauf), kam die schwierigste Aktion. Tanken. Es gibt Diesel, Euro Diesel, Blue Diesel und noch einen Mega Diesel. Die Preise liegen zum Teil fast 20 Cent auseinander. Wir recherchierten und ich habe sogar bei meinem albanischen Arbeitskollegen nachgefragt. Es geht um den Schwefelgehalt im Diesel, der 10 ppm nicht überschreiten sollte. Das ist der Euro Diesel, wobei auch beim anderen Diesel oft 10 ppm steht, bzw. manchmal beim Euro Diesel das kleiner/gleich Zeichen vermutlich falschrum geklebt ist. Es gibt dann trotzdem noch Unterschiede von 10 Cent beim Eurodiesel. Das aber, nachdem wir immer die billigsten Tankstellen angefahren sind, daran liegt, dass man bei den Billigen nur bar zahlen kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In Vlora noch den Rest an Lebensmitteln gekauft und dann schnell wieder raus aus der 5. größten Stadt Albaniens. Nach so viel Ruhe kann so eine Stadt sehr befremdlich sein.
Am Fluss Shushica fsnden wir eine Stelle, wo wir direkt ins Flussbett fahren konnten. Machten dort Mittagspause und nutzten das klare Wasser zum Duschen und Spülen…

So ein schöner Platz, am liebsten wären wir noch geblieben…

Aber Track 31 aus dem Offroad-Guide wartete. Bis vor einigen Jahren eine der wichtigsten West-Ost Verbindungen in Südalbanien. Es ist weiterhin die kürzeste Strecke, aber sehr herausfordernd.
Der erste Teil bis Amantia ist gut ausgebaut. Wieder eine Berglandschaft, wieder sieht es ein bisschen anders aus. Schon von weitem kann ich die Augen nicht von dem Hochplateau abwenden. Amantia. Eine antike Höhensiedlung aus dem 4. – 5. Jhd. v. Chr., wohl ein blühendes Zentrum an diesem ehemals wichtigen Handelsweg
Man kommt als erstes zum „Stadium“…

Schon da spürte ich eine wahnsinnige Energie, so stark hatte ich das noch nie. Ich kenne keine Deja-vus, aber vielleicht ist das sowas gewesen. Meine Haare haben sich aufgestellt und das Atmen viel mir schwer. Aber es fühlte sich gut an. Aufgeregt… Ein ruppiger Weg führte auf das Hochplateau und da wollte ich hin. Als der Bewuchs zu niedrig wurde, fanden wir eine Parkbucht und liefen den Rest. Oben waren vereinzelte Wohnhäuser und am ersten Haus kamen 2 Hunde bellend auf der Mauer angelaufen. Ein Mann kam uns entgegen, der uns gleich mit einzelnen Worten Englisch an die Hand nahm. Eine alte Frau deckte Säfte und Obst auf, was alles adrett hergerichtet war. Er zeigte uns einen Torbogen oberhalb der Häuser. Und dann ging es auf der Anhöhe weiter ans andere Ende des Plateaus, von dem aus man die Reste des Aphrodite Tempels sehen kann…

Die Sonne ging gerade hinter den Bergen unter und wir genossen dieses Lichtschauspiel…

Ganz beflügelt liefen wir zurück. Ein Hund stand im Weg und fing an zu bellen, war richtig aggressiv. Sobald wir uns einen Schritt weiter bewegen wollten, kam er knurrend auf uns zu. Also verharrten wir, ich fing irgendwann an zu rufen, in der Hoffnung, dass der Mann diesen Hund zurückruft. Aber da kam keine Hilfe. Marius ging auf Stocksuche und ich blieb weiter stehen. Der Hund fing an sein Revier zu markieren. Und nach einer gefühlten Ewigkeit lief er zurück zu den Häusern. Als wir wieder bei der Frau vorbeikamen, wollte sie uns selbst gepressten Saft anbieten…

Wir hatten aber kein Geld in der Tasche. Schon da entglitt ihr ihre Freundlichkeit kurz. Wir erklärten mit Händen und Füßen, dass wir Geld im Auto holen. Er begleitete uns zum Dorfausgang, wo die 2 Hund wieder bellend und Zähnefletschend ankamen. Er hob einen Stein auf und als er die Lage als „sicher“ einstufte, winkte er uns vorbei. Er wartete dort.
Wir holten Geld und den Pfefferspray, den wir wegen der Bären gekauft hatten. Und mit Stock und Stein bewaffnet, gingen wir zurück. Gleiches Spiel wieder mit den Hunden. Wir sind da so unbedarft an den Tieren vorher vorbei beim ersten Mal 🙈
Wir durften den Saft probieren, es war der Saft aus einer roten Beere. Und dann wollte sie verkaufen. Wir ließen 2 kleine Flasche vom Saft einpacken. Sie lächelte und schacherte um eine dritte. Auch Obst wollte sie noch einpacken. Und dann wollte sie 10 Euro für den Liter Saft. Wir handelten rum, sie gab nicht nach. Wollte dann aber Geld für den verkosteten Saft. Wir gaben ihr dafür 2 Euro. Bedankten und verabschiedeten uns. Interessant, wie schnell die freundliche Maske fiel. Aber der Sohn begleitete uns trotzdem nochmal an den aggressiven Hunden vorbei und sie kam uns dann noch hinterher und schenkte uns einen Granatapfel.

Wir hatten noch gefragt, ob wir dort auf der Parkbucht schlafen dürfen…

Schlafplatz mit grandioser Aussicht

Was kein Problem war. Und atmeten erst einmal tief durch, als wir sicher im Auto waren. Ich googelte, und da stand schon in der ersten Bewertung von der „guten Verkäuferin“. Außerdem, dass sie die Besucher zum Teil so in die Enge treiben, dass sie das Gefühl haben, gar nichts anderes machen zu können, als den überteuerten Preis zu zahlen. Auch stand die Vermutung drin, dass das mit den Hunden eine Masche sein könnte. Wie auch immer. Die 2, Mutter und Sohn, leben da oben in einfachsten Verhältnissen…

…mit ihren Schafen und Ziegen, den Hütehunden und versorgen sich wahrscheinlich zum größten Teil selbst. Ich habe größtes Verständnis und begrüße es ja auch, wenn da jemand geschäftstüchtig die Lage nutzt. Aber eben nicht ausnutzt. Einerseits tun uns 10 Euro nicht weh. Aber es muss doch auch in Relation stehen?!? Wobei sie nicht auf unseren Handel (wir hätten ihr die 2 Flaschen für 5 Euro abgekauft) einging. Besser 5 Euro als gar nichts? Oder hat sie es doch nicht nötig? Ich kann nicht einschätzen, wie viele Touristen da täglich vorbeikommen. Ach, hinterlässt so gemischte Gefühle… Die erste, intuitive Reaktion war bei uns beiden sofort einen Schritt zurück und Erstaunen über den hohen Preis. Aber dann fragt man sich doch, ob man nicht zu geizig war? Wir haben es hin und her gedreht und konnten und wollten dann aber auch nichts mehr an der Situation ändern.

Ich hatte eine unruhige Nacht, wieder dieses Gefühl dieser Energie in diesem Berg, auf diesem Hochplateau, wo so viel und so lange Geschichte drin steckt…

2 Tage am Meer

Wieder regnete es beim Aufwachen. Und die Berge, wo wir eigentlich stehen würden, waren in dicke Wolken gehüllt. Aber das Wetter war ab mittags besser angesagt. Also fuhren wir auf direktem Weg Richtung Meer. Ein anderer Grund ist auch die Wasserqualität. Im Reiseführer bin ich auf eine Internetseite gestoßen (eea.europa.eu), wo von sämtlichen Ländern die Wasserqualität eingetragen ist. Und inn Albanien ist überall dort, wo die Touristen sind, also die größeren Städte am Meer, die Wasserqualität so schl, dass. an da eigentlich nicht baden sollte. Die Abwasser werden dort überall ins Meer geleitet…

In Spille entsorgten wir noch unseren Müll, da hat diese Dame unentwegt mit Marius gesprochen…

Wir fuhren am Ort und den Hotels vorbei und stellten uns dann auf die Dünen (P4N)…

Nach dem Yoga kam dann auch noch die Sonne raus und so war sogar Baden noch drin…

Der kühle Wind wurde im Laufe des Nachmittags immer stärker, und so gingen wir Feuerholz sammeln. Das war nicht schwierig, es lag einiges am Strand rum, und hinter den Dünen war ein Pinienwald…

Das Pinienholz ist schwer zu sägen, also war es uns dann auch wieder warm.
Bei Sonnenuntergang zündeten wir unser Lagerfeuer an…

Ich telefonierte noch mit meinen Mädels, die (fast) alle beieinander waren. Das habe ich sehr genossen!

Marius und ich haben es gut miteinander und uns viel zu erzählen, aber mal wieder anderen Input habe ich durchaus genossen.

Und der nächste Tag begann mit Frühstück auf der Düne…

…einem Anruf bei meiner Familie und dann einfach vor sich hin leben. Wir lesen gerade beide „Wenn unsere Welt kippt“. Eine Coming-of-Age-Saga die uns beide an unsere Ebooks fesselt. (Davor war es „Soweit der Fluss uns trägt“, so traurig aber so schön). Außerdem bin ich noch am Adventskalender herstellen, Sport passte auch super rein. Marius angelte. Ein Spaziergang am Strand mit Telefonat. Essen natürlich, nochmal Holz sammeln und abends wieder Lagerfeuer. Schwimmen im Meer nicht zu vergessen. Und wir sind uns noch nicht so ganz einig geworden, welche Kühlerfigur wohl die Bessere wäre…

Leider haben wir nur tote Tiere am Strand gefunden…

So ging auch der zweite Tag vorbei.

Ich bin nach Spille gelaufen. Es war Sonntag, deshalb ein paar wenige Menschen am Strand…

fast alle Restaurants verbarrikadiert…


…und die Straßen wie leergefegt…

Ich kann das nicht verstehen. Überall wo wir in der Nachsaison waren auf unseren Reisen, sind die Orte am Meer wie verlassen. Wo sind die ganzen Menschen, die den Sommer über hier arbeiten. Warum behalten sie die Infrastruktur nicht auch den Winter über bei. Haben sie wirklich alle den Winter über Jobs im Inland?!? Warum genießen sie nicht diese ruhige Zeit am Meer?

Beim Zurücklaufen kam mir ein Mann entgegen, der mich mit Handzeichen aufhielt und mir dann aus seiner Tüte Trauben in die Hand drückte, noch einmal freundlich winkte und weiter lief.
Der Strandort Spille ist sauber, bis zum letzten Restaurant. Dann auf einen Schlag wieder Müllhalde…

Auch der Teil Strand, an dem wir stehen, ist vermüllt und in den Dünen zwischen den Sträuchern wird Müll einfach abgeladen…

Dafür haben wir echt kein Verständnis. Der Wind und der Regen kann vieles mit sich reißen, was dann irgendwann im Meer landet und dann am Strand wieder angespült wird. Aber zwischen den Dünen standen Kinderwägen, volle Mülltüten, Matratzen…
In jedem Urlaub ist das Thema, und wir verlassen jeden Platz ein bisschen besser, als wir ihn vorgefunden haben. Aber immer wieder fühlt es sich so ohnmächtig an. Es gibt große Mülltonnen und wir haben auch schon ein Müllauto fahren sehen. Als wir unseren Müll entsorgt haben, redete diese Dame unentwegt auf Marius ein

Marius hatte die tolle Idee, dass alle Straftäter tagsüber doch Müll sammeln könnten 🤷‍♀️
So schön dieser Platz ist, das war doch ein Wehrmutstropfen. Und auch die Stechmücken, die in der Dämmerung über uns herfallen und auch morgens noch eine Zeit lang aktiv sind.
Leider war am Montag morgen alles leer. Trinkwasser, Wassertank, Essen. Und so packten wir schweren Herzens wieder zusammen. Ich war natürlich nochmal schwimmen und habe diese Weite in mich aufgesogen…

Elbasan

Am nächsten Morgen regnete es. Um vom Campingplatz zu kommen, musste Marius erst mal kräftig rufen und stampfen. Denn die Hühner fanden unser höhergelegtes Auto super um sich vor dem Regen zu verkriechen…

Wir wollten dem Besitzer noch Eier abkaufen, aber momentan nur „Baby Chicken“ .

Da in Tirana alles was mal osmanisch war, für irgendwelche kommunistischen Bauten abgerissen worden war, fuhren wir die Route über Elbasan. Das Navi hatte uns 2 Optionen angeboten zum geplanten Ziel. Und wieder mal wurde kurzfristig der eigentliche Plan über den Haufen geworfen🙃


Elbasan war zur kommunistischen Zeit die Stahlwerk-Stadt…

Von den Russen geplant und den Chinesen gebaut, wurde es „Stahl der Partei“ genannt. 1990 wurde das Werk geschlossen, 12.000 Menschen verloren ihre Arbeit und die Dunstglocke über der Stadt verschwand. 1997 wurden illegal große Teile demontiert und ins Ausland verschoben, dann aber von den Türken wieder eröffnet. Probleme mit den Umweltschutzauflagen gab und gibt es immer wieder…

Aber die Innenstadt ist sehr schön…

Neben kommunistischen Bauten…

…finden sich Neubauten…

…und die traditionellen osmanischen Gebäude…

Und wie überall hier, liegt neben dem Schönen und Gepflegten, der Zerfall…

Außerdem liegt unter der Altstadt eine spätantike Stadt begraben…

Zum Mittagessen gab es wieder sehr traditionelles Essen. Für Elbasan typisch, „tavë kosi“, Lammfleisch als Auflauf in einer Ei, Mehl und Joghurtmasse…

Der Kellner konnte super Englisch und meinte, dass Marius danach auf jeden Fall satt ist. Und er mir deshalb eine typische Joghurtsoße zu meinem Gemüse nur als kleine Portion bringt.
Er war mehr als satt, es hat lecker geschmeckt (bis auf die Joghurtsoße, zu sauer) und das alles für 12 Euro.

Wir brauchten noch Gemüse und Obst und kamen zu einer Händlerin, die sich so bemühte, uns die Namen der verschiedenen Sorten auf albanisch zu erklären. Auch war ihr wichtig, dass wir albanisches Gemüse kaufen und nicht das importierte Zeug aus Italien. Sie ließ mich auch an einer Quitte schnuppern. Aber was sollte ich mit Quitte anfangen? Als ich sie wieder zurück legte und meinen Einkauf bezahlte, nahm sie die Quitte, und legte sie mir in meine Tüte. (Während ich hier schreibe, köchelt ein Quitten-Kokos-Rote Linsen-Eintopf auf dem Herd)

Dann fuhren wir Richtung Gjinar mit Endziel Gramsh. Es ging also wieder in die Berge, wir hatten wunderschöne Panorama-Ausblicke…

Sahen kleine Dörfer, teils mit sehr einfachen Häusern mit Wellblechdach. Die Straße war meist geteert, aber in schlechtem Zustand und manche Beschilderung brachte uns echt zum Lachen…

Keine Chance hier 40 zu fahren. Auf der Autobahn darf man oft nur 60 fahren. Da hält sich natürlich niemand dran.

Dann wieder neue Restaurants und in Gjinar Ferienwohnungen. Die Städter fahren wohl im Sommer hier raus, um die gute Luft zu genießen. Ab Gjinar begann die Schotterpiste. Ein Pick-Up mit jungen Menschen, der uns schon mal überholt hatte, fuhr an uns vorbei. Sie winkten, hielten an, wollten sich gerne unterhalten. Aber sie sprachen kaum Englisch. Ob wir was brauchen? Nein, Faleminderit! Ein Winken und los fuhren sie…

Wir wollten eigentlich noch ein Stück fahren, 27 km war die Piste lang. Um das ganze Stück zu fahren waren wir aber zu spät dran. Und dann hatte Marius plötzlich eine Blickfeldeinschränkung. Und so abenteuerlustig ich auch sein mag, da bin ich dann doch wieder zu arg Intensivschwester. Ich stieg auf den Fahrersitz und fuhr wieder zurück nach Elbasan. Wollte ich doch, wenn es ernst werden sollte, ein Krankenhaus in der Nähe haben. Und nicht erst 30 km die Berge runter kurven. (Alles gut, es war weiter nichts und kam bisher auch nicht wieder!)

Wir standen dann an einem Fluss auf einer Wiese (P4N). Eher eine Müllabladestelle, wieder mal…leider…so schade.

Der Frust war groß bei Marius, schon wieder ein Track, den wir nicht gefahren sind. Und natürlich war da auch Angst. Weil ich so reagiert habe. Aber die Gesundheit geht vor. Und wer weiß für was es gut war. Dieser Satz hört sich so abgedroschen an. Aber er hat sich doch immer wieder bewahrheitet. (Zuletzt in Hamburg! Als wir Mädels unsere gebuchte Elbschlosskeller-Tour verbummelt haben. Da hab ich es auch gesagt, als Petra völlig frustriert war. Und dann gab es ganz unverhofft ein kostenloses Upgrade für die Tour die der Chef selber gemacht hat. Am Tag vorher, und die Tour nach uns, sind ausgefallen, weil er von einem Hund gebissen worden war).
Während der langen Fahrten auf Autobahnen ohne schöne Landschaft hören wir gerade das Buch von ihm „Elbschlosskeller“. Eine andere Welt!

Tirana

Der Plan war eigentlich, den ganzen Donnerstag am Strand zu bleiben, weil die Wetter-App Regen erst für nachmittags angesagt hatte. Wir wollten die Düne hoch und ich mich runterpurzeln… Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Wobei ich mich, glaube ich, schon noch mehr gefreut hätte, wenn ich diese Düne runtergewirbelt und danach im Meer gebadet hätte…
Da es aber schon tröpfelte und ich echt keine Lust hatte, im Sand stecken zu bleiben, uns stundenlang frei zu buddeln oder zu schauen, wo wir jemand mit einem Traktor herbekommen, war es echt okay für mich, zu fahren.
Auf dem Weg haben wir wieder versucht, einem Straßenhund Futter hinzulegen, aber die haben so Angst, sobald man aussteigt, und laufen davon. Wir hoffen einfach, dass er zurück kam und es gefressen hat.

Dann kamen wir in die erste Stadt direkt am Meer. Shëngjin. Die Straße führte durch Militärgebiet an einem Wachhäuschen vorbei. Schräg🙃 Und dann lag sie mit ihrer ganzen Hässlichkeit vor uns…

Es war Regen angesagt. Unsere Idee, nach Tirana zu fahren und uns dort ein bisschen was anzuschauen. Wir fuhren zum Camp Dajit (10 Euro/ Strom 3 Euro)…

Warum auch immer 2 Schilder ?!?

Es ist eine kleine grüne Oase am Stadtrand mit ganz viel Hühner, Enten, Truthähnen, 2 Kühe. Sie fanden es spannend, als wir Yoga gemacht haben…


Mit dem Bus fährt man für 40 Cent pro Person tagsüber in 45 Minuten ins Zentrum. Wir begannen unsere Tour auf dem Skanderbeg-Platz. In alle Richtungen sieht man verschiedenste Hochhäuser…

Wir bummelten ein bisschen umher, hoben nochmal Bargeld ab. Was kurz zu einem riesen Theater führte. Man zahlt zwischen 6 – 9 Euro Gebühr, grundsätzlich. Und dann sind die Banken noch so unverschämt, dass sie einem 2 Möglichkeiten anbieten. Einmal in Landeswährung mit den erwähnten Gebühren. Und einmal rechnen sie um in Euro und dann sind es insgesamt 33 Euro Gebühren. Man klickt, weil man es ja weiß, in Landeswährung an. Dann geht wieder ein Fenster auf, es zeigt wieder den hohen Betrag an und ich drück den falschen Knopf. Ohne nochmal bestätigen zu müssen sind schwupp, 33 Euro Gebühren erhoben. Marius stand hinter mir, ruft nein, mein Finger hatte schon gedrückt… Soooo ärgerlich. Für 33 Euro kann man locker 2 mal Essen gehen.

Dann besuchten wir Bunkart2…


Ein sehr intensives, ausführliches Museum über die kommunistische Zeit in Albanien…

Alles unterirdisch in einem Bunker…

…ständig lief im Hintergrund eine Sirene. Letztendlich ähnlich/gleich der DDR, man nannte die Spione Fuks und bis 1990 wurden Menschen an der Grenze getötet…

Es wurde aufgezeigt, wie die Menschen abgehört wurden. Auch die Foltermethoden wurden ausführlich beschrieben…

Es wurde immer bedrückender, die Räumlichkeiten trugen dazu bei…

Wieder einmal dankbar, in was für einem Teil Erde wir geboren wurden🙏

Und dann sind wir natürlich die Kulinarik auskosten gegangen. Auf dem Markt noch Bergtee gekauft und dann gabs Köfte für Marius und Fërgesë (ähnlich Ricottakäse mit Paprika und Tomaten) und Bohnen mit Reis für mich…

Wer findet den Neider?!?😻

Ein Besuch in einer Shishabar gehört auf dem Balkan irgendwie dazu…

Und dann problemlos mit dem Bus wieder zurück…

Auch der ein ausgemustertes Modell

Shkodra

Am 14. musste ich doch tatsächlich was arbeiten 😅. Ich hatte ein Zoom-Meeting und brauchte stabiles Internet. Deshalb fuhren wir von unserem schönen Stellplatz auf den Campingplatz Lake Shkodar Resort (14,50 Euro ohne Strom). Wir waren früh dran, hatten große Auswahl auf diesem riesigen Platz mit Blick auf den See. Wir wollten den sonnigen Tag nutzen, um Wäsche zu waschen. Ha, das wollten aber alle die dort waren. Hier wurden keine Liegen reserviert, sondern die Dreckwäsche auf die Waschmaschinen gestellt, um als nächster waschen zu können. Waschen kostet 4 Euro, von den 4 Waschmaschinen funktionierten nur 2. Die 3. hatte beim Vorgänger nicht geschleudert. Wir dachten, weil zu viel drin war. Haben nicht so viel rein und mussten dann trotzdem alle Wäsche auswringen. Ich bekam die 4 Euro wieder und habe sie dann in den Trockner investiert. Denn nachmittags um 4 trocknete die Wäsche auch nicht mehr ab. Eigentlich sollte es ein gemütlicher Tag werden. Aber irgendwie war immer was zu tun.
Ich zwischendurch mein Zoom Meeting abgehalten. Ganz ehrlich, so gefällt mir arbeiten. Konnte so ein bisschen dieses digitale Nomadendasein erschnuppern…

Bis abends hatte sich der Platz gefüllt. Und wieder mal wurden wir auf unser Auto angesprochen. So wie es aussieht, würden wir ja auch Offroad fahren. Ja, tun wir. Tatsächlich hatte uns auf dem Durmitor ein anderes 4×4 Fahrzeug angehalten, und gefragt, ob wir schon Offroad fahren? Ja! Ah okay, dann dürft ihr den einen Track nicht fahren, da hängt ein Serbe im Schnee fest. Inzwischen gibt es so viele solcher Autos, aber viele fahren damit eben nur auf Straßen und Campingplätze…


Das Restaurant am Campingplatz war gut bewertet und sie haben auf der Karte auch traditionelles albanisches Essen. Das haben wir versucht, wie alle anderen auch. Es war lecker! Bohnensuppe, albanischer Reis, Grillgemüse, hausgemachtes, sauer eingelegtes Gemüse, Salat mit Feta und selbst gebackenes Pizzabrot.

Am nächsten Morgen sind wir früh los, weil wir nach Shkodra auf den Markt wollten. Ich war an der Reihe mit fahren. Denn die südländischen Städte sind mein Metier. Wenn sich keiner an Regeln hält, das aber alle tun, dann pass ich da super rein. Das Navi hat uns durch die engsten Gassen gelotst. Wir mussten sogar wegen tief hängenden Stromkabeln aufpassen. Einen Parkplatz am Sportstadion (P4N), fast neben dem Markt. Der war leider nicht so wie wir uns das vorgestellt haben. Es gab haufenweise Gemüse und Obst, aber keine Fressbuden, wie wir uns erhofft hatten. Aber Granatapfelsaft, frisch gepresst…


Wir kauften unsere Lebensmittel fürs Abendessen ein und bekamen die Hälfte geschenkt. Eine Zwiebel und 2 Chilischoten kosten so wenig, dass sie es uns lächelnd in unsere Tasche gepackt haben.


Nun hatten wir aber immer noch kein Frühstück, das holten wir in den entspannten Straßen Shkodras nach. Es ist viel Verkehr, es wird gehupt, aber irgendwie sind die Menschen sehr locker. Wir saßen unter dem altesten Baum Shkodras. Marius bekam Kaffee…

ich bestellte Chai, erwartete Schwarztee und bekam warmen Zitronen-Eistee, er hat orginal so geschmeckt, wie dieses Instantzeug, dass ich noch zu Wohnheim-Zeiten getrunken habe.
Wir vermuten, dass nicht nur unsere alten Autos hier landen (teilweise sogar noch mit deutschem Kennzeichen)…
sondern auch die ganzen ausgemusterten Fahrräder…

Dann ging es ans andere Ende der Stadt. Zur Burg Rozafa. Sie thront seit über 2000 Jahren (zumindest die Ursprünge) über der Stadt…

Man hat einen Rundumblick auf 3 Flüße und den Shkodrasee und egal in welche Richtung man schaut, es ist wunderschön…

Da hätte ich auch eine Burg gebaut…

Der König der „Rotzaffa“ 😉


Die Audiotour die man über einen QR-Code einscannen kann, funktioniert nicht. Das übernimmt aber ChatGPT. Auch nicht fehlerfrei, aber es ist schon krass. Zu ihrem Namen kam die Burg folgendermaßen: 3 Brüder wollten die Burg bauen, aber egal was sie anstellten, immer wieder krachten die Burgmauern ein. Sie waren verzweifelt und holten Rat, und da hieß es, dass sie ein Opfer bringen müssen. Natürlich kamen die 3 Brüder auf die Idee, eine ihrer Ehefrauen zu opfern. Rozafa, die Jüngste, opferte sich freiwillig… Was würden die Männer nur ohne ihre Frauen tun?!?

Abgesperrt ist mal wieder gar nichts 😅, und jeder Raum in den man rein kann, riecht nach Urin 😖

Wir fuhren dann ans Meer. An einen langen, wilden Strand zwischen Velipoja und Shengjin. Unser erstes Mal Sandpiste…

Und dann standen wir da, ganz allein auf weiter Flur. Nackt bis ans Meer vor springen und baden! Ein lang ersehnter Traum hat sich erfüllt!

Später fuhr noch ein anderes Auto zum Übernachten an uns vorbei. 2 Motorräder, die an der Düne hoch fuhren und ein paar Fischer waren am Strand bzw. auf dem Wasser unterwegs. Marius sammelte Holz fürs Lagerfeuer…
Doch dann kam der Wind, der uns ins Auto verbannte. Und der ging auch nicht mehr…

So schön die Bilder aussehen, leider liegt überall Müll. Zumindest der Weg vom Auto zum Strand war sauber, ein großer Müllsack voll. Der lag praktischerweise mittendrin, man musste ihn nur noch füllen.

Albanien

Wir fuhren durch’s Skigebiet Kolašin, in dem fleißig gebaut wird. Da scheint der Tourismus an Fahrt aufzunehmen. Große, luxuriöse Hotels und kleine Ferienhaus-Siedlungen.

Noch einmal vollgetankt für 1,34 Euro, im ganzen Land der gleiche Preis. Und dann kamen wir an den kleinen Grenzübergang zu Albanien bei Gusunje. Papiere inklusive Autopapiere wurden kontrolliert und schon waren wir gefühlt in einer anderen Welt. Wir wissen beide nicht, ob es daran lag, dass die Sonne wieder schien und der Thermometer bis auf 20 Grad stieg, aber wie damals in Bosnien, haben wir uns schockverliebt.

Alles wirkt einfacher, schon die erste Brücke ist ein Abenteuer…

Der Fluß ursprünglich…

Wir haben in Montenegro nicht mehr eingekauft, weil es in Albanien billiger ist, und halten am ersten Laden…

Wahrscheinlich bio, aber es gab nur Selbstgebrannten und Marmelade. Der Diesel war wohl auch nicht unbedingt bio 😉 Es standen 5 Männer drin, die kaum Notiz von mir nahmen, mich auch erst gar nicht rein ließen. Ich bin echt gespannt, wie sich das hier so verhält, mit der Interaktion zwischen Mann und Frau. Spannend war dann nämlich, dass drei der Männer, als wir ein paar Kilometer weiter an einer Quelle anhielten, um unsere Trinkflaschen zu füllen, uns erst überholten. Dann zurücksetzten und ausstiegen um mit uns zu reden. Bzw redeten sie mit mir, weil ich ausgestiegen war. Es war herrlich, einer hatte mal in Köln gewohnt und konnte noch etwas deutsch, und so hatten wir eine kleine, nette Unterhaltung. Einer der 3 hat mir stolz seinen FC Bayern München Ring gezeigt und schon waren wir beim Oktoberfest.

Im nächsten Ort auf dieser majestätischen Strecke durch die albanischen Alpen, Tamarë, gab es einen Supermarkt. Wir brauchten dringend Joghurt für’s Mittagessen. Von außen sah das fast modern aus. Als wir rein sind, mussten wir die Handy-Taschenlampe anmachen, weil kein Licht ging. Dementsprechend gingen auch die Kühlschränke und Gefriertruhen nicht. Joghurt gab es auch keinen, also wieder raus und in den nächsten Tante Emma Laden. Da stand Joghurt in der Mitte des Ladens auf dem Boden, ungekühlt. Aber ja, wird schon passen. Da es bisher noch keinen Geldautomat gab, fragte ich ob wir mit Euro zahlen können. Sie lächelte mit ihrem Goldzahn unter ihrem Kopftuch hervor, meinte Ja, und verlangte dann 2 Euro für 1 kg Joghurt.

Die jugendlichen Mädchen im Dorf waren freundlich und winkten und so ging es dann auch weiter. Als wir vor unserem geplanten Track in einer Nebenstraße unser Müsli aßen, hupte jedes Auto und viele Hände winkten aus allen Fenstern.

Und dann ging es unterhalb von Tamarë links weg zu den Dörfern Vukël und Nikç. Wohl noch Albanien in seiner ursprünglichsten Form…

Von dem Straßennetz in Albanien sind von 18500 km nur 7500 km geteert, der Rest ist Schotter. Aber es wird täglich mehr. So wie wohl auch die Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen. Die ersten 9 km waren problemlos…

Dann kam der Offroad-Teil…

Und unser Werkzeug war auch im Einsatz…

Dieses fiese Quietschen, wenn man am Gestrüpp vorbeifährt zerreißt Marius weiterhin das Herz.

Auch ich fuhr einen Teil und stand dann aber mitten im Hang vor einer Mauer und gab zu wenig Gas. Marius hat das dann aber gerettet und wir kamen heil im letzten Dörfchen an…

Wir liefen noch etwas umher, die Kirche war für diese Verhältnisse riesig und auch der Friedhof war immens…

Und schon kam ein Junge an…

Santiago, 9 Jahre alt, sprach etwas englisch und wollte uns unbedingt ins einzige Guesthouse bringen, damit wir Kaffee trinken konnten. Er trank Fanta. Als seine Dose leer war, schmiss er sie einfach weg. Ich rüffelte ihn und er sah mich verdutzt an, als ich seine Dose und die 3 Flaschen die da auch noch lagen, aufhob und mitnahm. Da wir bei Tageslicht noch an unseren Stellplatz kommen wollten, verabschiedeten wir uns und traten die Rückfahrt an. Was für ein Abenteuer. Was für eine schöne Landschaft. Aber so abgeschieden leben wollen, würden wir nicht.

Zurück auf Teer mussten wir uns in vielen Serpentinen wieder aus dem Tal hinaus schrauben. Um dann auf der anderen Seite, nachdem ich noch ein paar wilde Granatäpfel gepflückt hatte, wieder runter zum großen Shkodar-See zu fahren.

Ein P4N Platz bei Grude war nur über enge Straßen zu erreichen, wo gerade alle heim wollten…

Zum Schluss hin musste Allrad noch rein, da der Weg nass und mit riesigen Schlaglöchern übersäht war. Aber die Atmosphäre war grandios…

Tara – Canyon

Der zweittiefste und auch zweitlängste Canyon der Welt. Bis zu 1500 m hat er sich ins Durmitormassiv eingegraben. Und wir konnten vom Camp auf ihn herunterblicken…

Auf der großen Brücke, wie auch davor und danach waren Baustellen und unsere Nachbarn hatten sich die Brücke etwas genauer angeschaut und meinten, dass in Deutschland da keiner mehr drüber fahren dürfte…

Der Sonntag Morgen begann gemütlich, wir tauschten noch Handynummern und einer nach dem anderen zog seiner Wege. Wir wollten natürlich noch ans Wasser runter. Die letzten 500 m mussten wir laufen…

Ein kalter, klarer Fluss. Danach führte uns der Weg an einem Aussichtspunkt vorbei. Das war wenig spektakulär. Die gesperrte Straße hätte am Canyon entlang geführt. Man kann nicht alles haben🤷‍♀️

Da uns der lange Umweg empfohlen wurde, da es gute Straßen und landschaftlich schön sei, sind wir also bis fast an die serbische Grenze hoch und dann wieder ins Landesinnere. Das Wetter war weiterhin bescheiden, 15 Grad und Wolken. Aber die Natur gibt ihr bestes und zeigt sich in den schönsten Herbstfarben…

Zwischendurch mal anhalten und Straßenhunde füttern…

Wir wollten nun heute den Track fahren und dort an Berghütten übernachten. Der Track ging durch den Biogradska Gora Nationalpark. Es kostet 4 Euro Eintritt pro Person. Ich saß mit dem Trackbook auf dem Schoß am Start, um uns zu navigieren. Aber dann stand am Ende des Parkplatzes, also am Beginn des Tracks, ein Auto im Weg. Wir stiegen aus und ein Parkranger kam, der meinte, dass dort so viel Schnee liegt, dass der Campingplatz an den Berghütten seit einer Woche geschlossen hat. Und er nicht wüsste, ob er überhaupt befahrbar ist. Vor ein paar Tagen sei einer hoch gefahren und hat die vielen Bäume, die bei dem Sturm umgefallen sind, aus dem Weg geräumt, aber wie gesagt, ob das oben befahrbar wäre, müssten wir im Infozentrum fragen. Da kam die klare Antwort, keine Chance.

Enttäuscht, dass auch der 2. Anlauf nicht funktionierte gingen wir noch am See spazieren…

Aber es war kalt und nun hatten wir genug von den Bergen. Marius hatte auch in einem Forum gelesen, dass es momentan in Montenegro über 1700 m Höhe einfach schwierig bis unmöglich ist, wegen des Schnees zu fahren. Wir verbrachten die Nacht in Kolašin, ein Wintersportort, beim Sportzentrum. Als wir uns dort auf den Parkplatz stellten, sahen wir einen Mann beim Müllsammeln. Den fragte ich dann auch, ob es okay wäre, die Nacht hier zu verbringen. Er hatte eine Jacke mit Security Aufdruck an und war super freundlich. Er gab mir die Hand und erklärte mir, dass es sein kann, dass Jugendliche hier zum Kiffen auftauchen und nachts eben keine Security wäre. Aber wenn uns das nicht stört, dann könnten wir hier gerne stehen. Es ist wirklich schön, wie sehr die Menschen hier auf die Sicherheit der Touristen bedacht sind.

Durmitor Nationalpark

Ach wie liebe ich unsere Standheizung. Der nächste Morgen startete mit Nieselregen. Und laut App sollten die Wolken den ganzen Tag nicht aufreißen. Und das, wo wir eine der spektakulärsten Panoramastrecken Europas fahren wollten. Das Bergmassiv hat über 40 Gipfel über 2000 m Höhe, und ist UNESCO Weltkulturerbe.

Marius war optimistisch und so zogen wir dann los und hatten tatsächlich Glück, immer wieder kam die Sonne durch die Wolken und wärmte sofort…

Was auch bitter nötig war. Der Schnee, der die Woche vorher gefallen ist, lag dort immer noch, und es war bei 2 Grad sogar glatt…

Es war wunderschön…

Und ich dankbar, im warmen Auto sitzen zu dürfen…

Es gibt die Izi-App, die uns empfohlen wurde, weil sie wohl in Montenegro gut funktioniert. Es gibt auf dieser Panoramastrecke, über 50 Punkte, wo die App einem zu Land und Leute und zu den verschiedenen Gipfeln und Dörfer was erzählt. Leider hat es bei mir nicht funktioniert. Hab sogar noch für einen Monat ein Abo abgeschlossen, aber ging gar nix. Nicht mal den Download konnte ich öffnen. Schade. Vor allem weil ich so viel Zeit damit verbracht habe, ins Handy zu schauen statt die Landschaft zu genießen…

Diese traditionellen Heuhaufen werden von Hand geformt um es für den Winter zu lagern.

Weiter ging es dann Richtung Tara Canyon. Wir wollten eine Offroad-Tour fahren. Aber die Straße dorthin war gesperrt. Wäre nur über einen Umweg von 120 km zu erreichen gewesen. Oh, war ich sauer😵Sollte aber noch am selben Abend wieder mal vom Leben belehrt werden, warum schon alles so läuft wie es läuft🤷‍♀️

Wir fuhren über eine riesige Brücke über die Schlucht und auf einen Campingplatz der direkt über der Schlucht thront…

Dort standen schon 2 deutsche Offroad Fahrzeuge und kaum hatten wir eingeparkt, wurde uns schon das erste Bier angeboten…

Es gab eine Feuerstelle und so machten wir Lagerfeuer, ist doch etwas geselliger bei fast einstelligen Temperaturen…

Wir durften dann noch zur Schnapsverkostung beim Chef vorbei…

Ein Engländer war noch mit am Platz, der aber nach dem Schnaps kein Bier mehr wollte. Er schlief im Zelt und wollte unbedingt vermeiden, nachts auf Toilette zu müssen.

Ein Pärchen war aus dem Sauerland, die neben ihrem Offroadmobil auch noch ein großes, langes Wohnmobil besitzen. Er erklärte uns, warum er 2 Wohnmobile hat. Natürlich aus den ganzen Gründen, die wir ja kennen und warum wir auch so ein Fahrzeug fahren.. Geländegängig, wendiger… Aber der Grund, den wir nicht kennen, ist der, dass sie mit diesem Fahrzeug weniger Probleme haben, mit anderen in Kontakt zu kommen. Wenn sie mit der Concord unterwegs sind, müssen sie aktiv auf die Leute zugehen. Er hat immer Bier an Bord und verteilt es, um ins Gespräch zu kommen. Das wäre mit dem Offroadmobil nicht notwendig. Da sind wir wieder bei den Schubladen… Es sind genau die selben Menschen, egal in welchem Fahrzeug sie unterwegs sind. Und was auch sehr berührend war, sie hatte Krebs, hat es trotz schlechter Prognose überlebt. Daraufhin hat er seine Firma verkauft und jetzt leben sie! Und sind unglaublich großzügig.

Im anderen Fahrzeug war eine Familie aus dem Osten. Er hatte während Corona das Fahrzeug komplett selber gebaut.

Wir hatten interessante Gespräche, Reiserouten ausgetauscht und viel gelacht. Was für ein schöner Abend. Auch hat sich ein schwarzer Kater zu mir unter meine Decke gekuschelt und die Streicheleinheiten genossen – und ich es genauso…